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Pep Guardiola: "Ich bin nicht Gott"

Pep Guardiola erlebt die schwierigste Phase in seiner Amtszeit beim FC Bayern. Für den Spanier ist es ein schmerzhafter Crash-Kurs in Sachen "Mia san mia".

München. Dieter Hoeneß, sagt sein Bruder Uli, habe in den vergangenen Tagen gelitten wie ein Hund. Der jüngere der Hoeneß-Brüder sprach nicht über den bevorstehenden Haftantritt des älteren, sondern über die Lage bei dessen liebstem Kind, dem FC Bayern. Wie der Klub sich nach dem vorzeitigen Gewinn der deutschen Meisterschaft vor allem in der Bundesliga präsentiert habe, "das ist nicht Ulis Stil", sagte Hoeneß bei Sport1.fm, "und das ist auch nicht der Stil des FC Bayern."

Verantwortlich für das "unprofessionelle" Auftreten (Dieter Hoeneß) des Triple-Gewinners ist Trainer Pep Guardiola. Seine übereifrige Rotation und seine gewagten Aussagen ("Die Bundesliga ist vorbei") haben die Münchner aus dem Rhythmus gebracht - und Guardiola erstmals in seiner kurzen Amtszeit ein bisschen unter Druck geraten lassen. Da mag Sportvorstand Matthias Sammer noch so sehr öffentlich um Verständnis für die allzu menschlichen Schwächen der Profis werben - den Bossen haben die Vorstellungen gegen Hoffenheim, Augsburg und vor allem gegen Dortmund sehr missfallen.

"Weiß nicht, ob ich ein guter Trainer bin"

Für Guardiola sind die Reaktionen seiner Vorgesetzten wie der Öffentlichkeit ein Crash-Kurs in Sachen "Mia san mia". Die Grundwerte des Klubs fordern von jedem seiner Vertreter unter anderem, Botschafter des Vereins zu sein, als Vorbild und mit Respekt aufzutreten - das hat mancher bei Guardiola zuletzt ein bisschen vermisst. Am Dienstag, bei der Pressekonferenz vor dem Pokal-Halbfinale gegen den 1. FC Kaiserslautern, sah sich Guardiola genötigt, sich zu verteidigen. "Ich kann nicht immer gewinnen, tut mir leid, ich bin nicht Gott", sagte der 43-Jährige.

Guardiola gab Fehler zu. Es stimme zwar, dass die Bundesliga-Saison für den FC Bayern "vorbei" sei, beharrte er. Dies wiederholt geäußert zu haben, sei aber "vielleicht ein Fehler, ein großer Fehler" gewesen. Aber, fügte er an, "ich bin ja noch ein junger Trainer..." Was nach Koketterie klang, war ernst gemeint. Guardiola sah und sieht sich noch immer als Lernenden - gerade beim FC Bayern. "Ich weiß nicht, ob ich ein guter Trainer bin", sagte der Mann, der mit dem FC Barcelona alles und mit den Bayern die schnellste Meisterschaft in 51 Jahren Bundesliga gewonnen hat, "ich weiß nicht, wie gut ich bin. Ich versuche jeden Tag, ein guter Trainer für meine Spieler zu sein."

Bayern wie Barca

Dass ihm nach all den großartigen, beeindruckenden Siegen und unglaublichen Rekorden wegen ein paar unbedeutender schwacher Auftritte derart der Wind ins Gesicht blasen würde, habe ihn aber nicht überrascht, meinte Guardiola. "Ich wusste: Pep, you will suffer here", sagte er. Guardiola wusste schon vor seinem Amtsantritt im vergangenen Sommer, dass er würde leiden müssen. Das habe ihn nicht zuletzt seine Zeit beim FC Barcelona gelehrt. "Du kannst dir nicht vorstellen, was da los ist, wenn du nichts gewinnst", sagte er über den Stolz Kataloniens.

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Und dennoch: Er habe gelernt, wie wichtig die Bundesliga ist, sagte Guardiola. Und, dass er den Verein und die Menschen, die für ihn und in seinem Umfeld arbeiten, ein bisschen besser kennengelernt habe. An seiner Vorgehensweise werden diese Erkenntnisse gleichwohl nichts ändern. Warum, fragte er, soll jetzt plötzlich alles falsch sein, was vorher nicht nur richtig, sondern großartig war?

Den perfekten Fußball, die perfekte Mannschaft - all das gebe es ohnehin nicht, sagte Guardiola. Auch nicht beim FC Bayern. Möge es Uli Hoeneß noch so missfallen.

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