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"I'll be back!" Hoeneß wie der "Terminator"

Uli Hoeneß verabschiedet sich mit einem ebenso emotionalen wie denkwürdigen Auftritt von seiner Bayern-Familie - aber nur auf Zeit.

München. Uli Hoeneß war emotional aufgewühlt. Bei seinem vorerst letzten Auftritt im Kreise seiner Bayern-Familie sprach der gefallene Patron von seinem Hass, seinem persönlichen Trauma und davon, dass er als verurteilter Steuersünder am Boden sei. Dort aber, das machte Hoeneß in einer ebenso kämpferischen wie denkwürdigen Rede unmissverständlich klar, werde er nicht lange liegen bleiben.

"Das war's noch nicht!", rief er seinen jubelnden Bayern an diesem Freitagabend im Audi Dome zu, der zu einem Hochamt des "Mia san mia" wurde. Mia san die Größten - trotz Real Madrid. Mia san Pep - trotz Systemdiskussion. Und über allem: Mia san Uli - trotz, oder gerade wegen Karl Hopfner.

Dass dieser bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung bis Herbst 2016 zum Nachfolger des zurückgetretenen Präsidenten Hoeneß gewählt wurde, geriet zur Randnotiz. Hopfner (61), das wurde bald klar, ist nur Platzhalter für "Kopf, Bauch, Herz und Seele" des FC Bayern, wie er selbst seinen Vorgänger - und mutmaßlichen Nachfolger - Hoeneß (62) nannte.

"Papa" Hoeneß will zurück

Er werde in den Schoß der Familie zurückkehren, kündigte "Papa" Hoeneß für die Zeit nach seiner Haftstrafe an. Und diese Aussage hatte etwas von der Bestimmtheit des berühmten "I'll be back!" (Ich komme wieder) von "Terminator" Arnold Schwarzenegger. In welcher Funktion er sein Comeback plant, ließ Hoeneß zwar offen. Hopfner aber versicherte vorsorglich, eine Kandidatur gegen den scheidenden Chef käme für ihn "überhaupt nicht in Frage".

Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge betonte, er freue sich auf den Tag, an dem Hoeneß zurück sei. Bis dahin wolle er ihn in der Haftanstalt in Landsberg am Lech regelmäßig besuchen, um "ihm zu sagen, was los ist beim FC Bayern, und seine Resozialisierung zu unterstützen", wie er ohne Ironie anfügte.

Im Gefängnis will sich Hoeneß über sich selbst Gedanken machen. Darüber, wie er den Hass ("kein guter Wegbegleiter") auf manche Kommentatoren wieder loswerden könne. Über den FC Bayern, betonte er, müsse und werde er sich derweil keine Sorgen machen. "Wenn ich jetzt gehe, dann gehe ich mit ruhigem Gewissen. Wenn wir alle zusammenhalten, wird dieser Verein überhaupt keine Probleme kriegen", sagte er im Brustton der Überzeugung.

"Keine Schande, kein Drama"

Hopfner und Rummenigge taten alles, um den "lieben Uli", wie sie ihn mehrmals nannten, in diesem Glauben zu bestärken. In einem Filmchen wurden die jüngsten Erfolge zum Beweis vorgeführt, dass es um Mannschaft und Trainer Pep Guardiola nicht so schlimm steht, wie es das demütigende 0:4 im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Real Madrid am vergangenen Dienstag vielleicht manchen hat befürchten lassen. Zwischen Klub und "unseren Pep" passe "kein Blatt Papier", betonte Rummenigge unter Applaus.

Das Aus gegen Real, versicherte Rummenigge, sei "keine Schande, kein Drama" gewesen. Zwar werde es für die kommende Spielzeit weitere "qualitative" Veränderungen im Kader geben, aber: "Wir haben es überragend gemacht in dieser Saison - mit diesem System und diesen Spielern." Und mit, ja dank Guardiola.

Den Kritikern schleuderte Rummenigge entgegen: "Ich finde dieses Motzen zum Kotzen." Doch unter den 1593 Mitgliedern war an diesem bayernseligen Abend kein Kritiker - der FC Ruhmreich feierte sich zwei Stunden lang geschlossen selbst. Sich und "den lieben Uli".

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