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Abstiegskampf plus Fanfeindschaft - diese brisante Mischung kennzeichnet das Niedersachsen-Derby. Eine makabre Aktion mit einem toten Lamm hat die Stimmung zusätzlich angeheizt.

Hannover. Schluss mit lustig! Zum 1. April verschickte die Gewerkschaft der Polizei noch Scherzmeldungen zum angeblichen Bau eines neuen gemeinsamen Stadions in Peine-Mitte, doch nun ist allen Beteiligten das Lachen gehörig vergangen. Denn das Niedersachsen-Derby zwischen Eintracht Braunschweig und Hannover 96 am Sonntag ist nicht nur Abstiegskampf pur, es ist auch das brisante Duell zweier Klubs, deren Fans seit Jahrzehnten verfeindet sind.

Erster makabrer Höhepunkt war am Freitag eine vermutlich von Eintracht-Anhängern intitiierte mehr als hässliche Aktion. Ein totes Lamm hing am Zaun des 96-Trainingsgeländers neben einem Schild mit der Aufschrift: "Am Sonntag geht euch Mistviechern die Luft aus."

Ein Eklat, der Dirk Dufner fast sprachlos machte. "Am liebsten möchte ich dazu gar nichts sagen. Das ist völlig unter Niveau", sagte der 96-Sportdirektor sichtlich angewidert.

Polizei und Staatsanwaltschaft in Derby-Bereitschaft

Um weitere Eskalationen in Braunschweig konsequent begegnen zu können, werden zwei Staatsanwälte ihren gewohnten Arbeitsplatz in das Eintracht-Stadion verlegen, maximal vier Ermittlungsrichter haben an ihrem eigentlich arbeitsfreien Sonntag Bereitschaftsdienst.

Und sie werden Arbeit bekommen, denn hundertprozentige Sicherkeit kann die Polizei nicht garantieren. "Aber wir werden mit vielen Beamten und Einsatzfahrzeugen präsent sein und Störungen schon im Ansatz erkennen", sagte Einsatzleiter Roger Fladung.

3300 Polizisten sind in der Löwenstadt im Einsatz, mehr als beim Pott-Derby zwischen Schalke 04 und Borussia Dortmund. 500 Ordner sollen zusätzlich die Arena absichern. Damit alle Sicherheitskräfte problemlos miteinander kommunizieren können, wird sogar extra ein mobiler Sendemast in Stadionnähe aufgestellt.

Niederlage für Ordnungskräfte: 96-Fans reisen nicht im Konvoi an

Doch schon 48 Stunden vor dem Anpfiff der brisanten Partie durch Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) kassierten die Ordnungshüter eine juristische Niederlage. Laut einer Einstweiligen Verfügung des Amtsgerichts Hannover können Inhaber einer 96-Auswärtsdauerkarte nicht gezwungen werden, die Reise nach Braunschweig per organisiertem Konvoi in einem Bus anzutreten.

Elf Anhänger der "Roten" hatten gegen diese Regelung geklagt. Darüber hinaus musste das Verwaltungsgericht Braunschweig über eine Klage von 96-Fans gegen das Verbot einer Demonstration am Spieltag in Braunschweig entscheiden.

Damit stiegen wieder die Befürchtungen, es könne zu unkontrollierbaren Zusammenstößen zwischen den rivalisierenden Fangruppen kommen, die Polizei kalkuliert dabei "Verstärkungen" von außerhalb ein.

Einsatzleiter Fladung: "Es kommen möglicherweise Besucher nach Braunschweig, die mit der dortigen Fußball-Szene gar nichts zu tun haben." Die Eintracht-Anhänger beispielsweise pflegen eine Freundschaft mit den Fans des 1. FC Magdeburg, Hannovers Supporter könnten von Gruppen aus Hamburg und Bielefeld unterstützt werden.

Lieberknecht: "Derbysieg hätte besonderes Geschmäckle"

Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht kann und will seine Schützlinge nicht komplett von den Geschehnissen rund um das Spielfeld abschotten. "Sie sollen ruhig die Stimmung aufsaugen. Schließlich bereiten wir uns auf ein extremes Spiel vor. Hannover ist der große Favorit, aber wir brauchen jeden Punkt, ein Derbysieg hätte natürlich ein besonderes Geschmäckle", sagte der Coach. Mit einem Dreier könnten die Gastgeber erstmals seit mehr als einem halben Jahr wieder die direkten Abstiegsplätze verlassen.

Nach drei Niederlagen hintereinander würde alles andere als ein Auswärtssieg die Gäste noch mehr in den Kampf um den Klassenerhalt hineinziehen. "Ich weiß natürlich, dass ein Derby etwas Spezielles ist, manche Regeln gelten da nicht. Wir müssen fußballerisch dagegenhalten", sagte 96-Trainer Tayfun Korkut.

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