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Dortmunds Watzke: "Mir fehlt Respekt vor unserer Leistung"

Der Dortmunder Boss sieht die Lücke zu Europas Elite als kurzfristig nicht zu schließen an. In den Kader soll mehr Geld fließen, bei Gündogan bahnt sich eine Entscheidung an.

Dortmund . In einem ausführlichen Interview hat sich Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zum Standing des BVB geäußert. Watzke fordert vor allem in Deutschland mehr Respekt vor der erbrachten Leistung und sieht keine Möglichkeit, in den nächsten Jahren zu Europas Elite aufzuschließen. Die Verhandlungen mit Ilkay Gündogan sollen bald abgeschlossen sein, für Trainer Jürgen Klopp hat er Verständnis.

"Mir fehlt in Deutschland ehrlich gesagt ein wenig Respekt vor der Leistung, die Borussia Dortmund auch in diesem Jahr erbracht hat", erklärte Watzke gegenüber derwesten.de : "Dass wir mit unserem Mini-Etat von 70 Millionen Euro - die anderen liegen zwischen 130 und 250 Millionen - zum zweiten Mal in Serie zu den besten acht Klubs Europas gehören, ist außergewöhnlich."

Allerdings hätten einige das Gefühl dafür verloren, wie rasant sich der BVB entwickelt hat: "Wenn wir den zweiten Platz in der Liga halten, dann haben wir eine Periode von zwei Meisterschaften und zwei Vize-Meisterschaften plus Pokalsieg und Champions-League-Finale. Das gab es bei Borussia Dortmund noch nie. Diesen Erfolg immer wieder herzustellen mit deutlich geringeren Mitteln als andere, ist eine besondere Leistung", sagte Watzke.

"Das ist eine Aufgabe von Jahrzehnten"

Dass Dortmund in naher Zukunft die Lücke zu den Topteams Europas schließen kann, glaubt der 54-Jährige aber nicht. "Wenn mir irgendjemand sagen kann, wie wir das in ein paar Jahren machen können, dann bin ich gerne bereit, mich mit ihm zu unterhalten", so Watzke: "Wie soll man in drei Jahren die Lücke zum Scheich von Katar schließen? Das hat sich mir nicht erschlossen. Das ist keine Aufgabe von Jahren, sondern von Jahrzehnten."

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Immerhin habe auch der FC Bayern 50 Jahre gebraucht, um zu den internationalen Topklubs aufzuschließen, aber sportliche Erfolge seien auch anders möglich: "Natürlich wird es schwieriger, in Europa erfolgreich zu sein, aber es ist nicht aussichtslos. Dass es mit kübelweise Geld geht, sieht man an Paris. Da werden Jahr für Jahr Hunderte von Millionen rein gepumpt. Diese Tür steht uns nicht offen, aber wir werden unseren Weg gehen."

Stattdessen wolle man sich mit dem selbst verdienten Geld weiter verbessern und die Einnahmen investieren, um den Kader breiter zu gestalten: "Durch die Tatsache, dass wir in dieser Saison wieder sehr gut verdient haben, sind wir wieder gewachsen, größer geworden. Wir werden sicher unser Gehaltsbudget anheben."

Gündogan-Entscheidung im April?

Davon könnte auch Ilkay Gündogan profitieren, dessen 2015 auslaufender Vertrag nach wie vor verlängert werden soll. "Ich habe den Eindruck, dass sich alle Beteiligten nun im Klaren darüber sind, dass in diesem Monat eine Entscheidung fallen muss. Warten wir ab, wie sie ausfallen wird", so Watzkes Wasserstandsmeldung.

Darüber hinaus muss der BVB Robert Lewandowski ersetzen, der ablösefrei zum FC Bayern wechselt: "Erstmal halte ich fest, dass wir allen Unkenrufen zum Trotz die richtige Entscheidung getroffen haben, ihn zu behalten. Robert hat mit seinen Leistungen deutlich dazu beigetragen, dass wir ökonomisch deutlich mehr profitiert haben als von einer Ablöse. Ich warne aber davor zu glauben, dass wir ihn eins zu eins ersetzen können."

"Wollen nicht Everybody's Darling sein"

Abschließend äußerte sich Watzke zudem  zu Trainer Jürgen Klopp, der zuletzt mehrfach mit Medienvertretern aneinander geraten war. "Gerade unter dem Gesichtspunkt Markenpflege finde ich gut, was er macht", erklärte der BVB-Boss: "Denn das Credo, an dem sich Borussia Dortmunds Handeln orientiert, lautet nicht: Wir wollen Everybody's Darling sein. Und es ist wichtig, von innen heraus echt zu sein."

Anforderungen, die Klopp komplett erfülle: "Jürgen ist echt, total authentisch. Die Medien müssen sich aus meiner Sicht entscheiden, ob sie lamentieren wollen, dass sie von vielen Menschen im Profifußball den gleichen weichgespülten Mist zu hören bekommen, oder von unserem Trainer Klartext. Beides zu beklagen, das meine ich jedenfalls, geht nicht."

Allein deshalb bringt Watzke auch Verständnis für das teilweise aufbrausende Temperament seines Trainers auf: "Wenn man sich mal die Mühe macht, zurückzuschauen, was hier in den vergangenen Jahren erreicht worden ist, sind viele unvorbereitete, platte und teilweise an der Sache vorbeigehende Fragen respektlos", verteidigt er Klopp. "Dass er dann ab und zu schroff reagiert, finde ich nachvollziehbar. Dass es auch mal schief läuft, gebe ich zu. Zum Beispiel im Interview mit Frau Neumann vom ZDF. Aber das hat er sofort mit einer Entschuldigung begradigt. Wenn man aber meint, sich an einem der größten Trainer der Welt reiben zu können, um seine eigene Bekanntheit zu vergrößern oder sich für einen Job zu empfehlen, der einem möglicherweise mehr Spaß macht, dann sind die Grenzen erreicht", sagte Watzke.

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