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Hahn und Traore – Borussia Mönchengladbachs "Flügel for Fun"

Bei der Verpflichtung der beiden Flügelflitzer setzte sich Gladbach gegen namhafte Konkurrenz durch. Favres Wunschspieler wurden schnell integriert – jetzt müssen sie dazulernen.

SPECIAL REPORT

Von Gregor U. Becker

Mönchengladbach. Mit dem Abschied von Publikumsliebling Juan Arango ging bei Borussia Mönchengladbach nicht nur eine fünf Jahre währende Ära zu Ende, Lucien Favre hat nun auch die Chance die Fohlenelf neu aufzustellen und sein System zu modifizieren. Dabei helfen sollen Ibrahima Traore, den Max Eberl ablösefrei vom VfB Stuttgart loseisen konnte und Andre Hahn, der bereits im Winter seine Ausstiegsklausel beim FC Augsburg zog und im Sommer für 2,5 Millionen Euro an den Niederrhein wechselte. Die beiden Neuzugänge erhöhen nicht nur den Marktwert des Gladbacher Kaders rasant, sie bringen auch eine Menge Tempo auf die Außenbahnen. Jetzt gilt es für den Trainer, die Pferdestärken auf den Platz zu bringen.

In der letzten Saison lahmte der linke Flügel der Borussia, was daran lag, dass Arango lieber mit seinem Zauberfuß entscheidend eingriff, anstatt über Laufintensität und Pressing zum Erfolg beizutragen. Zwar mannschaftsdienlich in der Offensive, ließ der Venezolaner nach hinten auch schon mal einen Schritt aus. Er war für Favre einfach zu wichtig, deshalb setzte ihn dieser nicht auf die Bank. Systemübungen im Vorgriff auf die kommende Spielzeit waren damit unmöglich.

Neues Personal – neues Spiel

Mit dem neuen Personal erhält eine neue Philosophie Einzug in den BORUSSIA-PARK: "Unser Spiel hat sich dadurch schon verändert. Das hat man sehen können. Juan war ein Spieler, der sich gerne den Ball in den Fuß hat spielen lassen", erläuterte Max Eberl am Rande des Telekom Cups und sah des Trainers Plan für die kommende Spielzeit bereits gut umgesetzt: "Andre Hahn und Ibrahima Traore gehen mehr in die Räume, spielen sehr aktiv, und das auch in der Defensive. Wir hatten viele Ballgewinne. Das ist auffallender als in der vergangenen Saison."

Traore als Arango-Nachfolger links gesetzt

Ibrahima Traore pflichtet dem Sportdirektor gerne bei und lobt seinen Mitspieler: "Wir kommen immer besser klar. André und ich werden oft in der Tiefe gesucht." Der guineische Nationalspieler ist ein lockerer Typ, rappte beim Einstandsritual der Fohlen auf Französisch und ist auch sonst um keinen Spruch verlegen. Nach seiner enormen Schnelligkeit befragt, scherzte er jüngst, dass er als Kind geklaut, und deshalb immer schnell wegrennen gemusst habe. Diese Lockerheit scheint Traore zu helfen, sich Favres Vorstellungen etwas fixer anzupassen als Hahn. Zudem hat der Coach den Flügelflitzer, der in der letzten Saison mit einem Freistoß an die Latte des Gladbacher Gehäuses bereits seine Visitenkarte abgab, als Arangos Nachfolger bei den Standards auserkoren.

Der 26-Jährige gilt als klassischer Außenstürmer und Vorlagengeber. Von seinem Trainer kann er neben dem taktischen Feinschliff noch mehr Präzision bei seinen Hereingaben und vor allem beim Torabschluss lernen. Sollten die Eindrücke aus Trainingslager und Testspielen nicht trügen, wird Favre, der Traores Talent bei der Hertha 2009 noch nicht erkannte und den damals 21-Jährigen Richtung Augsburg ziehen ließ, mit Gladbachs neuer Nummer acht als Stammkraft auf der linken Außenbahn planen.

Andre Hahn, ebenso sprintstark und bevorzugt auf dem Flügel zu Hause, ist dennoch ein gänzlich anderer Typ. Der Neuzugang aus Augsburg ist mit seiner Körpergröße von 1,85 Metern schon fast ein Hüne im Vergleich zum 1,70 Meter großen Traore. Er glänzt durch seine körperliche Präsenz und einem starken Abschluss, den er auch häufig sucht, wenn es ihn nach einem Lauf über die Außenbahn in die Mitte zieht.

Jobsharing für Hahn und Herrmann?

Für den Jungnationalspieler ist die Taktik von Borussia Mönchengladbach wie gemacht: "Wir spielen sehr laufintensiv und mit sehr viel Technik, ich kann mit meiner Schnelligkeit vorne rein gehen, das ist genau mein Spiel", gab Hahn dann auch bei rp-online zu Protokoll. Defizite hat der 23-Jährige beim akkuraten Passspiel, zudem wirkt er manchmal überhastet und trifft in der Vorwärtsbewegung nicht immer die richtige Entscheidung. Das ist in der Entwicklungsphase des Spielers und nach nur einer Bundesligasaison normal, doch daran gilt es mit Trainer Lucien Favre zu arbeiten. Denn eine hohe Präzision ist beim Tempofußball der Fohlen unabdingbar.

Auch außerhalb des Platzes ist Hahn ein anderer Typ als Traore – kein Lautsprecher, kein Spaßvogel, aber ein Sympathieträger, der in der Mannschaft längst akzeptiert und von den Fans bereits geliebt wird. Doch Akzeptanz im Team hin oder her - im Gegensatz zu seinem vermeintlichen Pendant, der eine frei gewordene Planstelle antritt, muss sich Hahn der Konkurrenz eines Patrick Herrmann erwehren, der trotz seines zweifelhaften Status´ als Rekordauswechselspieler der Liga dennoch eine solide Saison absolvierte und mit einem kleinen Bonus in die neue Spielzeit gehen dürfte. Zudem kennt der gebürtige Saarländer Favres System in- und auswendig. Auch wenn der Schweizer Coach seine jeweilige Stammformation ungern auseinanderreißt, so könnte die Teilnahme an drei Wettbewerben doch dafür sorgen, dass Hahn und Herrmann zu Beginn Jobsharing betreiben und sich im Laufe der Zeit einer der beiden Konkurrenten durchsetzt. Hahn hat beim Telekom Cup zudem gezeigt, dass er auch zentral eine Alternative zu Raffael, Kruse oder Hazard sein kann, doch letztlich gehört er auf die Außenbahn.

Wie die Positionskämpfe am Ende ausgehen, wird man sehen. Doch Borussia Mönchengladbach kann sich sicher sein: Mit Ibrahima Traore und Andre Hahn sind Transfers geglückt, die die Anhänger der "Elf vom Niederrhein" auch weiterhin vom internationalen Fußballfesten und vielleicht auch bald von der Champions League träumen lassen.  

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