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Der dienstälteste Spieler der Hanseaten verließ den Klub nach über zehn Jahren in Richtung Wolfsburg. Goal lässt seine Zeit an der Weser Revue passieren und blickt in die Zukunft.

Wolfsburg. Auch die längste Beziehung im Sport geht irgendwann zu Ende. Das mussten im Frühjahr die Fans von Werder Bremen feststellen, als Urgestein Aaron Hunt seinen Wechsel zum Saisonende bekanntgab – nach 13 Jahren an der Weser. 13 Jahre, die sich als eine Achterbahn der Gefühle beschreiben lassen. Über die U17 und U19 der Werderaner stieg der heute 27-Jährige nach dem Double-Gewinn 2003/2004 in den Profikader auf.

Seitdem hatte Hunt stets einen großen Star in der Mannschaft, der die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog – Johan Micoud, Diego, Torsten Frings und Mesut Özil sind nur vier dieser Namen. Doch Werders Transfer-Glücksträhne ging bald vorbei und die verloren gegangene Qualität konnte nicht mehr adäquat ersetzt werden, nur Hunt blieb: 2009/2010 beendete Werder die Saison noch auf Platz drei, danach erfolgte der Absturz ins Mittelfeld der Liga. Stellenweise machte sich sogar die Angst vor dem Abstieg breit. Insbesondere in den letzten beiden Spielzeiten avancierte Hunt zum Leader auf dem Platz, der in einer teilweise desolaten Bremer Mannschaft das Heft in die Hand nahm und mit seinen Toren und Vorlagen wichtige Punkte sichern konnte.

Aaron Hunt spaltet die Meinungen

Rund eine Dekade nach seinem Bundesliga-Debüt verlässt der Offensivmann Bremen als ausgereifter Führungsspieler in Richtung VfL Wolfsburg. Obwohl der gebürtige Goslarer für seine lasche Körperhaltung von den Bremer Anhängern häufig kritisiert und ausgepfiffen wurde und sich die Geister an seiner Person scheiden, kristallisierte sich der 27-Jährige als feste Stütze heraus, auf die sich der Verein sowie die Mannschaft verlassen konnten.

Umso größer wird die klaffende Lücke sein, die er hinterlässt. Seine Entscheidung für den VfL Wolfsburg kommentierte Hunt selbstbewusst: "Ich wechsle nicht dorthin, um auf der Bank zu versauern. Ich habe noch nie ein Risiko gescheut, ich mache mir nicht in die Hose. Dieser Verein ist für mich die beste Lösung. Alles passt perfekt." Insbesondere die Besetzung in der Offensive ist einer der Gründe, warum sich der Ex-Bremer für die Autostadt entschieden hat.

Dort trifft er unter anderem auch auf alte Bekannte wie Kevin de Bruyne, Naldo und Manager Klaus Allofs. Der Belgier war 2012/2013 vom FC Chelsea an Werder ausgeliehen. Verteidiger Naldo war zwischen 2005 und 2012 selbst Teil des Werder-Kaders und wird der Neuverpflichtung der Wölfe helfen können, sich rasch in seiner neuen Heimat einzuleben.

Wolfsburg investiert fleißig weiter

Und diese bietet mittlerweile eine deutlich bessere Perspektive als die Hanseaten, die sich zu einer grauen Maus der Bundesliga entwickelt haben. Durch die Verbindung zu VW haben die Wölfe finanziell gesehen einen mehr als soliden Hintergrund, der sich in zahlreichen Investitionen für den Kaderaufbau widerspiegelt: In der Vorsaison wurden mit De Bruyne und Luiz Gustavo zwei Hochkaräter verpflichtet.

Auch in der aktuellen Transferperiode ruht Klaus Allofs nicht. Bemerkenswerte Neuzugänge neben Hunt selbst sind bisher Rechtsverteidiger Sebastian Jung von Eintracht Frankfurt, Stürmer Nicklas Bendtner, der bis zum 30. Juni beim FC Arsenal unter Vertrag stand sowie der Franzose Josuha Guilavogui vom spanischen Meister Atletico Madrid. Letzterer wurde für zwei Jahre ausgeliehen, eine Kaufoption sollen sich die Wölfe gesichert haben. Verstärkungen dieser Art sind bei Werder Bremen zurzeit undenkbar, weswegen der Abgang eines ambitionierten Spielers wie Aaron Hunt am Ende unumgänglich schien.

Wolfsburg und Hunt können voneinander profitieren

In Wolfsburg wartet auf den Ex-Bremer nun eine neue Herausforderung. Keine Stammplatzgarantie wie bei den Hanseaten, dafür aber auch keine fokussierte Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, wie sie bei Werder der Fall war. Er ist bereit, den Konkurrenzkampf anzunehmen. "Das sportliche Konzept hat mich schnell überzeugt. Hecking sagte, ich sei der Spielertyp, den er haben will", erklärte Hunt im Interview mit der Bild. Trotz seiner Variabilität in der Offensive bekleidete der 27-Jährige an der Weser in der Regel die zentrale Position hinter den Spitzen. Dabei gelangen ihm in den letzten beiden Spielzeiten jeweils 17 und 16 Scorerpunkte.

Sein direkter Konkurrent im offensiven Mittelfeld ist Shootingstar Maximilian Arnold, der mit seinen noch jungen 20 Jahren regelmäßig beeindrucken konnte. Belgiens WM-Fahrer Kevin de Bruyne versuchte sich, nach seinem Wechsel in die Autostadt in der letzten Winterpause, ebenfalls auf dieser Position, wich aber nach wenigen Partien auf die beiden Flügel aus. Erfahrungstechnisch hat Hunt im Vergleich zum jungen Arnold einen großen Vorteil.

Zudem dürfte er, im Gegensatz zu der jüngsten Vergangenheit in Bremen, nicht mehr im Mittelpunkt des Geschehens stehen, als er einen Großteil der Erwartungen alleine schultern musste. Dadurch könnte er weiter beflügelt werden, wie einst während den glorreichen Zeiten bei Werder neben einem Micoud, Diego oder Özil. Mit seinem Wechsel ist Hunt, auch mal als ewiges Talent verschrien, angekommen im Konzert der Großen.

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