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Die aufstrebenden Stars des FC Bayern München

Guardiola rotiert die Jugend in den Fokus. Goal stellt einige Hoffnungsträger vor. Dabei: „Kroossteiger“, eine US-Rakete, ein Thiago-Double und einer wie Papa.

München. "Irgendwie sind alle gleich ruhig, gleich leidenschaftslos", monierte Matthias Sammer vom FC Bayern München. Er, der einst den DFB zukunftsorientiert reformierte, ein Fürsprecher der Persönlichkeitskategorisierung, forderte während der Sommer-Vorbereitung im Trentino mehr von seinen Nachkömmlingen. Mehr Frechheit. Einen kleinen Schuss Spielwitz. Gesunden Egoismus.

Die Bayern schrecken keineswegs davor zurück, im hohen Preissegment zu wildern. Zuhauf wurde dies in den vergangenen Transferperioden demonstriert. Obgleich lahmt die zweite Säule im Erfolgsmodell, die Nachwuchsförderung. Zu wenige Alternativen bietet der Unterbau, zu erdrückend scheint das Leistungsprinzip im Star-Ensemble.

Macht Toni Kroos die Fliege? Guardiola: "Er kann selbst entscheiden"

Wie gut, dass man mit Pep Guardiola einen Meister im Scouting, in der Entwicklung in den eigenen Reihen wähnt. Die junge Garde vertraut ihm – und er vertraut ihnen. Das war bei Barcelona zu erkennen. Und so verhalf er Ylli Sallahi, einem 20-jährigen No-Name, in Augsburg überraschend zum Bundesliga-Debüt. Vor dem DFB-Pokal-Halbfinale gegen Kaiserslautern (ab 20.30 Uhr im LIVE-TICKER) wirft Goal einen Blick auf die Versprechungen für die Zukunft: Wer ist bereit für Männerfußball?

IM BLICKPUNKT

Pierre-Emile Höjbjerg (18 Jahre - Mittelfeld):

Fünf Minuten, erzählt er heute voller Stolz, habe es gedauert. Danach war Michael Tarnat, immerhin Nachwuchskoordinator beim FCB, überzeugt. "An dem Abend hatte ich Glück, da veränderte sich mein Leben." Dreimal vollstreckte Höjbjerg für Bröndbys Jugendauswahl gegen den FC Kopenhagen. Ein Empfehlungsschreiben, welches ihm den Weg gen München ebnete.

In heimischen Gefilden wurde er längst zum Danish Wunderkind stilisiert. Technisch versiert, mit begnadetem rechten Fuß gesegnet, brilliert er auf nahezu allen zentralen Positionen. Bald sah ihn Bayerns Beletage in der Regionalliga unterfordert. Die logische Konsequenz: Er, der Zinedine Zidane verehrt, wurde befördert. Seitdem er am 29. Spieltag der Vorsaison gegen Nürnberg erstmals für die Profis auflief, ist er Stammgast im Kader.

"Ich kann in der Raute alles spielen", betont Höjbjerg selbstsicher, "meine Qualität aber ist die Kreativität, die Offensive, das Kombinationsspiel." Ein Typus geschaffen für Guardiola. Für Experten ein idealer Hybrid zweier Idole. Nur sei er schneller als Bastian Schweinsteiger, dribbelstärker als Toni Kroos, jünger als beide.

FC BAYERN HOLT RODE
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Mitchell Weiser (19 Jahre alt – Mittelfeld):

Mit reichlich Vorschusslorbeeren bedachte ihn die lokale Presse 2012, als der Titel-Krösus seine jüngste Errungenschaft publik machte. Die Bestätigung blieb Weiser schuldig. Um auf der Bank nicht zu versauern, sollte er beim 1. FC Kaiserslautern im Frühjahr explodieren. Regelmäßig sammelte das kölsche Juwel seine Einsatzminuten. Mal zwölf, mal 90. Nachhaltig Eindruck hinterließ er allzu selten.

Aktuell verdingt sich Weiser zumeist im Unterhaus. Lediglich in Augsburg durfte er bei der Ersten ran, war Nutznießer der Guardiola’schen Schonkur. Nicht zu vergessen ein Kurz-Auftritt in der Champions League. Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffen jedoch drei Ligen. Und der Druck wächst.

IM ERWEITERTEN KADER

Ylli Sallahi (20 Jahre – Verteidigung):

David Alaba reifte bei Bayern zum Star, zum Linksverteidiger von Weltklasse-Format. In Österreich wird der Triple-Sieger glorifiziert. Er ist ein Held. Ein Vorbild – auch für Sallahi. Vergangenes Jahr wagte er das Abenteuer Deutschland. Vom tristen Alltag bei Zweitligist SV Kapfenberg rein in die glitzernde Fußballwelt. Ein gigantischer, schier übermütiger Schritt, der sich lohnte.

Plötzlich holt er sich den Feinschliff in Einheiten mit Franck Ribery, wird von Sammer gelobt, erhält Peps Vertrauen. Wie bei der meisterlichen Rotation in Augsburg, als Sallahi zu Bundesliga-Ehren kam. Nicht im Mittelfeld, wo er sich in der Alpenrepublik den Spitznamen Deco verdiente. Er wurde zum dynamischen Abwehrspieler umfunktioniert. Alaba hat es vorgemacht. Für Sallahi ist ein solcher Bilderbuch-Aufstieg wohl unerreichbar.

Julian Green (18 Jahre – Rechtsaußen):

Klein, beinahe zerbrechlich, wirkt er. Physische Präsenz – Fehlanzeige. In Ballbesitz ändert sich das schlagartig. Plötzlich ist er kaum zu stoppen. Flink, technisch versiert, zaubert er, dribbelt seine ungelenken Widersacher schwindelig. "Ich kann mit allen Körperteilen Tore machen – mit dem Kopf, mit dem linken und rechten Fuß. Dadurch bin ich unberechenbar." Weitere Fragen?! Guardiola hält jedenfalls große Stücke auf ihn.

Beim Audi Cup wirkte Green mit, ebenso für wenige Augenblicke in der Königsklasse. Im zweiten Team erlangte er den Status eines unverzichtbaren Mosaiksteins. Deshalb wurde Green, der sich unlängst für die USA und gegen den DFB entschied, auch mit einem Profi-Vertrag bis 2017 ausgestattet. "Er und Alessandro sind große Talente, die ihren Weg im Fußball machen können", betont Sammer.

Alessandro Schöpf (20 Jahre – Mittelfeld):

Guardiola hat ganz konkrete Vorstellungen. Vom taktischen Paradigma bis hin zum gewünschten Spielermaterial. Im Juli bemühte er sich erst gar nicht, das zu leugnen: "Thiago oder nix", antwortete er, gefragt nach den Spekulationen. Wenn er also zarte Ansätze eben jenes Wunschspielers in Schöpf erkennt, sind dies beste Voraussetzungen für die Zukunft. "Ich passe in sein System. Ich bin klein, spielerisch stark und technisch beschlagen", erklärt der Österreicher.

Früh, im Alter von 15 Jahren, übersiedelte er an die Isar, entfaltete sich prächtig. Für seine Position, die Zehn, ist er prädestiniert. Er verfügt über ein vielseitiges offensives Rüstzeug, wirkt abgeklärt und torgefährlich. Fortan muss er sich aber gegen Kaliber a la Toni Kroos behaupten. Als Vertrauensbonus kann sein bis 2016 datierter Kontrakt gewertet werden.

Patrick Weihrauch (20 Jahre - Sturm):

Ausgerechnet 1860 München, dem krisengebeutelten, ohnehin belächelten Erzrivalen, schnappte man Mega-Talent Weihrauch weg. Zwei Jahre später, 2012, unterzeichnete er schließlich seine Premieren-Arbeitspapiere als Kicker. Ein erfolgreicher Werdegang schien skizziert, der ersehnte Karriere-Boost reine Zeitfrage. Dieser lässt auf sich warten.

Noch immer reibt sich der quirlige und beidfüßige Allrounder an viertklassigen Defensivreihen auf. Zumeist als offensiver Freigeist im Mittelfeld. Vereinzelt als Angreifer. Selten auf den Außen. Unter Guardiola gehört der 20-Jährige zum erweiterten Kader-Zirkel. Dabei drängt er sich in der Reserve (sechs Tore) kaum auf. Bei ihm vermissen die Verantwortlichen bisweilen Konstanz. Ungewiss ist daher seine Zukunft über diese Spielzeit hinaus.

PROMINENTE NAMEN

In den U-Auswahlen tummeln sich Teenager, die allesamt über prominente Namen verfügen. Etwa Lucas Scholl, Filius von Klub-Legende und Publikumsliebling Mehmet. Technisch beschlagen wirbelt er bevorzugt hinter der Spitze oder auf dem Flügel. "Er ist ein bisschen wie sein Vater, hat seine Stärken im Eins-gegen-Eins", lobt Guardiola.

Beobachter attestierten dem nunmehr 17-Jährigen stets Potenzial, in die väterlichen Fußstapfen zu treten. Mittlerweile fällt ihre Einschätzung vorsichtiger aus. Besonders im Kraftbereich hat Scholl Nachholbedarf. Ähnlich verhält es sich bei Jahrgangs- und Mittelfeldkollege Gianluca Gaudino. Der Sohnemann von Stuttgart-Legende Maurizio agiere überlegter, heißt es. Trotzdem verlor auch seine Entwicklung zuletzt an Rasanz. Durch Trainings mit den Profis soll das Duo reifen.

Bis zum Dribbel-Vergleich mit dem weltberühmten Bruder wartet auf Steven Ribery ein hartes Stück Arbeit. Schon letzten August hatte er ein Probetraining an der Säbener Straße, mauserte sich in den folgenden Wochen. Im Winter wurde der Coup eingetütet. "Er hat sich angestrengt wie nie", sagte Franck. Die U19-Auftritte von Ribery junior wussten dank dreier Treffer zu gefallen. Familienbande garantieren gleichwohl keine ruhmreiche Karriere.

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