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Vor dem Bayern-Pokalfight: Ausnahmezustand bei Germania Windeck
EXKLUSIV - Zum zweiten Mal hintereinander hat Germania Windeck das große Los gezogen. Wenn zur DFB-Pokal-Premiere vergangenes Jahr die Glücksfee und Ex-Nationalspielern Renate Lingor mit dem FC Schalke 04 einen Sechser im Lotto bescherte, so stimmte diesen Sommer auch die Superzahl für die Rheinländer, die es diesmal mit dem FC Bayern München aufnehmen müssen. Goal.com stattete dem Fünftligisten einen Besuch ab.
Von Francois DUCHATEAU
Windeck. Wenn man in der Zentrale von Germania Windeck anruft und sich die Gegenseite mit „Willmeroth“ meldet, dann ist dies auch nicht zwangsläufig Präsident Heinz-Georg Willmeroth. Der sitzt neben Namensvetter Willi, dem Leiter der Geschäftsstelle. „Verwandtschaft in den letzten 200 Jahren haben wir nicht feststellen können, aber vielleicht wird uns das noch Gelingen“, lacht der Vereinsvorsitzende. Doch der TSV is eh eine große Familie. Hier sind alle Brüder im Geiste.
Wenn man Heinz-Georg Willmeroth nach dem schönsten Fleck in Windeck-Dattenfeld fragt, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Die WECO Arena.“ Hier ist nicht nur der Fünftligist zuhause, sondern auch Urgestein Willmeroth. „Da habe ich mein Leben verbracht. Ich wohne nur knapp 150m neben dem Platz.“ Über 50 Jahre ist er nun Mitglied der Germania, hat alle Mannschaften durchlaufen, war später Jugendtrainer und ist seit 1995 Präsident, nachdem er zwölf Jahre das Amt des zweiten Vorsitzenden bekleidet hat. „Ein Dattenfelder Urgestein eben.“
„Welt dreht sich auch nach Bayern noch weiter“
Seit einiger Zeit herrscht der Ausnahmezustand im 20.000-Seelenörtchen. Großer Trubel, Interviews, Organisation – rundum die Uhr sind die Mitarbeiter beschäftigt. „Aber die Welt dreht sich auch nach Bayern noch weiter. Wir stecken ja in der Vorbereitung für die NRW-Liga“, so der Clubboss. „Ich kämpfe immer noch um zwei Spielberichtigungen und wir haben immer noch eine U-23. Da müssen auch nach dem Trainingslager einige Dinge getan werden. Wenn ich berufstätig wäre, könnt ich das alles nicht unter einen Hut bringen.“ Jeder gibt Vollgas, doch im Verein ist man „froh, wenn Dienstag ist.“ Wie auch schon im Vorjahr gegen Schalke wird Germania Windeck ins Kölner RheinEnergieStadion umziehen. Willmeroth ist erleichtert: „Um viele Sachen müssen wir uns deswegen gar nicht erst kümmern. Die andern kleinen Vereine die einen Bundesligisten gezogen haben sind nicht zu beneiden. Die haben eine Arbeit, das ist schier unglaublich.“
Erneuter Umzug nach Köln
Der Umzug in die Domstadt ist dabei nicht nur eine große Chance für Germania Windeck, sondern auch eine große Rettung. „Wir sind letztes Jahr auf die Betreiber des Stadions zugegangen, denn im gesamten Rhein-Sieg-Kreis gibt es kein Stadion, das den Anforderungen voll entspricht, vor allem denen des Fernsehens. Alleine schon die Stromversorgung: Welche Kapazitäten da an Kilowatt vorhanden sein müssen, ich glaube da wäre ganz Windeck ohne Strom. Da kommt alleine ein 40-Tonner als Übertragungswagen. Ich wüsste gar nicht, woher wir so viel Energie abzapfen könnten. Alles würde sonst zusammenbrechen.“ Da kam die Idee: Gehen wir ins RheinEnergieStadion, wo 50.000 FC-Fans sonst ihren „Geißböcken“ zujubeln. Zum Vergleich: 2.000 hätten Maximal in Dattenfeld zuschauen können. Da die Abläufe aus dem Vorjahr bekannt sind, ging dieses Jahr einiges einfacher, meint Willmeroth. „Unser Fördervereinsvorsitzender [Franz-Josef Wernze] wurde von dem Chef der Kölner Sportstätten GmbH [Hans Rutten] gefragt, ob wir wieder nach Köln kommen, wenn wir den Pokal gewinnen. Da hat Franz Josef Wernze spontan ja gesagt, aber nur wenn wir die Bayern ziehen würden.“ Einzige Zeit später wurde dieser Wunsch Wirklichkeit, als in Mainz die erste Runde des DFB-Pokals gezogen wurde. Willmeroth zögerte im Gegensatz zu Wernze jedoch noch mit der Ankündigung des erneuten Heimspiels in Köln. „Wer weiß, ob das Stadion überhaupt frei gewesen wäre.“ Doch bereits Stunden später bekam der Vorsitzende einen Anruf, er solle den Videotext anmachen. „Da konnte ich dann lesen, dass Hans Rutten erklärt hat, dass Germania Windeck wieder im RheinEnergieStadion spielt. Ohne, dass wir noch einmal drüber gesprochen hatten.“ Und Willmeroth ist froh darüber. „Die helfen uns wo immer sie können. Da greifen professionelle Strukturen, die wir hier in unserem kleinen Verein überhaupt nicht kennen.“
Germania will den Besucherrekord
So ein Match gegen den Rekordmeister ist die Chance, einmalig ins Rampenlicht zu rücken. Nicht nur die Leute in der Umgebung wurden mobilisiert. „Die Aufmerksamkeit merkt man. Vielen wollen in den Verein eintreten, kaufen Schals, Kappen, Aufkleber, fragen nach der Stadionzeitung. Der Hype ist immens.“ Der Verein hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt und den Zuschauerrekord von 35.500 knacken. Am Donnerstag gingen bereits 32.000 über die Theke, davon wurden alleine 10.000 über die Geschäftsstelle in Dattenfeld verkauft, sagt Willmeroth stolz. Viele aus der Region wollen sich das Spektakel ansehen, auch wenn „der Germania-Anteil sicher in der Minderzahl sein wird. Windeck hat ja nur 20.000 Einwohner. Da kann ja nicht jeder kommen von den Alten bis zum Säugling. Die Begeisterung ist unglaublich. Das war gegen Schalke schon enorm, aber nicht zu vergleichen mit dem, was vor dem Bayern-Spiel los ist.“ Alle sind zuversichtlich, dass die Bestmarke noch geknackt wird.
Konzept „Germania 2000“ geht auf
Germania Windeck hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Großen Anteil daran hatten Wernze und Willmeroth, die Anfang der Neunziger das Konzept eines Neuanfangs unter dem Arbeitstitel „Germania 2000“ skizzierten. 1995 beerbte Willmeroth den verstorbenen Vorsitzenden Max Holschbach, als Toni Schynz, ein früherer Mannschaftskollege von Hannes Löhr, noch Trainer war. Mit der Verpflichtung des einstigen 55-fachen polnischen Nationalspielers und zweifachen WM-Teilnehmers Waldemar Matysik ging es auf einmal steil bergauf mit dem Verein. Ihren Weg nach oben ebnete Germania nicht mit Geld – Matysik wurde Hilfe bei der Ausbildung zum Physiotherapeuten angeboten – sondern vertraute vor allem auf die Jugend. Fleißig scoutet der Verein unter der sportlichen Leitung von Ingo Haselbach nach den größten Talenten der Region und zeigt ihnen Perspektiven auf, damit sie nicht in die Ballungsräume verschwinden. Infrastrukturell muss Windeck jedoch aufholen. Nicht nur, dass die eigene Spielstätte Defizite hat, der Verein geriet nach dem Oberliga-Aufstieg 2007 in die Schlagzeilen, als man gegen den SV Straelen Tore auf dem Feld stehen hat, die nicht größer als 2,30m (statt 2,44m) waren. Nicht nur wegen dieses Vorfalls legt man heute den Fokus auf die Infrastruktur des TSV.
„Die Tribüne steht auch noch in 20 Jahren, ein Spieler ist meist eher weg oder hat nichts gebracht, war verletzt.“
Der Break even, also der Punkt, an dem die Unkosten ausgeglichen werden, liegt im RheinEnergieStadion bei 15.000 verkauften Tickets. „Mit dem Gewinn sind wir ganz gut zurecht gekommen, aber wir haben jetzt auch kein Vermögen verdient“, wirft Willmeroth ein. So ein Besucherregen kann schnell eine Saison finanziell retten, in Windeck sieht man das anders. „Die Saison ist vom reinen Spielbetrieb her gedanklich und finanziell abgekoppelt vom Rest. Das Geld aus dem Pokal nutzen wir wie im letzten Jahr für die Anschaffung einer Tribüne und den Anteil für einen Kunstrasen, an dem sich die Gemeinde beteiligt. Die Tribüne ist ja auch noch nicht bezahlt, deswegen werden wir das Geld nicht behalten, sondern in die Infrastruktur stecken und auch in die Jugend. Wir haben zum Beispiel sofort einen Bus bestellt, der ist auch schon geliefert. Den werden wir noch in unsere Vereinsfarben verändern.“ Außerdem musste der Club um die Auflagen der NRW-Liga zu erfüllen Schiedsrichterkabinen erweitern, die Duschanlagen reparieren, Böden erneuern, allesamt Ausgaben in je fünfstelligem Bereich. „Aber da ist das Geld auch sinnvoll angelegt, nämlich in die Zukunft. Oft werde ich gefragt, ob das Geld in die Mannschaft geknallt und ob da Hochkaräter kommen. Auf keinen Fall! Wir haben eine gewachsene Mannschaftsstruktur und haben punktuell das Team verstärkt. Der Kader wird so wie er jetzt steht in die NRW-Liga gehen.“ Zwar können immer noch nicht mehr als 2300 Zuschauer nach Fertigstellung der neuen Tribüne den Spielen der Germania teilhaben, aber dennoch arbeitet der Verein an seiner Struktur. „Die Ränge waren bis heute noch zu keinem Spiel voll. Im schnitt haben wir 350-400 Zuschauer. Das ist überschaubar. Die Tribüne steht auch noch in 20 Jahren, ein Spieler ist meist eher weg oder hat nichts gebracht, war verletzt.“
Die Jugend als Zukunft

In der Jugend sieht die Germania die Zukunft. „Wir sind natürlich noch nicht soweit, dass wir in diesen Sonderligen spielen, da wollen wir aber hin. Deswegen haben wir diesmal versucht, alle Jugendmannschaften doppelt zu bestücken und auch qualifizierte Trainer mit Lizenz zu bekommen. Und da geht natürlich eine Menge Geld für drauf.“ Erste Erfolge in dem Bereich sind bereits sichtbar: „Ja natürlich, die Qualität verbessert sich schon. Aber ist noch nicht da, wo wir hin wollen. Es gab damals noch einen Zusammenschluss aus drei Vereinen aus der Region, die alle ihre Jugendmannschaften zusammengetan haben, weil es damals keine Kapazitäten gab, dass jeder Verein das aus dem eigenen saft heraus geschafft hat.“ Heute hat es selbst einer aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft geschafft. „Ich hoffe er schafft es in die ersten 18, der hat auch bei den Tests gegen Köln und Oberhausen gute Partien gespielt. Daniel Ottersbach, heißt er. Das ist ein Junge hier aus dem Ort. Den lieben wir alle heiß und innig und hoffen, dass er es wirklich mal schafft.“ Ottersbach hat hart für seinen Sprung geschuftet, nicht selbstverständlich für einen Jungen, der nebenbei noch am Abitur brütet. Fußball ist in der fünften Liga halt immer noch für die meisten nur Nebensache, das Geld zum Leben wird im Job verdient. „Aber nicht alle. Teilweise haben wir Studenten oder Teile, die Arbeiten gehen, aber auch welche, die aktuell keiner Beschäftigung nachgehen. Die versuchen natürlich weiterzukommen, vielleicht sogar in den Profifußball, aber das wird sich zeigen.“
„Nach dem tollen Vorjahr wollten wir eigentlich uns in Ruhe auf die Liga und die Zukunft vorbereiten – doch dann kam Bayern München.“
Auch die Germania ist ehrgeizig, mit dem Thema Aufstieg ist Willmeroth allerdings noch etwas vorsichtig. „Das ist vermessen zu sagen ‚wir steigen auf’. Genau so vermessen zu sagen ist es, wir holen den Pokal noch einmal. Aber als Ziel würde ich ausgeben, dass wir oben mitspielen wollen. Und wir würden gern noch einmal versuchen den Pokal zu gewinnen. Aber das wollen alle anderen im Pokal auch.“ Und eben weil so ein Pokal seine eigenen Gesetze hat, will Germania Windeck diese einmalige Sache nach dem 100. Geburtstag genießen. „Es ist ein schönes Gefühl, dass die Pläne, die man 1992 hatte, nun Wirklichkeit werden. Das haben wir im Sommer zum Geburtstag so richtig ausgiebig gefeiert. Nach dem tollen Vorjahr wollten wir eigentlich uns in Ruhe auf die Liga und die Zukunft vorbereiten – doch dann kam Bayern München...“
Wenn man Heinz-Georg Willmeroth nach dem schönsten Fleck in Windeck-Dattenfeld fragt, kommt wie aus der Pistole geschossen: „Die WECO Arena.“ Hier ist nicht nur der Fünftligist zuhause, sondern auch Urgestein Willmeroth. „Da habe ich mein Leben verbracht. Ich wohne nur knapp 150m neben dem Platz.“ Über 50 Jahre ist er nun Mitglied der Germania, hat alle Mannschaften durchlaufen, war später Jugendtrainer und ist seit 1995 Präsident, nachdem er zwölf Jahre das Amt des zweiten Vorsitzenden bekleidet hat. „Ein Dattenfelder Urgestein eben.“
„Welt dreht sich auch nach Bayern noch weiter“
Seit einiger Zeit herrscht der Ausnahmezustand im 20.000-Seelenörtchen. Großer Trubel, Interviews, Organisation – rundum die Uhr sind die Mitarbeiter beschäftigt. „Aber die Welt dreht sich auch nach Bayern noch weiter. Wir stecken ja in der Vorbereitung für die NRW-Liga“, so der Clubboss. „Ich kämpfe immer noch um zwei Spielberichtigungen und wir haben immer noch eine U-23. Da müssen auch nach dem Trainingslager einige Dinge getan werden. Wenn ich berufstätig wäre, könnt ich das alles nicht unter einen Hut bringen.“ Jeder gibt Vollgas, doch im Verein ist man „froh, wenn Dienstag ist.“ Wie auch schon im Vorjahr gegen Schalke wird Germania Windeck ins Kölner RheinEnergieStadion umziehen. Willmeroth ist erleichtert: „Um viele Sachen müssen wir uns deswegen gar nicht erst kümmern. Die andern kleinen Vereine die einen Bundesligisten gezogen haben sind nicht zu beneiden. Die haben eine Arbeit, das ist schier unglaublich.“ Erneuter Umzug nach Köln
Der Umzug in die Domstadt ist dabei nicht nur eine große Chance für Germania Windeck, sondern auch eine große Rettung. „Wir sind letztes Jahr auf die Betreiber des Stadions zugegangen, denn im gesamten Rhein-Sieg-Kreis gibt es kein Stadion, das den Anforderungen voll entspricht, vor allem denen des Fernsehens. Alleine schon die Stromversorgung: Welche Kapazitäten da an Kilowatt vorhanden sein müssen, ich glaube da wäre ganz Windeck ohne Strom. Da kommt alleine ein 40-Tonner als Übertragungswagen. Ich wüsste gar nicht, woher wir so viel Energie abzapfen könnten. Alles würde sonst zusammenbrechen.“ Da kam die Idee: Gehen wir ins RheinEnergieStadion, wo 50.000 FC-Fans sonst ihren „Geißböcken“ zujubeln. Zum Vergleich: 2.000 hätten Maximal in Dattenfeld zuschauen können. Da die Abläufe aus dem Vorjahr bekannt sind, ging dieses Jahr einiges einfacher, meint Willmeroth. „Unser Fördervereinsvorsitzender [Franz-Josef Wernze] wurde von dem Chef der Kölner Sportstätten GmbH [Hans Rutten] gefragt, ob wir wieder nach Köln kommen, wenn wir den Pokal gewinnen. Da hat Franz Josef Wernze spontan ja gesagt, aber nur wenn wir die Bayern ziehen würden.“ Einzige Zeit später wurde dieser Wunsch Wirklichkeit, als in Mainz die erste Runde des DFB-Pokals gezogen wurde. Willmeroth zögerte im Gegensatz zu Wernze jedoch noch mit der Ankündigung des erneuten Heimspiels in Köln. „Wer weiß, ob das Stadion überhaupt frei gewesen wäre.“ Doch bereits Stunden später bekam der Vorsitzende einen Anruf, er solle den Videotext anmachen. „Da konnte ich dann lesen, dass Hans Rutten erklärt hat, dass Germania Windeck wieder im RheinEnergieStadion spielt. Ohne, dass wir noch einmal drüber gesprochen hatten.“ Und Willmeroth ist froh darüber. „Die helfen uns wo immer sie können. Da greifen professionelle Strukturen, die wir hier in unserem kleinen Verein überhaupt nicht kennen.“
Germania will den Besucherrekord
So ein Match gegen den Rekordmeister ist die Chance, einmalig ins Rampenlicht zu rücken. Nicht nur die Leute in der Umgebung wurden mobilisiert. „Die Aufmerksamkeit merkt man. Vielen wollen in den Verein eintreten, kaufen Schals, Kappen, Aufkleber, fragen nach der Stadionzeitung. Der Hype ist immens.“ Der Verein hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt und den Zuschauerrekord von 35.500 knacken. Am Donnerstag gingen bereits 32.000 über die Theke, davon wurden alleine 10.000 über die Geschäftsstelle in Dattenfeld verkauft, sagt Willmeroth stolz. Viele aus der Region wollen sich das Spektakel ansehen, auch wenn „der Germania-Anteil sicher in der Minderzahl sein wird. Windeck hat ja nur 20.000 Einwohner. Da kann ja nicht jeder kommen von den Alten bis zum Säugling. Die Begeisterung ist unglaublich. Das war gegen Schalke schon enorm, aber nicht zu vergleichen mit dem, was vor dem Bayern-Spiel los ist.“ Alle sind zuversichtlich, dass die Bestmarke noch geknackt wird.

Windeck spielte 2009 im Pokal gegen Schalke 04
Konzept „Germania 2000“ geht auf
Germania Windeck hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Großen Anteil daran hatten Wernze und Willmeroth, die Anfang der Neunziger das Konzept eines Neuanfangs unter dem Arbeitstitel „Germania 2000“ skizzierten. 1995 beerbte Willmeroth den verstorbenen Vorsitzenden Max Holschbach, als Toni Schynz, ein früherer Mannschaftskollege von Hannes Löhr, noch Trainer war. Mit der Verpflichtung des einstigen 55-fachen polnischen Nationalspielers und zweifachen WM-Teilnehmers Waldemar Matysik ging es auf einmal steil bergauf mit dem Verein. Ihren Weg nach oben ebnete Germania nicht mit Geld – Matysik wurde Hilfe bei der Ausbildung zum Physiotherapeuten angeboten – sondern vertraute vor allem auf die Jugend. Fleißig scoutet der Verein unter der sportlichen Leitung von Ingo Haselbach nach den größten Talenten der Region und zeigt ihnen Perspektiven auf, damit sie nicht in die Ballungsräume verschwinden. Infrastrukturell muss Windeck jedoch aufholen. Nicht nur, dass die eigene Spielstätte Defizite hat, der Verein geriet nach dem Oberliga-Aufstieg 2007 in die Schlagzeilen, als man gegen den SV Straelen Tore auf dem Feld stehen hat, die nicht größer als 2,30m (statt 2,44m) waren. Nicht nur wegen dieses Vorfalls legt man heute den Fokus auf die Infrastruktur des TSV.
„Die Tribüne steht auch noch in 20 Jahren, ein Spieler ist meist eher weg oder hat nichts gebracht, war verletzt.“
Der Break even, also der Punkt, an dem die Unkosten ausgeglichen werden, liegt im RheinEnergieStadion bei 15.000 verkauften Tickets. „Mit dem Gewinn sind wir ganz gut zurecht gekommen, aber wir haben jetzt auch kein Vermögen verdient“, wirft Willmeroth ein. So ein Besucherregen kann schnell eine Saison finanziell retten, in Windeck sieht man das anders. „Die Saison ist vom reinen Spielbetrieb her gedanklich und finanziell abgekoppelt vom Rest. Das Geld aus dem Pokal nutzen wir wie im letzten Jahr für die Anschaffung einer Tribüne und den Anteil für einen Kunstrasen, an dem sich die Gemeinde beteiligt. Die Tribüne ist ja auch noch nicht bezahlt, deswegen werden wir das Geld nicht behalten, sondern in die Infrastruktur stecken und auch in die Jugend. Wir haben zum Beispiel sofort einen Bus bestellt, der ist auch schon geliefert. Den werden wir noch in unsere Vereinsfarben verändern.“ Außerdem musste der Club um die Auflagen der NRW-Liga zu erfüllen Schiedsrichterkabinen erweitern, die Duschanlagen reparieren, Böden erneuern, allesamt Ausgaben in je fünfstelligem Bereich. „Aber da ist das Geld auch sinnvoll angelegt, nämlich in die Zukunft. Oft werde ich gefragt, ob das Geld in die Mannschaft geknallt und ob da Hochkaräter kommen. Auf keinen Fall! Wir haben eine gewachsene Mannschaftsstruktur und haben punktuell das Team verstärkt. Der Kader wird so wie er jetzt steht in die NRW-Liga gehen.“ Zwar können immer noch nicht mehr als 2300 Zuschauer nach Fertigstellung der neuen Tribüne den Spielen der Germania teilhaben, aber dennoch arbeitet der Verein an seiner Struktur. „Die Ränge waren bis heute noch zu keinem Spiel voll. Im schnitt haben wir 350-400 Zuschauer. Das ist überschaubar. Die Tribüne steht auch noch in 20 Jahren, ein Spieler ist meist eher weg oder hat nichts gebracht, war verletzt.“
Die Jugend als Zukunft

In der Jugend sieht die Germania die Zukunft. „Wir sind natürlich noch nicht soweit, dass wir in diesen Sonderligen spielen, da wollen wir aber hin. Deswegen haben wir diesmal versucht, alle Jugendmannschaften doppelt zu bestücken und auch qualifizierte Trainer mit Lizenz zu bekommen. Und da geht natürlich eine Menge Geld für drauf.“ Erste Erfolge in dem Bereich sind bereits sichtbar: „Ja natürlich, die Qualität verbessert sich schon. Aber ist noch nicht da, wo wir hin wollen. Es gab damals noch einen Zusammenschluss aus drei Vereinen aus der Region, die alle ihre Jugendmannschaften zusammengetan haben, weil es damals keine Kapazitäten gab, dass jeder Verein das aus dem eigenen saft heraus geschafft hat.“ Heute hat es selbst einer aus der eigenen Jugend in die erste Mannschaft geschafft. „Ich hoffe er schafft es in die ersten 18, der hat auch bei den Tests gegen Köln und Oberhausen gute Partien gespielt. Daniel Ottersbach, heißt er. Das ist ein Junge hier aus dem Ort. Den lieben wir alle heiß und innig und hoffen, dass er es wirklich mal schafft.“ Ottersbach hat hart für seinen Sprung geschuftet, nicht selbstverständlich für einen Jungen, der nebenbei noch am Abitur brütet. Fußball ist in der fünften Liga halt immer noch für die meisten nur Nebensache, das Geld zum Leben wird im Job verdient. „Aber nicht alle. Teilweise haben wir Studenten oder Teile, die Arbeiten gehen, aber auch welche, die aktuell keiner Beschäftigung nachgehen. Die versuchen natürlich weiterzukommen, vielleicht sogar in den Profifußball, aber das wird sich zeigen.“
„Nach dem tollen Vorjahr wollten wir eigentlich uns in Ruhe auf die Liga und die Zukunft vorbereiten – doch dann kam Bayern München.“
Auch die Germania ist ehrgeizig, mit dem Thema Aufstieg ist Willmeroth allerdings noch etwas vorsichtig. „Das ist vermessen zu sagen ‚wir steigen auf’. Genau so vermessen zu sagen ist es, wir holen den Pokal noch einmal. Aber als Ziel würde ich ausgeben, dass wir oben mitspielen wollen. Und wir würden gern noch einmal versuchen den Pokal zu gewinnen. Aber das wollen alle anderen im Pokal auch.“ Und eben weil so ein Pokal seine eigenen Gesetze hat, will Germania Windeck diese einmalige Sache nach dem 100. Geburtstag genießen. „Es ist ein schönes Gefühl, dass die Pläne, die man 1992 hatte, nun Wirklichkeit werden. Das haben wir im Sommer zum Geburtstag so richtig ausgiebig gefeiert. Nach dem tollen Vorjahr wollten wir eigentlich uns in Ruhe auf die Liga und die Zukunft vorbereiten – doch dann kam Bayern München...“
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