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Beim 2:0 von Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt sogte vor allem ein zurückgenommenes Tor für Aufregung. Gab es einen heimlichen Videobeweis?

Gelsenkirchen. Das 63-Sekunden-Tor sorgte noch lange nach dem Schlusspfiff für Diskussionen. "Der Schiedsrichter hat mir angezeigt, dass er es auf dem Videowürfel gesehen hat", berichtete Youngster Max Meyer von Schalke 04 nach dem 2:0 (0:0) gegen Eintracht Frankfurt. Referee Christian Dingert widersprach energisch: "Wir haben uns gar nicht damit befasst. Das dürfen wir nicht. Wir müssen die Fakten bewerten, die wir sehen."

Der 33-Jährige aus Lebecksmühle hatte einen Treffer von Julian Draxler in der 61. Minute zunächst anerkannt. Als beide Mannschaften schon zum Anstoß bereitstanden, nahm er seine Entscheidung aber wieder zurück - nach Rücksprache mit seinem Assistenten Martin Petersen (Stuttgart). "Er hat grundsätzlich die Abseitsposition von Draxler gesehen", berichtete Dingert, "die Frage war: Wer spielt den Ball? Wenn es ein Frankfurter ist, geht es weiter. Wenn es ein Schalker ist, wird die Abseitsstellung aktiv."

In Zukunft kommt die Videosequenz erst später

Er selbst habe gesehen, das der Schalker Leon Goretzka den Ball zu Draxler spitzelte, der somit im aktiven Abseits stand. "Wir haben unsere Informationen zur richtigen Entscheidung zusammengefügt", resümierte der FIFA-Schiedsrichter.

Die 61.973 Zuschauer in der ausverkauften Arena, Spieler und Trainer wunderten sich allerdings, warum es 63 Sekunden dauerte, bis diese Entscheidung fiel. Da war die Szene längst in Zeitlupe auf dem riesigen Videowürfel gelaufen. "Die Fahne war unten, dann ist der Videobeweis in Kraft getreten", meinte Schalke-Sportvorstand Horst Heldt, "es kann nur über eine kurze Videosequenz gesehen worden sein."

Er sei für den Videobeweis, betonte der Manager der Königsblauen, "aber nicht über den Videowürfel. Dann ist es nicht regelkonform". Die Wiederholung der Schalker Tore für die Zuschauer wird es deshalb künftig wohl etwas später geben. "Wir werden es sicherlich in Zukunft erst zeigen, wenn das Spiel schon wieder läuft", kündigte Heldt an.

"Wir sind noch nicht durch"

Dass am Ende die richtige, aber deutlich verspätete Abseitsentscheidung nicht spielentscheidend war, hatten die Schalker den Gästen zu verdanken. Fast im Gegenzug scheiterte Joselu an Schalke-Torwart Ralf Fährmann, die knappe 1:0-Führung durch Meyers sechstes Saisontor (59.) hatte bis in die Nachspielzeit bestand. Dann sorgte der eingewechselte Jefferson Farfán bei seinem Comeback nach sechswöchiger Verletzungspause mit einem direkt verwandelten Freistoß für die Entscheidung (90.+1). Die hatte zuvor Torjäger Klaas-Jan Huntelaar verpasst, als er mit einem Foulelfmeter am großartig reagierenden Kevin Trapp gescheitert war (66.).

Am Ende konnten die Königsblauen das zurückgenommene Tor verschmerzen. "Er hat es ja richtig gesehen, deshalb Kompliment an den Schiedsrichter", sagte Meyer. Die heiß diskutierte Frage war nur: Wo?

Mit dem neunten Sieg im 13. Rückrundenspiel machte der Tabellendritte einen großen Schritt auf dem Weg zurück in die Champions League. "Wir sind noch nicht durch", sagte Meyer mit Blick auf die noch ausstehenden vier Spiele: "Aber wenn wir so weitermachen, kann uns keiner mehr einholen."

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