thumbnail Hallo,

Schalkes Joel Matip im WM-Talk: "Manchmal gerät man aneinander"

Der Kameruner und sein Schalker Teamkamerad Sead Kolasinac über ihre Erwartungen bei der WM in Brasilien, wo sie mit Kamerun und Bosnien antreten werden.

Aus Gelsenkirchen berichtet Hassan Talib Haji

Der eine hat es schon mal erlebt, für den anderen wird es eine völlig neue Erfahrung sein: Joel Matip und Sead Kolasinac vom FC Schalke 04 werden aller Voraussicht nach mit ihren Nationalmannschaften aus Kamerun beziehungsweise Bosnien-Herzegowina bei der Weltmeisterschaft in Brasilien dabei sein. Vor dem großen Turnier sprachen beide Spieler über die Erwartungen in ihren Ländern, ihre Gruppen und einiges mehr. Goal war natürlich dabei.

Joel Matip über ...

... die Erwartungen aus Kamerun: "Die Erwartungen in Kamerun sind natürlich immer sehr hoch, man ist sich seiner Rolle dann schon bewusst. Wir sind bei der letzten Weltmeisterschaft in Südafrika früh ausgeschieden. Wir sollten deshalb erstmal kleinere Brötchen backen."

... das Innenleben bei den unzähmbaren Löwen: "Wir haben eine sehr gute Truppe, in der viel gelacht wird. Wir haben viel Spaß zusammen, natürlich gerät man manchmal auch aneinander. Aber das ist normal, wenn man wochenlang zusammen ist. Alle sind mit Stolz und Ehre dabei und wollen nur das Beste."

"Ich bin fester Bestandteil der Mannschaft, aber jetzt nicht der Typ, der da im Mittelpunkt steht und rumturnt. Ich bin integriert und freue mich darauf, mit den Jungs Zeit zu verbringen und das ein oder andere zu erreichen."

... seine Verbindung zu Kamerun: "Der Bezug zu Kamerun war ja immer da. Ich habe Familie, Tanten, Onkel noch dort. Die besuche ich regelmäßig. Die Entscheidung, für welches Land ich spiele, musste ich dann irgendwann treffen. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass ich für Kamerun spielen will. Ich habe das bis heute nicht bereut und freue mich immer, wenn ich da bin."

... die Nationalhelden Samuel Eto'o und Roger Milla: "Samuel (Eto'o) ist ein offener und lieber Mensch – eine starke Persönlichkeit. Seine sportlichen Qualitäten kennt ja jeder, er ist immer noch, trotz seines Alters, ein hervorragender Spieler. Er kann Spiele entscheiden. Er führt das Team und ist ein echter Leader. Für mich ist es eine Freude und eine Ehre mit ihm zusammenzuspielen."

"Roger Milla ist DIE Legende. Er ist auch noch von Zeit zu Zeit da und hat noch die ein oder andere Funktion. Wenn ich als junger, kleiner Kerl mit ihm spreche, das ist schon etwas Besonderes."

... die Stärke der Gruppe der Gruppe A: "Brasilien ist als Gastgeber klarer Favorit auf das Finale und den Titel, bei den anderen Mannschaften wird man sehen müssen. Das sind auch starke Teams, aber wir haben auch gute Spieler und können dort was holen."

"Es sind in der Vorrunde ja nur drei Spiele. Wenn man da nicht von Beginn an bei der Sache ist, kann das schnell in die Hose gehen."

... seine erste WM vor vier Jahren: "Mit 18 Jahren war ich in Südafrika dabei. Das bleibt einem in Erinnerung. Natürlich lief es sportlich für uns katastrophal. Das bedeutet aber nun: es kann nur noch bergauf gehen."

... die Favoriten: "Brasilien ist klarer Favorit. Danach kommen für mich die üblichen Verdächtigen, wie Deutschland und Spanien. Die werden dort eine große Rolle spielen. Die Klasse der deutschen Mannschaft spricht für sich. In so einem Turnier kann sich aber viel ergeben. Am Ende sind wir alle schlauer, ich traue ihnen aber viel zu."

Sead Kolasinac über ...

... die Vorfreude in Bosnien: "Die Bosnier sind fußballverrückt. Gerade jetzt, wo wir zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, steht das ganze Land auf dem Kopf. Jeder freut sich auf das Turnier und wir Spieler natürlich auch. Alle würden sich sehr freuen, wenn wir die Gruppenphase überstehen. Man hat drei Spiele und in so einem Turnier ist alles möglich. Wir werden alle Spiele zu 100 Prozent angehen."

... die Entscheidung für Bosnien zu spielen: "Ich habe mich dazu entschieden für Bosnien und nicht für Deutschland zu spielen, da ich mich durch die Familie natürlich hingezogen fühlte. Jahrelang habe ich dort immer meinen Sommerurlaub verbracht. Dadurch war es für mich keine schwere Entscheidung."

"Meine Entscheidung bereue ich überhaupt, da stehe ich 100 Prozent dahinter. Dass Deutschland vielleicht ein Problem auf der Linksverteidiger-Position hat, ist jetzt nicht mein Problem."

... seine ersten Erfahrungen im Team: "Ich habe zwei Länderspiele absolviert, bin aber auch erst 20 Jahre alt. Ich bin überglücklich, in Brasilien dieses Turnier spielen zu dürfen. Ich bin selbstverständlich sehr aufgeregt, aber im Spiel geht die Nervosität weg. Meine Teamkameraden haben es mir auch leicht gemacht und mich super aufgenommen."

... seine Spielweise: "Als ich anfangs bei Schalke spielte, habe ich mich erstmal darauf konzentriert, meine Seite dichtzumachen. Darunter hat das Offensivspiel etwas gelitten. Von Spiel zu Spiel wird man aber immer lockerer und traut sich dann auch mehr zu. So ist es halt dann dazu gekommen, dass ich auch öfters vorne Akzente gesetzt habe. In der Saison mit Schalke verlief es sehr positiv für mich und ich bin darüber sehr glücklich. Ich habe an meinen Schwächen, wie dem Offensivspiel, gearbeitet. Aber es geht selbstverständlich noch besser."

"Ich möchte mich natürlich in der Vorbereitung auf die WM dem Trainer zeigen. Unser Ziel ist es, die Gruppenphase zu überstehen und dann schauen wir, was am Ende dabei herauskommt."

... Vorbilder: "Klar hat man Vorbilder, Spieler, wo man immer hingeguckt hat. Bei mir war es Zinedine Zidane. Dadurch, dass Christian Fuchs auf Schalke zunächst auf der linken Seite gespielt hat und ich nicht, habe ich natürlich auch viel von ihm lernen können. Er hat mich weitergebracht, weil er viel mit mir geredet hat und mir Tipps gab."

... die Favoriten: "Brasilien ist klarer Favorit. Die spielen in ihrem Land, eine größere Unterstützung gibt es ja nicht. Deutschland und Spanien gehören auch zu diesem Kreis. Mein persönlicher Geheimfavorit ist aber Chile."

Dazugehörig