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Mats Hummels: "Ehrlich gesagt wird mir zu viel gejammert"

Der Nationalspieler kritisiert die Einstellung, gegen den FC Bayern bereits im Vorfeld aufzugeben. Zudem spricht er über die Darstellung der Spieler in den Medien.

Dortmund. Mats Hummels von Borussia Dortmund verurteilt das "Gejammere" über die Dominanz des FC Bayern und betont, dass auf dem Platz jede Mannschaft die gleichen Voraussetzungen hat, den Rekordmeister zu schlagen.

Im SPOX-Interview vor dem Hinspiel im Champions-League-Viertelfinale gegen Real Madrid sagte der Innenverteidiger über die von vielen Seiten befürchtete Einseitigkeit der Bundesliga in den kommenden Spielzeiten: "Mir wird da ehrlich gesagt zu viel gejammert."

"Die Bayern haben diesen großen Vorsprung, weil sie einerseits viel Geld besitzen - aber sie müssen trotzdem auf dem Platz erst einmal die Spiele gewinnen." Jedes Team habe "auf dem Spielfeld dieselben Voraussetzungen wie alle anderen Mannschaften und dieselbe Chance, sie zu besiegen", so der 25-jährige.

Fokus auf den sportlichen Wettkampf

Die Spieler und Klubs sollten "sich viel mehr auf den sportlichen Wettkampf konzentrieren und nicht teilweise schon vor dem Spiel nach Ausreden suchen, weshalb man verlieren wird." Hummels selbst "möchte in den nächsten Jahren nicht vor jeder Saison sagen, dass wir den Abstand zu den Bayern irgendwie verringern möchten. Ich will immer, also in jeder Saison, vor den Bayern stehen, weil ich eben immer Erster sein möchte", betonte der Innenverteidiger.

Der sportliche Gedanke steht dabei für Hummels im Vordergrund: "Mir ist bewusst, dass dies ein schwieriges Unterfangen ist. Es stellt für mich aber eine sportliche Herausforderung dar, die es lohnt, angegangen zu werden."

"Es ist schwer, authentisch zu bleiben"

Der gebürtige Bergisch-Gladbacher sprach auch über die Darstellung der Fußballer in den Medien. "Man kann beispielsweise in Interviews oft nicht das sagen, was man denkt, weil die Aussagen bewusst anders aufgenommen werden, um Schlagzeilen zu konstruieren", erklärte Hummels. "Daher kommt es, dass sich viele Spieler in ihren Handlungen und Äußerungen immer mehr angleichen. Aus Gründen des Selbstschutzes beschränken sich die meisten auf das Nötigste."

Es sei "auf jeden Fall schwer, authentisch zu bleiben", fügte er hinzu. Viele Spieler seien "mittlerweile jedoch fremdgesteuert. Manche Inhalte werden dann gar nicht so herübergebracht, wie sie der Spieler meinte, sondern wie der Berater meint, es wäre gut für den Spieler. So handelt sich dieser keinen schlechten Ruf in der Öffentlichkeit ein."

"Themen werden bewusst spektakulärer gemacht"

Diese Gleichheit wird laut Hummels nicht abnehmen: "Ich denke, das wird künftig noch drastischere Ausmaße annehmen, weil auch der Kampf der Medien um Aufmerksamkeit immer intensiver wird. Bereits jetzt werden die Themen teilweise bewusst größer und spektakulärer gemacht, als sie in Wahrheit sind. So entstehen viele Geschichten, die vielleicht gar keine sind."

Für den 25-jährigen Innenverteidiger spielen bei einem Wechsel viele Faktoren eine Rolle: "Mir ist es vor allem wichtig, dass ich beruflich das tue, was ich gut finde und woran ich Spaß habe. Deshalb möchte ich meine persönliche Art innerhalb des Fußballs unterbringen, den meine Mannschaft spielt. Wenn ein Verein an mir interessiert wäre und mir die dortige Art des Fußballspiels nicht zusagt, dann wäre das für mich ein glasklarer Aspekt, der gegen einen Wechsel sprechen würde.

"Gibt genügend Gründe, lange bei einem Verein zu bleiben"

Seit 2008 ist Hummels bei Borussia Dortmund. Für ihn "gibt es genügend Gründe, lange bei einem Verein zu bleiben. Letztlich dreht sich alles immer um die Frage: Was ist für mich als Spieler am wichtigsten? Es gibt sicherlich Spieler, die am Ende ihrer Karriere einen bestimmten Kontostand erreichen möchten - was auch keineswegs verwerflich ist."

Allerdings gäbe es auch "welche, die eine gewisse Anzahl an Titeln gewinnen wollen. Manchen ist es wie mir wichtig, den passenden Fußball mit einer Mannschaft zu spielen, die man sowohl sportlich wie menschlich sympathisch findet", so der Nationalspieler weiter.

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