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Der Österreicher erlebt in Bremen eine Saison der Extreme. Spielen zu Null stehen herbe Pleiten gegenüber. Prödl stellt die Mentalitätsfrage und fordert einen eigenen Werder-Stil.

Bremen. Abwehrchef Sebastian Prödl hat mit Werder Bremen den Klassenerhalt in der Bundesliga geschafft, dennoch moniert der Österreicher die Gegentorflut und die zwei Gesichter, die die Hanseaten regelmäßig zeigen. In der kommenden Saison brauche Werder wieder eine stilbildende Handschrift.

"Das Spiel in München war eine Widerspiegelung der ganzen Saison", so Prödl im Interview mit dem Weser Kurier über das 2:5 bei den Bayern,  das angesichts des Spielverlaufs mit zweimaliger Führung und dem Einbruch im zweiten Durchgang exemplarisch für das Werder-Jahr stehe.

"In der ersten Halbzeit haben wir defensiv sehr gut gestanden und sehr gut gekontert. So war auch unser eines Gesicht dieser Saison: Wir haben neun Spiele ohne Gegentore geschafft", erklärte der Innenverteidiger. Hingegen habe "die zweite Halbzeit in München unser anderes Gesicht gezeigt".

"Ausschlag unserer Leistungen war extrem"

"Wenn‘s mal losgeht mit den Gegentoren, müssten wir uns viel mehr dagegenstemmen. Der Ausschlag unserer Leistungen war extrem", analysierte der 26-Jährige die enormen Schwankungen. Neun Partien zu Null stehen nach 32 Spieltagen ganze 64 Tore in lediglich 23 Spielen gegenüber.

Prödl führte die Masse an Gegentreffern auf mentale Gründe zurück. "Wenn wir zwei Gegentore bekommen, glauben wir nicht mehr an uns und daran, dass wir das Spiel noch drehen können. Manchmal müssen wir uns eingestehen: Okay, der Gegner war heute besser. Aber das dürfen wir uns erst nach 90 Minuten eingestehen", so der gebürtige Grazer.

"Das Punktekonto ist entscheidend"

Trotzdem sei letztlich nur die Tabelle ausschlaggebend für die Bewertung der Saison, wie Prödl bekannte: "Letztes Jahr haben wir konstant viele Gegentore bekommen, dieses Jahr mal gar keine, mal sehr viele. Aber selbst wenn wir uns 70 Gegentore einfangen würden und wir hätten 45 Punkte, dann wären die Gegentore nicht egal. Aber dann wären wir auch zufrieden. Das Punktekonto ist entscheidend."

Dennoch: Der Offensivfußball, für den die Bremer jahrelang standen, gibt es im Weserstadion nur noch selten zu beobachten. Der Mannschaft fehle ein stilistisches Alleinstellungsmerkmal, so Prödl: "In der nächsten Saison müssen wir wieder eine Marke schaffen, eine Spielkultur, mit der sich jeder identifizieren kann, auch im Umfeld."

Prödl: Werder braucht Wiedererkennungswert

"Es muss nicht die Marke sein, die Werder hier über Jahre durch seinen dominierenden Offensivfußball war", so der österreichische Nationalspieler. "Wir sind dieses Jahr über die Mentalität gekommen. Das war unser Markenzeichen. Aber in der nächsten Saison müssen wir einen höheren Wiedererkennungswert haben."

Dennoch war für ihn selbst die Saison eine gute, was das eigene Standing betrifft. Prödl ist von Trainer Robin Dutt vor der Saison zum Abwehrchef gekürt worden. "Ich fand es schön, dass er mir sein Vertrauen so offensiv ausgesprochen hat. Er ist ja in die Medien gegangen und hat gesagt: Der Sebastian, der kann das. Ich habe mir das auch zugetraut", so der seit 2008 bei Werder spielende Prödl.

"Ich übernehme gern Verantwortung, und ich kann daran wachsen - ich glaube, das hat die Saison gezeigt", erklärte er und stellte fest: "Ich habe jetzt ein ganz anderes Auftreten. Ich habe auch ein paar Mal die Kapitänsschleife tragen dürfen. Das gibt mir noch mal einen Schub, noch mal mehr Selbstvertrauen."

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