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Unaufhaltsam taumelt der Hamburger SV dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte entgegen. Im Liga-Finale schwindet die Hoffnung auf eine Wende immer mehr.

Hamburg. Der Hamburger SV bereitet sich im Existenzkampf der Bundesliga in Augsburg vor. "Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus", sagte Trainer Mirko Slomka vor der Abreise und hofft, dass sein Team in dem Quartier Drei Mohren endlich zu einer Einheit reift und sich gegen die drohende Katastrophe zu wehren beginnt.

"Kampf, Präsenz und Leidenschaft" forderte Slomka ein. Wie schon zuvor in den vergangenen Wochen. Doch passiert ist bei den einst stolzen Hanseaten bisher nichts. Vergangene Woche bettelte die Mannschaft gegen den VfL Wolfsburg (1:3) förmlich um den Gang in die Zweitklassigkeit.

"Noch sind 30 Meter zu gehen"

Slomka versichert derweil tapfer, dass jetzt "jeder begriffen hat, worum es geht." Als drohte dem Bundesliga-Dino erst seit vorgestern der erste Abstieg der Vereinsgeschichte. Doch wie überall in der Fußball-Republik stirbt auch in Hamburg die Hoffnung zuletzt. "Die Chance ist da, in drei beziehungsweise fünf Spielen die Bundesliga zu halten", sagte Slomka. Die Hamburger setzen längst nur noch auf die Relegation.

Zusammen mit Slomka versuchte auch Sportchef Oliver Kreuzer noch einmal, seinen ebenso verwöhnten wie desolaten Spielern ins Gewissen zu reden. "Wir befinden uns auf der Zielgeraden der Saison. Noch sind 30 Meter zu absolvieren. Und ich erwarte von jedem einzelnen Spieler, dass er für diesen Verein noch einmal alles aus sich rausholt", sagte Kreuzer fast verzweifelt und bettelte um etwas eigentlich Selbstverständliches: Unbedingten Einsatz. "Es geht um mehr als das Gewinnen. Es geht um das große Ganze, um das Überleben des gesamten Vereins", sagte Kreuzer.

HSV droht auseinanderzubrechen

Der HSV befindet sich in der schlimmsten Krise seiner Geschichte. Der drohende Abstieg wäre der absolute Super-GAU, beim historischen Gang in die Niederungen der 2. Liga würde der Verein wohl auseinanderbrechen. Die Lizenz für die kommende Saison wurde nur unter Auflagen erteilt, die finanzielle Situation ist dramatisch, Vorstand und Aufsichtsrat des Klubs sind völlig zerstritten und hinter den Kulissen tobt weiter ein erbitterte Kampf um die geplante Ausgliederung der Fußball-Abteilung. Der HSV gibt im Moment nicht nur auf dem Rasen ein trauriges Bild ab.

Und jetzt verstrickt sich Kreuzer auch noch in einen Kleinkrieg mit Ex-Trainer Thorsten Fink. Der hatte zuletzt behauptet, dass die Hanseaten unter ihm "mit dem Abstieg nichts zu tun" gehabt hätten. "Er sollte endlich den Mund halten", konterte Kreuzer nun in der Bild-Zeitung: "Auch durch die desaströsen Auftritte unter Fink sind wir nun in dieser schwierigen Situation." Zudem plauderte Kreuzer pikante Details aus.

So soll Fink sich "sogar auf der Rückbank des Autos eines Freundes aus dem Stadion schleusen lassen", um nach einem Debakel bei Borussia Dortmund (2:6) "den Medienvertretern nicht Rede und Antwort stehen zu müssen". Eine ähnliche Flucht würde sich Slomka sicher gerne ersparen.
 

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