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Borussia Dortmunds Wunsch-Immobile beweglich wie ein "Krieger"

Ciro Immobile - der "Unbewegliche" - spielt ab dem 01. Juli 2014 für den BVB. Wenn mit Italien alles gut läuft, wird er in Brasilien stürmen.

PORTRÄT
Von Stefan Döring

Immobile bedeutet "unbeweglich"; ausgerechnet dieser Begriff passt alles andere als gut zu Ciro Immobile. Das ist der Stürmer, den Borussia Dortmund am Montag nach schwierigen Verhandlungen unter Vertrag genommen hat, nämlich ganz und gar nicht. Ein Begriff, der aktuell viel besser zu ihm passen würde, ist "Überflieger".

MEINUNG AUS ITALIEN
Flavio Sirna

Immobile ist ein Stürmer, der alleine oder mit einem zweiten Angreifer auflaufen kann. In Turin war er die einzige Spitze, bei Pescara war er die Sturmspitze im 4-3-3 von Zdenek Zeman. Das zeigt, dass er in vielen Systemen gut spielen kann (4-3-3, 3-5-1-1 oder 4-2-2).

Der Italiener, in dem neapolitanischen Vorort Torre Annunziata geboren, erlebt gerade einen Höhenflug in seinem Leben, den er selbst schwer für möglich gehalten hatte. In der Serie A wurde er mit 22 Treffern Torschützenkönig, was ihm einen Platz in der Nationalmannschaft bescherte. Mit der fährt er sogar nach Brasilien zur Weltmeisterschaft und stach den 27-Jährigen Guiseppe Rossi aus. Privat läuft es für den Familienmenschen perfekt. Vor einigen Tagen heiratete er seine langjährige Freundin Jessica. Es folgte der Wechsel zum BVB.

Stern blitzt in Pescara auf

Er legte einen guten Karrierestart hin, wurde bereits mit 18 Jahren von Juventus Turin verpflichtet. Dort traf er auf sein Vorbild Alessandro del Piero und schaute ihm gerne beim Training zu. Nachdem Immobile gute Anlagen zeigte, wurde er ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Zur Saison 2011/2012 ging er dann in die Serie B zu Pescara Calcio. Dort traf er auf seine Freunde und Weggefährten aus Kindertagen, Lorenzo Insigne und Marco Verratti. Alle drei profitierten damals von Zdenek Zeman, der die Offensive liebte und spielen ließ. Immobile wurde in der Saison im 4-3-3 Torschützenkönig. Sein Stern blitzte das erste Mal auf. Heute spielt Insigne beim SSC Neapel, Verratti bei Paris Saint-Germain.

Immobile wurde von Genoa gekauft, Juventus behielt aber die Hälfte der Anteile - die Karriere bekam einen Knick. Weil es dort nicht lief, wechselte er nach einem Jahr zum FC Turin, wo er in der vergangenen Saison auch in der Serie A richtig durchstartete. Dabei sagte Zeman einst noch: "Mit deinem Nachnamen wirst du in meiner Mannschaft nie Mittelstürmer." Dass er das kann, stellte er unter Beweis und ist seinem Ex-Coach seither zu Dank verpflichtet: "Zeman muss ich unglaublich dankbar sein. Unter seiner attackierenden Tempo-Philosophie kamen alle meine Qualitäten hervor", sagte er. Beim FC Torino stellte er diese ebenfalls unter Beweis, traf aus nahezu allen Lagen.

In seiner Heimat ist er inzwischen ein hochgeschätzer Spieler, der einzig nach der ersten guten Saison noch nicht das Standing bei den großen Klubs besitzt. "Immobile ist der beste junge Spieler Italiens. Er passt perfekt zu Dortmund und in die Bundesliga. Er ist schnell, stark und er läuft mehr als ich", lobte der frühere Bayern-Torjäger Luca Toni gegenüber der Bild. Sein Nationaltrainer Cesare Prandelli schwärmt dank jener "großartigen Entwicklung" von dem Youngster.

Noch form- und beeinflussbar

Fakt ist, dass Immobile alles andere als unbeweglich ist. Er ist agil, wendig und sprintstark. Laufwege nimmt er schnell an, hat einen guten Abschluss und machte sich als starker Kopfballspieler einen Namen in Italien. Der Neapolitaner weiß, wie man sich auf dem Platz benimmt. Das als typisch italienisch bezeichnete Diskutieren auf dem Feld geht ihm nahezu ab. Nur selten regt er sich auf und lamentiert bei dem Schiedsrichter. Beim feiern kommt das neapolitanische Temperament aber wieder durch. Er ist humorvoll, lebensfroh und positiv - alles in allem eher zurückhaltend. Auf dem Feld gilt er als Terrier, trifft aus jeder Lage und war der Zielspieler für Vorlagengeber wie Alessio Cerci.

Bei Borussia Dortmund dürfte Immobile eine gute Rolle spielen können. "Er hat die perfekten Maße. Ciro ist Mitte 1,80 groß – eine richtige Kante. Er ist ein richtiges Kraftpaket, das Tore aus allen Lagen gemacht und bisher in einer Mannschaft gespielt hat, die mit am laufintensivsten im italienischen Fußball agierte. Er ist es also gewohnt, hohen Aufwand zu betreiben und hat dabei nie an Torgefährlichkeit eingebüßt", beschreibt ihn Jürgen Klopp. Dort hat er mit Marco Reus, Henrikh Mkhitaryan, Kuba und eventuell Gündogan die perfekten Vorlagengeber. Trotzdem ist er noch nicht perfekt. Im taktischen Bereich und in der Defensivarbeit hat er noch Nachholbedarf. Das weiß man beim BVB, freut sich auf die Herausforderung: "Er kann, will und muss sich noch in vielen Bereichen verbessern", sagte Trainer Jürgen Klopp: "Und wir wollen ihm dabei helfen. Er ist ein richtiger Krieger. Darauf habe ich richtig Bock."

BVB bekommt mehr Variabilität

Immobile ist nicht der klassische Neuner, antizipiert aber gut und ist dynamisch. Häufig kommt er aus der Tiefe. Beeindruckend ist seine Chancenauswertung. Die liegt bei 26 Prozent und ist damit sogar besser als die von Robert Lewandowski. Im Spielsystem von Jürgen Klopp könnte er in der kommenden Saison neben Adrian Ramos auflaufen - im 4-4-2. Dieses System ließ der ehemalige Mainzer in den letzten Saisonspielen proben. Mit Ramos und Immobile wird das Angriffsspiel der Dortmunder variantenreicher.

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