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Der Kader der Bremer hat sich kaum verändert. Die Verantwortlichen an der Weser setzen auf Teamgeist und Weiterentwicklung der vorhandenen Spieler.

Bremen. Das Geld ist weiter knapp bei Werder Bremen. Trotz einer weiteren Saison im Abstiegskampf kann der Kader nicht mit viel Geld verstärkt werden. Thomas Eichin und Robin Dutt setzen auf ablösefreie Spieler und "kreative Lösungen" bei Transfers. Der vorhandene Kader soll sich entwickeln und das Spielsystem des Trainers verinnerlichen.

Werder zeigte letztes Jahr zunächst grausige Leistungen. Erst in der Rückrunde verbesserte sich das Team und konnte sich entscheidend absetzen. Dieser positive Trend soll fortgesetzt werden. Spielten die Hanseaten im Winter teilweise unansehnlichen Kick-and-Rush-Fußball, zeigten sie im Laufe des Frühjahrs ansehnlichere Kombinationen und punkteten regelmäßig. Dutts Arbeit schien sich auszuzahlen.

Deshalb wird an der Weser darauf gesetzt, das mannschaftliche Konstrukt nicht zu sehr durcheinander zu würfeln. Die Spieler sollen das Dutt'sche System weiter verinnerlichen, weshalb das Team nur punktuell ergänzt wurde.

TOR

Zugänge: Raif Husic

Abgänge: Sebastian Mielitz

Im Tor hat Sebastian Mielitz den Verein verlassen. Der vormalige Stammtorhüter der Bremer verlängerte seinen Vertrag nicht, nachdem er zum Ende der Hinrunde zur Nummer zwei degradiert und von Raphael Wolf abgelöst wurde.

Wolf hatte seine Sache in der Rückrunde gut gemacht und wusste durch starke Reflexe und ein ruhiges Torwartspiel zu überzeugen. Der 26-jährige gebürtige Münchner spielte solide und zeigte kaum Schwächen, womit er auch eine längerfristige Option zwischen den Pfosten ist. Um die Nummer zwei streiten sich zwei junge Torhüter, die in der Zukunft eine Option werden könnten. Der vereinseigene Youngster Richard Strebinger, der in der letzten Saison in der U23 im Tor stand und Raif Husic, der aus der Jugend des FC Bayern München verpflichtet werden konnte. Husic gilt als eines der größten Torwarttalente Deutschlands. Bayern sicherte sich deshalb eine Rückkaufklausel.

ABWEHR

Zugänge: Alejandro Galvez, Santiago Garcia (fest verpflichtet) und Oliver Hüsing (U23)

Abgänge: Mateo Pavlovic, Cimo Röcker, Lukas Schmitz und Aleksandar Stevanovic

Auch in der Defensive tat sich nicht allzu viel. Santiago Garcia wurde nach starken Leistungen im letzten Jahr für 1,5 Millionen Euro fest verpflichtet. Oliver Hüsing wurde aus der Jugend hochgezogen und Alejandro Galvez kam ablösefrei von Rayo Valecano. Der Spanier überzeugte in der Vorbereitung und könnte eine echte Verstärkung werden. Galvez kann auch im defensiven Mittelfeld spielen.

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Ansonsten wurden keine Stammspieler abgegeben. Innenverteidiger Sebastian Prödl wurde trotz auslaufendem Vertrag zum Vize-Kapitän ernannt und wird wohl Abwehrchef bleiben. Kapitän Clemens Fritz konnte seine Leistungen in diesem Jahr stabilisieren und dürfte einen Stammplatz haben, ebenso wie Luca Caldirola, der in seinem ersten Bundesliga-Jahr ansehnlich auftrat. Assani Lukimya zeigte sich in der Vorbereitung in guter Form und ist momentan erste Wahl als Ersatz.

MITTELFELD

Zugänge: Fin Bartels und Izet Hajrovic

Abgänge: Aaron Hunt, Aleksandar Ignjovski und Predrag Stevanovic

Werder ist im Mittelfeld quantitativ gut besetzt. Zlatko Junuzovic, Ludovic Obraniak und Izet Hajrovic konkurrieren um die Hunt-Nachfolge auf der Zehn. Aaron Hunt ist auch der einzig klangvolle Name, der Werder in diesem Sommer verlassen hat. Hajrovic, der aufgrund von Vertragsstreitigkeiten umsonst von Galatasaray geholt wurde, soll ihn vergessen machen. Bislang zeigte der bosnische Nationalspieler gute Ansätze, hat aber noch Rückstand durch die WM.

Izet Hajrovic im Porträt: Das ist Werders Neuer

Auf den Halbpositionen der Raute und auf der Sechs tummeln sich zahlreiche Spieler, die bei Verletzungen einspringen oder im Spiel neue Impulse setzen können. Felix Kroos, Phillip Bargfrede, Cedrick Makiadi und Fin Bartels streiten um die Plätze. Theodor Gebre Selassie wurde ins rechte Mittelfeld vorgezogen und ist eine Option für die erste Elf, ebenso wie Galvez, der häufig auf der Sechs eingesetzt wurde. Doch auch Hajrovic, Obraniak und Junuzovic können auf den Halbpositionen eingesetzt werden. Dazu kommen die Talente Julian von Haacke, Özkan Yildirim und Levent Aycicek, die nah am Profikader sind. Mehmet Ekici (verhandelt mit Trabzonspor) soll den Verein noch verlassen.

ANGRIFF

Zugänge: /

Abgänge: Niclas Füllkrug, Johannes Wurtz, Joseph Akpala

Robin Dutt möchte gerne noch einen Stürmer verpflichten. Bislang fehlte das Geld, Joseph Akpala hat nun seinen Wunschtransfer zu Karabükspor komplettiert, Mehmet Ekici soll als weiterer Abgang folgen. Doch selbst dann sieht es schlecht mit Verstärkungen aus. Eventuell können die Grünweißen von der Kooperation mit Juventus Turin profitieren, die im letzten Jahr geschlossen wurde.

Die Stammplätze sind momentan an das Sturmduo des letzten Jahres vergeben. In Eljero Elia und Franco di Santo wurde in der Rückrunde ein technisch starkes Paar gefunden, welches hervorragend miteinander harmoniert. Insbesondere Elia scheint einen Sprung gemacht zu haben und ist laut Eichin zu "einer Waffe" geworden. Dahinter lauert Nils Petersen auf seine Chance und auch Hajrovic ist in der Lage, den Elia-Part zu übernehmen. Dazu kommen die Talente Martin Kobylanski und Davie Selke, denen der Sprung zu den Profis zugetraut wird.

Kobylanski konnte ihm letzten Jahr mit 15 Treffern und sechs Vorlagen in der Regionalliga überzeugen, während Selke bei der U-19-EM auf sich aufmerksam machte, wo ihm sechs Treffer gelangen. Der Vertrag von Selke verlängert sich angeblich bei drei Profi-Einsätzen über mehr als 20 Minuten. Eventuell könnte Kobylanski noch verliehen werden.

TAKTIK UND VORBEREITUNG

Robin Dutt hat sich in den meisten Testspielen auf eine Mittelfeldraute festgelegt. Zu Beginn der Vorbereitung probierte Dutt auch eine Dreierkette, die in bestimmten Spielsituationen zum Einsatz kommen könnte. Werder zeigte sich in der Vorbereitung zumeist in Frühform und gewann fast alle Partien.

Trainer und Sportdirektor bemühten sich in der letzten Woche, die Euphorie nach einem 3:0 gegen WM-müde Blues aus Chelsea zu bremsen: "Für die hohen Erwartungen nach der Vorbereitung kann ich nichts. Wir können uns realistisch einschätzen. Es wird wieder eine sauschwierige Saison und bis jetzt ist da noch gar nichts passiert", sagte Sportdirektor Thomaes Eichin nach dem Spiel gegen die Londoner.

Drei Tage später setzte es gegen Hannover gleich die erste Niederlage. Am Samstag verlor Bremen dann das zweite Spiel in Folge mit 1:0 gegen Leicester City. Deutlich wurde jedoch, dass die Bremer an der defensiven Stabilität feilen. Die Mannschaft steht kompakter und setzt auf schnelle Angriffe im Umschaltspiel. Überfallartig wird mit den schnellen Elia, Bartels und di Santo der Ball nach vorne getrieben.

FAZIT

Das Fehlen von Aaron Hunt hat sich noch nicht bemerkbar gemacht. Bremen trägt die Angriffe variabler vor. Es bleibt abzuwarten, ob das auch in der Bundesliga funktionieren wird und ob auch Hunts Führungsqualitäten ersetzt werden können. Außerdem müssen di Santo (4 Treffer in der letzten Saison), Elia (4) und Petersen (7) ihre Torausbeute dieses Jahr drastisch nach oben schrauben, nachdem mit Hunt (9 Tore) der beste Scorer den Verein verlassen hat.

Bremen hat einen ausgeglichenen Kader, der durchaus als bundesligatauglich zu bezeichnen ist. Die Spieler verstehen immer besser, was Robin Dutt von ihnen erwartet und die Mannschaft ist größtenteils eingespielt. Dazu wird immer wieder der hervorragende Mannschaftsgeist gelobt.

Was fehlt sind echte Spitzenspieler, die gezeigt haben, dass sie regelmäßig den Unterschied ausmachen können. Mit Aaron Hunt ist da der wichtigste Akteur gegangen. Elia, Hajrovic und Junuzovic müssen beweisen, dass sie das in der Bundesliga auch längerfristig leisten können.

Trotzdem sollte Bremen eine ruhigere Saison im Mittelfeld der Tabelle vor der Tür stehen. Nach oben, in Richtung Europa-League-Plätze, braucht man noch nicht zu schauen, dafür müssten viele Spieler große Leistungssprünge vollbringen. Andererseits sollte man auch nicht mehr allzu sehr in Richtung Keller schielen müssen. Die Mannschaft bildet ein starkes Kollektiv, das sich in diesem Jahr früher aus dem Abstiegskampf verabschieden sollte.

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