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Der belgische Schlussmann der Hoffenheimer zog sich im Berliner Olympiastadion eine schwere Verletzung zu und sorgte damit für bedrückte Stimmung.

Aus Berlin berichten Martin Ernst und Jan Schultz

Eigentlich hätten doch beide Seiten zufrieden sein können. Hertha BSC und die TSG Hoffenheim, beide im gesicherten Mittelfeld, hatten eine ordentliche Partie geboten, beide einmal getroffen und sich somit letztlich 1:1 getrennt. Die Gäste blieben dadurch zum vierten Mal in Serie ungeschlagen, während die Berliner nach zuvor vier Pleiten immerhin mal wieder einen Punkt holten. Der Schienbeinbruch von TSG-Keeper Koen Casteels sollte dies jedoch überschatten.

Es war die 69. Minute, als ein langer Ball in Richtung des Gäste-Strafraums flog. Adrian Ramos und Jannik Vestergaard versuchten, die Kugel zu erreichen, Hoffenheims Schlussmann ebenso. Sein Ausflug aber sollte sich rächen. Der Belgier kollidierte mit dem Hertha-Angreifer und fiel unglücklich. Beide mussten behandelt werden. Während der Kolumbianer aber schnell wieder auf die Beine kam, ging es für den Schlussmann nicht mehr weiter.

"Fällt schwer, sich auf Fußball zu konzentrieren"

Andreas Beck, Kapitän der Gäste, berichtete nach dem Spiel: "Es hat einen Knall gegeben - ich weiß nicht, ob es die Schienbeinschoner waren, oder ob es wirklich der Knochen war. Er selbst stand unter Schock und meinte, dass es gebrochen ist. Ich hoffe und drücke die Daumen, dass es nichts schlimmeres ist." Es sollte nichts nützen, denn der schlimme Verdacht bestätigte sich schnell. Noch am Abend wurde der Belgier in Berlin operiert. Wie lange er ausfällt, ist noch unklar.

Der Vorfall ist freilich nicht nur für den Schlussmann selbst, der sich ja auch noch durchaus berechtigte Hoffnungen auf eine WM-Teilnahme gemacht hatte, sondern auch für seine Kollegen eine schlimme Sache. "Direkt nach dem Spiel fällt es schwer, sich auf Fußball zu konzentrieren", brachte Trainer Markus Gisdol die vorherrschende Stimmung zum Ausdruck.

Auch Herthas Ramos geschockt

Ramos, der wie gewohnt kommentarlos durch die Mixed Zone lief, konnte für diesen unglücklichen Vorfall nichts. Trotzdem sei er laut seines Coaches Jos Luhukay "völlig fertig" gewesen – kein Wunder, gilt der Kolumbianer doch als äußerst sensibel.

Dass der Angreifer am Sonntagabend trotz guter Gelegenheiten erneut ohne eigenen Treffer blieb, war letztlich ebenso nur ein Randthema wie die derzeitige Heimschwäche der Hertha. Das Team aus der Hauptstadt verpasste zum sechsten Mal in Folge einen Heimsieg. "Wenn wir weiter so spielen wie heute, dann kommt der nächste Sieg zuhause sicher", gab sich Kapitän Peter Pekarik trotzdem optimistisch.

Lob für Casteels-Ersatz

Zuspruch erhielt er dabei auch vom Gäste-Trainer, der schließlich doch ein paar Sätze zum Spiel losließ: "Es ist nicht leicht, sein Spiel in Berlin durchzubringen. Hertha hat es gut gemacht." Mit Blick auf das eigene Team machte der Trainer im zweiten Durchgang ein leichtes Plus aus – bis zur schweren Verletzung. "Die Mannschaft war nach der Verletzung angeknackst und hatte dann auch Glück." So vergaben Ramos und Ronny in der Schlussphase noch zwei gute Möglichkeiten. Dies - stellte Gisdol aber noch zu Recht fest - lag auch am guten Casteels-Ersatz: "Wir hatten einen guten Ersatztorhüter."

Gemeint ist damit natürlich Alexander Stolz, der in Berlin im zarten Alter von 30 Jahren sein Bundesliga-Debüt feierte und gleich mal einen Punkt rettete. Sein Gegenüber Thomas Kraft durfte sich quasi mit dem Schlusspfiff auch noch einmal auszeichnen, lenkte einen gefährlichen Freistoß von Kevin Volland über die Latte. "Das ist Thomas, er ist ein guter Torwart", lobte Per Skjelbred, der aber auch froh war, dass "Salihovic schon draußen gewesen ist – Glück für uns."

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