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HSV vor Endspiel um die Relegation - Westermann: "Die Anspannung ist brutal"

Keine einfache Aufgabe: Der HSV muss am letzten Spieltag der Bundesligasaison in Mainz um seine letzte Chance auf den Klassenerhalt kämpfen.

Hamburg. Am kommenden Wochenende geht es für den Hamburger SV um alles. Trotz der schlechtesten Saison ihrer Vereinsgeschichte können die Rothosen die Relegationsspiele noch aus eigener Kraft erreichen. Vor der Partie gegen den 1. FSV Mainz 05 sprach HSV-Reporter Daniel Jovanov mit Verteidiger Heiko Westermann über den Abstiegskampf, Druck und die Auswärtsschwäche in dieser Saison.

Herr Westermann, die Niederlage gegen den FC Bayern war deutlich. Dennoch gab es am Ende Applaus und Anfeuerungen von den Fans. Mit welchem Gefühl gehen Sie ins letzte Spiel der Bundesligasaison?

Heiko Westermann: Über das 1:4 gegen Bayern München hat sich bestimmt niemand gefreut. Aber sicher waren alle erleichtert, dass wir den vergangenen Spieltag überstanden haben, ohne einen weiteren Platz abzurutschen. So haben wir es in Mainz zumindest selbst in der Hand, den Relegationsplatz zu verteidigen.

Mirko Slomka hat kürzlich gesagt, dass Abstiegskampf weh tue. Wie schmerzhaft empfinden Sie den Abstiegskampf als Spieler?

Westermann: Die Nervenanspannung im Vorfeld der Spiele ist schon brutal. Die Nervosität verfliegt dann erst auf dem Platz. Die generelle Situation schmerzt allerdings viel mehr, als wenn es im Spiel richtig scheppert. Die Umstände zu analysieren, bringt uns jetzt aber auch nicht weiter. Es geht nur noch darum, den HSV in der Bundesliga zu halten.

Es gab in den letzten Wochen immer wieder Diskussionen um Intensität und Umfang des Trainings. Unter van Marwijk sei zu wenig, unter Slomka sogar zu viel trainiert worden sein. Wie sehen Sie das?

Westermann: Ich als Spieler habe das umzusetzen, was der Trainer vorgibt. Jeder hat da einen anderen Ansatz. Ganz einfach. An diesen Diskussionen will ich mich auch nicht beteiligen. Außerdem: wenn ich als Spieler das Gefühl hätte, dass zu wenig trainiert wird, hätte ich doch immer die Möglichkeit, noch selbst etwas für mich zu machen. Der Trainingstrakt und die Trainer stehen den ganzen Tag zur Verfügung.

Auswärts hat der HSV in dieser Saison nur neun Punkte geholt. Unter Slomka gab es noch überhaupt keinen Punktgewinn in der Fremde. Was läuft auswärts anders?

Westermann: Gute Frage. Wenn wir die Antwort parat hätten, würden wir vielleicht anders da stehen. Wir haben ja hoffentlich noch zwei Chancen in den nächsten Wochen, es auswärts besser zu machen.

Außerhalb des Platzes gab es viele Wechsel im Verein. Ein neuer Sportchef und drei Trainer in einer Saison. Beeinflusst Sie das?

Westermann: Das hat uns auf dem Platz nicht zu beeinflussen. Ich habe im Spiel jedenfalls noch nie Zeit gehabt, um darüber nachzudenken, wie viele Sportdirektoren hier in den vergangenen Jahren gearbeitet haben. Wir täten insgesamt besser daran, die Verantwortung für die Situation nicht immer woanders zu suchen. Das ist mir zu einfach.

Viele Fans des HSV stehen Sportchef Oliver Kreuzer aufgrund seiner medialen Präsenz skeptisch gegenüber. Immer wieder hat er einzelne Spieler öffentlich kritisiert. Wie nehmen Sie seine Rolle innerhalb des Teams wahr?

Westermann: Ich glaube, dass mediale Präsenz von einzelnen Personen auch nicht entscheidend ist. Die schießt oder verhindert auch keine Tore. Wir stehen alle in der Kritik, weil wir nur 27 Punkte haben. Dass dann ständig Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden, gehört zum Geschäft, das kennt man. Es ist doch klar, dass ein Sportdirektor in so einer Phase ständig nach Erklärungen gefragt wird.

Der HSV steckt in der größten Krise seiner Geschichte. Denken Sie in Ihrer Freizeit oft darüber nach?

Westermann: Natürlich beschäftigt man sich gedanklich den ganzen Tag mit der Situation. Das schüttelst du nicht einfach so ab wenn du nach Hause kommst. Aber das wird nicht nur mir so gehen, sondern jedem, dem dieser Verein am Herzen liegt.

Sprechen Sie mit den Kollegen über die Situation?

Westermann: Was glauben Sie? Natürlich sprechen wir darüber. Wir wollen ja gemeinsam da durch.

Lesen Sie, was über den HSV geschrieben wird?

Westermann: Ich laufe nicht morgens zum Kiosk und hole mir alle Zeitungen oder bin ständig online. Was Thema ist, merke ich ohnehin an den Fragen der Journalisten.

Seit Jahren wird die Mentalität der Mannschaft kritisiert. Sie gelten mittlerweile als positives Beispiel, obwohl Sie lange Zeit einen schweren Stand bei den Fans des HSV hatten. Nehmen Sie wahr, dass spätestens seit ihrem Tor gegen Leverkusen ein kleiner Hype um Sie entstanden ist?

Westermann: Hype ist ja wohl übertrieben. Sie spielen ja sicher auf diese HW4 Geschichte an. Ich probiere einfach, mich immer voll reinzuhauen. Wenn das honoriert wird, tut das natürlich gut. Aber mich interessiert nur, dass wir drinbleiben.

Trotz der schwierigen Phase haben Hunderte Anhänger mit einem erneuten Fanmarsch ihre Verbundenheit zum Ausdruck gebracht. Ist das ein Thema in der Kabine?

Westermann: Wir waren sehr beeindruckt. Diese Unterstützung hilft uns unglaublich. Und sie zeigt uns auch immer wieder auf, welche Verantwortung wir hier haben.

Spätestens am 18. Mai ist die Spielzeit für den HSV beendet. Haben Sie schon Ihren Urlaub geplant?

Westermann: Nein.

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