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Hamburger SV: Beten statt feiern

Der Hamburger SV ist nach dem Bundesliga-Finale zum zweiten Mal mit einem blauen Auge davongekommen. Er profitierte dabei von der Auswärtstorregel und Fürther Fehlern.

Fürth. Der Hamburger SV hat die Klasse gehalten und wird auch in der 52. Bundesliga-Saison erstklassig sein. Nach einem 1:1 bei Greuther Fürth setzt sich der "Bundesliga-Dino" in der Relegation dank der Auswärtstorregel durch und beendet damit die psychischen Qualen der vergangenen Wochen mit einem Happy End.

"Sechsmal Deutscher Meister, dreimal Pokalsieger, immer 1. Liga – HSV" – hallte es schon früh aus dem komplett gefüllten Gästeblock der Hamburg Fans. Trotz vieler Rückschläge über die Saison spürte die Elf von Trainer Mirko Slomka die vollste Unterstützung seiner Anhänger. In der Tat haben die HSV-Akteure ihren Fans noch einmal harte 90 Minuten bereitet.

"Ich hatte Kopfhörer auf, lag im Massageraum", gestand Tolgay Arslan nach der Partie. Der Mittelfeldakteur wurde nach gut einer Stunde ausgewechselt und verzichtete freiwillig darauf, das Drama bis zum Ende hautnah mitzuerleben. Selbst Rafael van der Vaart, der im Weltfußball so ziemlich jede Situation durchlebt hat, bekannte im Anschluss in der Mixed Zone: "Nein, diese Situation ist nicht vergleichbar. Eine derartige Situation war zuletzt das WM-Finale. Ganz Hamburg hat gezittert. Ich möchte so etwas nie wieder erleben." Ebenso dachten wohl die Hamburg-Fans, die vor der Partie durch bengalische Feuer und gezündete Böller negativ auffielen.

Mehr Glück als Qualität

27 Punkte zum Relegationsrang, darauffolgend der Klassenerhalt dank der Auswärtstorregel. Mit Ruhm hat sich der HSV in dieser Saison überhaupt nicht bekleckert. Im Gegenteil: Es ist statistisch betrachtet der schlechteste Bundesligist der letzten 20 Jahre, der die Klasse halten kann. "Wir hatten viel Glück diese Saison. Nach zwei Spielen sind wir auch gegen Fürth der glückliche Gewinner", so Trainer Mirko Slomka.

Noch klarere Worte, um die Situation zu beschreiben, fand Tolgay Arslan: "Wir sollten in die Kirche gehen und beten, wir hatten wirklich verdammt viel Glück." Auf die Frage, welche Spirituosen es im Flieger gebe, antwortete der Mittelfeldakteur vorsichtig: "Bier und ein bisschen Wein – wir sollten jetzt nicht zu sehr feiern." Just in diesem Moment hörte man es aus der HSV-Kabine lauthals „niemals 2. Liga“ tönen – es dachten wohl nicht alle Kollegen so wie Arslan.

"Drobny ist mein Lieblingstorwart"

Held des Tages, da waren sich die Protagonisten gleichklingend einig, war Keeper Jaroslav Drobny. Der tschechische Torhüter, der erst durch Rückenprobleme von Stammkraft Rene Adler ins Tor gerückt war, hielt den HSV gerade nach dem Fürther Ausgleich mit Glanztaten im Spiel. "Drobny war schon immer mein Lieblingstorwart", so Hakan Calhanoglu nach der Partie. Man sei "Drobny unglaublich dankbar", fügte ein sichtbar erleichterter Dennis Diekmeier an. Von Trainer Mirko Slomka wurde der Tscheche "als klarer Gewinner dieser beiden Spiele" bezeichnet.

In welcher Liga der Hamburger SV 2014/2015 spielen wird, ist nun klar, weshalb Slomka sofort bekannte, "dass die Vorbereitung ab morgen früh" beginne. Was mit den beiden Offensivsternchen Pierre-Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu passiert, steht hingegen weiter in den Sternen. Lasogga gehört weiter Hertha BSC, weswegen man abwarten müsse, so Slomka. Calhanoglu wollte hingegen zu seiner Zukunft nichts sagen. "Vielleicht nächste Woche, wenn überhaupt." Ein Treuebekenntnis sieht anders aus.

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