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Hopfner und der Streit mit Watzke: Wehrhaft gegen Unterstellungen

Das sportliche Duell zwischen FCB und BVB birgt enorme Brisanz, aber es ist nicht der einzige Brennpunkt des Pokal-Finales. Auch in der Führungsebene ging es zuletzt hoch her.

München. Karl Hopfner ist grundsätzlich ein sehr bedächtiger Mensch und kein Polterer, aber eben auch kein Mensch, der zaudert. Der neue Präsident von Bayern München und Nachfolger von Uli Hoeneß hat bereits gezeigt, dass er sich nicht nur als stiller Diplomat im Hintergrund versteht, sondern Konflikte sehr wohl auch offensiv austragen kann.

Er sehe sich nicht als Abteilung Attacke, werde sich aber auch nicht zurückhalten, "wenn einer aus unserer Familie angegriffen wird, dann werde ich mich schon zu wehren wissen, dann werde ich den FC Bayern verteidigen, wie man eben ein Familienmitglied verteidigt", sagte der 61-Jährige im Interview mit dem SID.

Nun ist vor ein paar Wochen eine dieser Attacken von Borussia Dortmund ausgegangen, jedenfalls nach Hopfners Empfinden. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte in einem Zeitungsinterview über ein Darlehen gesprochen, dass der Rekordmeister den Dortmundern vor zehn Jahren gewährt hatte, als deren Existenz höchst gefährdet war. Und Watzke habe dabei Uli Hoeneß diskreditiert und falsche Angaben zu den betreffenden Zinsen gemacht, sagt Hopfner. "Das musste klargestellt werden."

"Baron Münchhausen wäre ja noch geschmeichelt"

Die Zahlen sind zu der Zeit das Hoheitsgebiet des neuen Vereinschefs gewesen, und in dieser Arbeit war Hopfner pedantisch genau, das ist bekannt. Also erklärte er nochmals, dass es um zinsfreie zwei Millionen Euro gegangen sei, von denen der klamme BVB zunächst nur 1,5 Millionen zurückzahlen konnte. Der Rest sei gestundet und unter anderem beim Transfer von Torsten Frings zu den Bayern im Sommer 2004 verrechnet worden. Dortmund habe dafür sogar von sich aus Zinsen angeboten.

Watzke hatte das anders dargestellt, Hopfner bezichtigte ihn der Lüge ("Baron Münchhausen wäre ja noch geschmeichelt"). Alles müsse korrekt auf den Tisch, sagte er. "Es war eine Unterstellung und dagegen muss man sich wehren, das verstehe ich unter Angriff auf die Familie."

Niersbach verspürt "keine Eiszeit"

Es folgten daraufhin ein paar verbale Doppelpässe und die Eiszeit-Ankündigung von FCB-Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge. Und jetzt, am Rande des DFB-Pokal-Finals der beiden Rivalen, läuft man sich zwangsläufig über den Weg, weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Vorabend des Endspiels zum Essen lädt.

Die Parteien werden sich brav gegenübersitzen, das gebühre der Respekt gegenüber dem DFB, wie sowohl Hopfner als auch Watzke wissen ließen. Verbandspräsident Wolfgang Niersbach hat sowieso den Eindruck, dass das alles übertrieben dargestellt wird. "Ich habe mit beiden Seiten gesprochen und keine Eiszeit verspürt", sagte er der Sport Bild.

Hopfner hält Saison für gut

Watzke, der von Hopfner eine Entschuldigung für dessen Aussagen gefordert hatte, findet, das Thema bedürfe keines weiteren Kommentars. Und der Bayern-Präsident ließ offen, "ob es unbedingt eine Annäherung geben muss". FCB-Sportvorstand Matthias Sammer will sich ebenso nicht weiter mit den Nebengeräuschen befassen, die aus seiner Sicht "ein paar Aufregungen" waren. "Dieses Spiel jetzt ist zu wichtig, um alles drumherum zu kommentieren", sagte er.

Hopfners Ausflug in die Abteilung Attacke wird jedenfalls keine Eintagsfliege bleiben. Und auch sonst ist ihm die Wagenburgmentalität der Münchner in Fleisch und Blut übergegangen, denn zum Beispiel die öffentliche Mäkelei an der Saison des FC Bayern findet er alles andere als gerechtfertigt.

"Bei aller Liebe, die Diskussion, das ist eine schlechte oder keine gute Saison, die kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen", sagte er. Man könne nicht in jedem Jahr fünf Titel gewinnen, aber ja, dieses Spiel gegen den BVB habe dennoch große Bedeutung. "Das Ziel muss der Sieg sein, da brauchen wir nicht drumherum reden, nicht sollte, nicht könnte. Es muss eine klare Ansage sein." Ein Zauderer ist Hopfner nun wahrlich nicht.

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