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Spielbericht DFB-Pokal: Fortuna Düsseldorf – Hamburger SV
120 Minuten zitterten die Fans in Düsseldorf mit, ehe Jansen im Elfmeterschießen den Schlusspunkt auf eine spannende Pokalpartie setzte.
Von Christoph VOGEL
Düsseldorf. Nach spannenden und aufreibenden 120 Minuten besiegte der Hamburger SV in der ersten DFB-Pokalrunde Fortuna Düsseldorf mit 7:4 (3:3; 1:2) nach Elfmeterschießen und ist somit eine Runde weiter. Nach der regulären Spielzeit der Verlängerung stand es 3:3, da Lambertz in allerletzter Sekunde für Düsseldorf noch ausgleichen konnte.
PERSONAL & TAKTIK
Fortuna begann im klassischen 4-4-2 mit den Spitzen Jovanovic und Bulykin. Der Russe wurde erst vor kurzem vom RSC Anderlecht ausgeliehen, sodass im Vorfeld nicht klar war, ob Trainer Meier den 29-jährigen direkt in die Startelf beordern würde. In der Abwehr begannen auch zwei Spieler mit Bundesligaerfahrung: Keeper Michael Melka und Linksverteidiger Johannes van den Bergh kamen schon für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga zum Einsatz.
Auch der HSV begann mit einem 4-4-2-System. Im Mittelfeld agierten mit Ze Roberto und Robert Tesche zwei Neuzugänge, umflankt von Piotr Trochowski und Jonathan Pitroipa, die deutlich offensiver eingestellt waren und die beiden Sturmspitzen Petric und Guerrero mit Zuspielen füttern sollten.
SPIELVERLAUF 1. HÄLFTE
Düsseldorf ging mit viel Elan ins Spiel und wollte den Heimvorteil nutzen, doch schon nach nicht einmal fünf Minuten war alle Euphorie wie verflogen: Dennis Aogo flankte von der linken Seite auf Höhe des Strafraums völlig frei in die Mitte, Petric war zur Stelle und köpfte zum 1:0 für den Favoriten ein (4.). Die Stimmung auf den Rängen blieb lautstark, was sich auch schon bald auf den Rasen übertrug mit positivem Ergebnis: Von Halblinks schlug Christ einen Freistoß flach in den Strafraum, wo das Bein von Oliver Fink im Gewühl am Längsten war und den Ball zum 1:1 in die Maschen beförderte (11.). Kurz darauf musste Stürmer Guerrero schon für Choupo-Moting weichen (13.).
Nun war das Spiel richtig schnell und kurzweilig, denn es dauerte gerade einmal fünf Minuten, da hatte Düsseldorf das Spiel gedreht: Christ schickte Caillas in die Gasse, der den Ball über Rost zu lupfen versuchte. Jerome Boateng sprang sozusagen in den Schuss und bugsierte das Leder per Eigentor in den Kasten der Hamburger (17.). Der HSV hatte fortan mehr Spielanteile, doch die Partie insgesamt war ausgeglichener als noch zu Beginn. Trochowski war als Nächster dem Ausgleich nahe, doch seinen harten Schuss konnte Melka im Tor der Fortuna parieren (35.).
Die Hausherren spielten weiter munter mit und kamen durch Christ nach Steilpass von Jovanovic sogar zur großen Chance zum 3:1, doch Rost konnte den erneuten Patzer seiner Hintermannschaft noch ausbügeln (40.). Die Defensive des HSV ließ nun völlig zu wünschen übrig, denn Jovanovic kam mit einem Schuss nach Ablage von Bulykin am Strafraum zu einer weiteren dicken Chance, worauf erneut Rost eingreifen musste (42.). Zur Halbzeit war die Führung der Fortuna alles andere als unverdient.
SPIELVERLAUF 2. HÄLFTE
Unverändert kamen die Teams aus der Kabine. Die Fortuna stand dicht gestaffelt und ließ bei eigenem Ballbesitz das Leder gut zirkulieren. Torwart Melka musste allerdings in der 52. Minute ganz wach sein, als Ze Roberto im Strafraum einen Schuss losließ, der Keeper aber den Ball über die Latte lenken konnte. Wenig später war es dann um die Führung geschehen: Trochowski wurde gut 20 Meter vor dem Tor von Van den Bergh sträflich alleine gelassen und ließ sich das Traumtor durch einen strammen Schuss nicht nehmen (54.).
Düsseldorf verlor danach etwas den Faden und überließ dem HSV mehr Spielanteile. Auch Pitropia spielte nun besser auf und zog in einer Situation Mitte der 2. Hälfte nur knapp am Tor vorbei (65.). Labbadia wollte nun etwas bewegen und wechselte Choupo-Moting, der ja in Halbzeit 1 für Guerrero gekommen war, für Jansen aus und erntete dafür die Pfiffe des HSV-Publikums (72.). Während bei dem Zweitligisten Christ weiter für Furore und ordentlich Dampf sorgte, verzog Trochowski auf der Gegenseite eine gute Viertelstunde vor Schluss (76.), wenig später köpfte Demel nach einer Ecke über das Tor (80.).
Die Zeit lief dem Bundesligisten weg und das Spiel verlagerte sich mehr und mehr in die Hälfte des Gastgebers, ohne dass jedoch die Hanseaten effektiv nach vorne spielten. Hamburg wirkte phasenweise ideenlos und ohne Kreativität, sodass es ohne einen weiteren Treffer in die Verlängerung ging.
VERLÄNGERUNG
Zunächst versuchte der HSV zu Beginn der Verlängerung den Druck erneut aufzubauen und bekam dann sogar die Chance, vom Elfmeterpunkt zu treffen: Der immer noch wieselflinke Pitroipa legte im Spurt den Ball an Melka vorbei, der den Hamburger umriss und zu Fall brachte. Rafati pfiff sofort und zeigte „nur“ den gelben Karton. Den fälligen Elfmeter verwandelte Trochowski durch die Mitte zum 3:2 (95.). Danach versuchte Hamburg das Spiel weiter zu kontrollieren, was auch gelang, da Düsseldorf nicht mehr gefährlich vor das Tor kam und Bulykin mit Krämpfen ausgewechselt werden musste.
In den letzten fünfzehn Minuten ware der Fortuna der Kräfteverlust deutlich anzumerken, aber auch Hamburg spielte nicht mehr mit aller Kraft nach vorne. Nur selten kam Düsseldorf noch gefährlich vor das gegnerische Tor, da in letzter Instanz die Anspiele zu ungenau gerieten. Fünf Minuten vor Schluss hielt die gesamte ESPRIT arena den Atem an: Heidinger stieg nach einer Flanke von rechts im Strafraum hoch und die Zuschauer hatten den Torschrei schon auf dem Lippen, aber der eingewechselte Stürmer köpfte das perfekte Anspiel knapp am Kasten vorbei (116.), kurz darauf verpasste Ze Roberto beim Konter die Entscheidung (118.). Auch Petric verpasste nach einer Ecke das 4:2 (120.). Und wie es kommen musste kam es: In den allerletzten Spielsekunden hob Andreas Lambertz den Ball irgendwie an Rost vorbei ins Tor (120.).
Es ging also ins Elfmeterschießen: Ze Roberto, Christ, Trochowski trafen, bevor Heidinger, der schon die Kopfballchance zuvor liegen ließ, an Rost scheiterte. Mathijsen verwandelte souverän, doch ganz anders Caillas, da Rost erneut parierte. Marcell Jansen machte dann mit einem Schuss flach ins linke untere Eck alles klar.
SCHLÜSSELSPIELER
Auf Seiten der Fortuna holten sich Torwart Melka und Mittelfeldspieler Christ die Bestnoten ab. Letzterer war über die gesamte Spielzeit überall zu finden und kurbelte das Offensivspiel der Rheinländer an, ohne jedoch seine Defensivaufgaben zu vernachlässigen.
Nicht nur durch seine zwei Tore war Trochowski beim HSV ein ganz wichtiger Mann, denn stets versuchte er, den Ball im Mittelfeld laufen zu lassen. Zudem zeigte er beim Elfmeter keine Nerven. Pitroipa war durch seine Schnelligkeit besonders in der Verlängerung Gold wert, als den Fortunen so langsam die Luft ausging. Im Elfmeterschießen stand Rost seinen Mann und parierte glänzend gegen Heidinger und Caillas.
SCHLÜSSELSZENEN
Oliver Finks früher Ausgleich hob die Moral des Zweitligisten immens, die Führung kurz darauf setzte den HSV unter Druck. Wichtig auch, dass Schiri Rafati Torwart Melka in der Verlängerung nach einer eigentlich klaren Notbremse nicht vom Platz stellte. Klar, dass auch der Ausgleich in der letzten Sekunde der Verlängerung durch Lambertz nicht nur so manchen Herzkasper hervorrief, sondern auch das Spiel ins Elfmeterschießen brachte. Dort hielt Rost den Elfmeter von Heidinger und Caillas und hievte den HSV so in die nächste Runde.
SPIELER DES SPIELS
Aufgrund seiner zwei Paraden im Elfmeterschießen war es Frank Rost, der seinen HSV nach 120 Minuten in die nächste Runde brachte. In der Spielzeit zuvor hielt er, was es zu halten gab. Auch der unermüdlich rackernde Marco Christ hätte diesen Titel verdient, doch am Ende war es der Hamburger Keeper, der mit zwei Paraden allen Kampf der Fortuna aus 120 Minuten wertlos machte.
FAZIT
Die Fortuna ließ sich vom frühen Rückstand nicht einschüchtern und bot eine packende Pokalpartie. Auch in der letzten Minute gab sich Düsseldorf nicht geschlagen und glich noch einmal aus. Im Elfmeterschießen versagten zwei Fortunen die Nerven und Hamburg siegte.
Schiedsrichter: Babak Rafati
Spielnote: Voll gut (2+), spannende 90 Minuten und eine Verlängerung, in denen der Underdog gegen den Favoriten alles gab.
Statistik:
Tore: Petric (4.), Fink (11.), Boateng (16., Eigentor), Trochowski (54.)
Gelbe Karten: Weber, Sieger, Melka – Trochowski, Ze Roberto
Ecken: 3 - 6
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