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Der Ex-Frankfurter hat bei 96 den Auftrag, in die Fußstapfen von Mame Diouf zu treten. Seine letzte Saison war ein Empfehlungsschreiben, das sich sehen lassen kann.

Hannover. Keine Frage, die bisherige Saisonvorbereitung hätte für Joselu besser laufen können. Die Neuverpflichtung von Hannover 96 erzielte in seinen sechs Testspiel-Einsätzen zwar zumindest drei Treffer, sah aber auch eine Rote Karte wegen Nachtretens und leistete sich einen Fehlschuss, der im Internet die Runde machte.

Beim 1:1 der Roten gegen die Ungarn von Csakvar TK wurde Joselu nach einer sehenswerten Kombination des Teams von Tayfun Korkut freigespielt, der Stürmer setzte den Ball aus fünf Metern jedoch über das leere Tor. Mehrere Internetseiten weltweit präsentierten daraufhin ein Video dieser Szene und versahen es mit Überschriften wie "Fehlschuss des Jahres" oder "Horror miss". Es war nicht die einzige gute Chance, die Joselu in den Testspielen vergab.

Wer den für fünf Millionen Euro von der TSG Hoffenheim verpflichteten Angreifer aber bereits jetzt schon als Fehleinkauf der Hannoveraner abstempelt, könnte mit Beginn der neuen Saison eines besseren belehrt werden. Denn: Dass Joselu großes Potenzial besitzt, hat der teuerste Neueinkauf der 96-Geschichte vor allem in der vergangenen Spielzeit bei Eintracht Frankfurt eindrucksvoll bewiesen.

Der 24-Jährige war von Hoffenheim an die Hessen ausgeliehen, nachdem er sich bei den Kraichgauern nicht durchsetzen konnte. Die TSG hatte ihn vor zwei Jahren aus der zweiten Mannschaft von Real Madrid verpflichtet, wo er durchaus Eindruck hinterlassen konnte. In seinem Debüt für die Profi-Mannschaft der Königlichen erzielte der gebürtige Stuttgarter, dessen Eltern in seiner Kindheit in die spanische Heimat zurückkehrten, prompt einen Treffer, die Vorlage gab kein geringerer als Cristiano Ronaldo.

Hauptsächlich kam Joselu in Madrid aber für das Nachwuchsteam zum Einsatz, mit dem er 2012 in die zweite spanische Liga aufstieg - als Torschützenkönig seiner Liga. Hoffenheim wurde aufmerksam und verpflichtete ihn schließlich mit 22 Jahren, die Ablöse soll seinerzeit sechs Millionen Euro betragen haben.

Da er die Erwartungen bei der TSG aber nicht erfüllen konnte, ging es im letzten Jahr also nach Frankfurt. Dort lief es zu Saisonbeginn auch eher durchwachsen, zum Ende der Hinrunde aber entwickelte sich der ehemalige Jugendnationalspieler Spaniens zu einem echten Glücksgriff für die SGE. Neun Tore und zwei Assists standen am Ende auf seinem Konto, in Europa League und Pokal kamen fünf weitere Treffer hinzu - Werte, mit denen er die Verantwortlichen von 96 überzeugen konnte.

Die nämlich suchten nach einem Ersatz für Mame Diouf, der für 96 in 57 Bundesliga-Spielen starke 26 Tore erzielt hat und den Verein nach der letzten Saison in Richtung Stoke City verlassen hat. "Joselu hat in der vergangenen Saison mit Nachdruck auf sich aufmerksam gemacht und sehr überzeugende Leistungen gebracht", ließ sich 96-Sportdirektor Dirk Dufner nach der Vertragsunterschrift von Joselu zitieren. "Unser Anspruch war, einen Stürmer mit Qualität und Bundesliga-Erfahrung zu verpflichten, der aber gleichzeitig auch noch Entwicklungspotenzial besitzt."

Auch Trainer Korkut lobte: "Ich habe Joselu in unseren Gesprächen als außerordentlich positiven Typen kennengelernt, der ehrgeizig ist und gemeinsam mit uns viel vorhat." 96 wollte Joselu unbedingt, hatte mit dem VfB Stuttgart, Wolfsburg, Werder Bremen, SSC Neapel und West Ham United namhafte Konkurrenz im Werben um den Stürmer. So legte man so viel Geld wie noch nie für einen Spieler auf den Tisch.

Joselu begründete seine Entscheidung für Hannover damit, dort einen "Klub mit einer klaren Perspektive" und "einem ambitionierten Trainer" vorzufinden. Bei 96 muss er nun nicht nur seine hohe Ablösesumme rechtfertigen, sondern auch noch in die Fußstapfen von Mame Diouf treten - keine einfache Aufgabe.

Zahlenspiele: Joselu vs. Diouf

Ein Vergleich der Daten der letzten Bundesliga-Saison aber könnte dem Ex-Frankfurter Mut machen. 17,31 Prozent aller Schüsse von Joselu im Eintracht-Dress mündeten in einem Treffer, bei Diouf waren es 13,79 Prozent. Der Spanier benötigte 184,67 Minuten pro Tor, der Senegalese mit 183,25 Minuten nur unbedeutend weniger.

Stark waren vor allem auch Joselus Zweikampfwerte, er entschied 52,48 Prozent der Duelle für sich und war in dieser Disziplin der drittbeste Stürmer der Bundesliga. Diouf gewann 46,65 Prozent seiner Zweikämpfe, ließ dafür aber weniger Großchancen liegen, nämlich sieben - bei seinem Nachfolger waren es in der letzten Spielzeit zehn.

In Sachen Passspiel hat wiederum der technisch versierte Mann aus Real Madrids Talentschmiede die Nase vorn, er brachte 72,29 Prozent seiner Bälle an den Mann, sein Vorgänger 65,72 Prozent. Und in der Luft? Diouf erzielte drei Kopfballtore und gewann 45,33 Prozent aller Kopfballduelle, bei Joselu waren es vier Treffer und 60,5 Prozent siegreiche Duelle.

Zahlen, die sich sehen lassen können. Ob Joselu diese Form in Hannover bestätigen kann, wird sich zeigen. Er selbst jedenfalls hat Großes vor. Sogar die spanische Nationalmannschaft hat der Angreifer noch nicht ganz abgeschrieben. "Im Fußball ist alles möglich", antwortete er auf die Frage nach seinen Chancen, irgendwann mal für die Seleccion spielen zu dürfen. "Es liegt an mir, alles dafür zu tun, hart an mir zu arbeiten und bei Hannover 96 ein entsprechendes Niveau abzurufen."

In der U19, der U20 und der U21 lief er bereits im spanischen Dress auf, eine Berufung für die A-Nationalmannschaft wäre natürlich ein Traum für ihn. Vorerst aber ist sein Ziel, bei 96 für Furore zu sorgen. Und vielleicht ist auf dem nächsten Video von Joselu, das im Internet rumgereicht wird, dann ja ein Traumtor zu sehen - und kein Fehlschuss.

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