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Kevin Großkreutz: Darum muss er zur WM 2014 nach Brasilien

An ihm scheiden sich die Geister: Kevin Großkreutz. Für die einen ist er ein Rabauke, für die anderen eine Identifikationsfigur mit dem Verein und ein Sinnbild für Leidenschaft.

FEATURE
Von Stefan Döring

Er lebt für seinen Verein und den Fußball, zeichnet sich durch Kampfgeist und Leidenschaft aus. Aber nicht erst seit Neuestem bringt man mit ihm auch Flexibilität und Vielseitigkeit in Verbindung. Einer, der einsetzbar ist, ohne an eine Position gebunden zu sein. Die Rede ist von Kevin Großkreutz von Borussia Dortmund. Diesen Vorteil hat Jürgen Klopp längst erkannt und auch Joachim Löw scheint allmählich auf den Geschmack gekommen zu sein.

Am Wochenende, als der BVB im Signal-Iduna-Park die TSG Hoffenheim empfing, gehörte ihm die linke Mittelfeldseite. Erneut machte Großkreutz viele Meter, lief unermüdlich, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive. Kurios war, dass er einmal auf dem Boden liegend per Kopf klärte - ein Ausdruck seines ständigen Einsatzwillens. In der 29. Minute traf er zum 1:1 mit einem satten Rechtsschuss und erzielte seinen ersten Saisontreffer. Doch damit nicht genug, er hatte noch weitere Chancen und trieb sein Team unermüdlich an.

Großkreutz ist einer der Dauerbrenner bei Borussia Dortmund, spielte 32 Mal in der Bundesliga. Insgesamt stand er 2.711 Minuten auf dem Feld. Hinzu kommen am Samstag beim letzten Bundesligaspiel der Saison im Berliner Olympiastadion sicherlich noch ein paar weitere Minuten. Doch nicht nur als Mittelfeldspieler überzeugte er in dieser Saison.

Großkreutz ist für Jürgen Klopp Gold wert, da er auf fast jeder Position zum Einsatz kommen kann. Lange ersetzte er in dieser Saison den verletzten Lukasz Piszczek auf der Rechtsverteidigerposition, aber auch auf der linken Position kann er spielen, genauso wie auf fast jeder Position im Mittelfeld. Sogar in der Innenverteidigung testete Jürgen Klopp ihn im Winter. Ganz skurril war zudem sein Einsatz als Torhüter am 34. Spieltag in der vergangenen Saison, als er für den vom Platz geflogenen Roman Weidenfeller ins Tor musste.

Mit diesen Qualitäten ist Kevin Großkreutz sicherlich ein Kandidat für die Nationalmannschaft und damit für die Weltmeisterschaft in Brasilien. Das Arbeitstier hat bewiesen, dass man ihn bedenkenlos als Außenverteidigerm, aber auch im Mittelfeld einsetzen kann. Ein idealer Spieler für ein Turnier, bei dem der Kader nie auf jeder Position doppelt besetzt werden kann. Da sind Spieler gefragt, die auch auf mehreren Positionen ohne Anpassungsschwierigkeiten ins kalte Wasser geworfen werden können. Im Jahr 2012 bei der Europameisterschaft hatte Lars Bender diese Rolle als Tausendsassa inne und wusste zu überzeugen.

KEVIN GROßKREUTZ | BORUSSIA DORTMUND, Allrounder, 25
KARRIEREDATEN
Spiele 158
Tore 23
Im Verein seit 01.07.2009 - bereits in der Jugend beim BVB
LEISTUNGSDATEN
Erfolgreiche Tacklings 83%
Spielminuten 2711
Passquote 83% angekommen

Ein weiterer Punkt, der für Großkreutz spricht, ist sicherlich das gute Zusammenspiel mit Marcel Schmelzer, der wohl ebenfalls von Joachim Löw nominiert wird und die linke Verteidigerposition bespielen soll. Wenn die beiden Spieler zusammen für ihren Verein auflaufen, bringen sie die Gegner in aller Regelmäßigkeit zum Verzweifeln. Gegen Real Madrid und den FC Bayern München zeigten die beiden starke taktische Leistungen und zogen Ronaldo, Ribery oder Robben den Zahn. Auch gegen Nationalteams wie Spanien, Italien oder Brasilien, die gerne über die Außen kombinieren, könnte die Defensivzange zupacken.

Großkreutz ist zudem einer, der die Massen aber auch die Mitspieler mitziehen kann. Er ist einer solcher Typen, die im aktuellen Profifußball nur noch selten zu finden sind. Vereinstreue, Leidenschaft, Ecken und Kanten - diese Merkmale haben im modernen Fußball nicht mehr viele Spieler. Auch deshalb fordert der ehemalige Nationalkeeper Oliver Kahn Großkreutz' Nominierung für die WM.

"Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ist ein sehr homogenes Team. Die Spieler sind vom Charakter her alle sehr ähnlich. Es macht Sinn, den einen oder anderen 'Typen' in so eine Mannschaft reinzunehmen. Wie Kevin Großkreutz, der ein anderer Typ ist und so einer Mannschaft in bestimmten Situationen durchaus helfen kann", sagte Kahn in einem Interview mit Sky Sport News HD: "Es geht darum, eine Mischung unterschiedlicher Typen zu finden. Das wird bei dieser Mannschaft, die kurz vor dem ganz großen Wurf steht, wichtig werden."

Zählt man all die Vorteile zusammen, kommt Joachim Löw am Donnerstag wohl kaum umhin, den Dortmunder für den vorläufigen WM-Kader zu nominieren. Sollte er den Nationaltrainer dann auch im Trainingslager überzeugen, dürfte er sich auch berechtigte Hoffnungen auf Einsätze während der Weltmeisterschaft in Brasilien machen.

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