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Der Abstieg droht, der Torjäger ist verletzt, die Fans randalieren: Der Hamburger SV steckt sechs Spieltage vor Saisonende tief im Schlamassel. Und doch gibt es Hoffnung.

Hamburg. Der tiefe Fall in der Tabelle, der "Schock" über die Verletzung von Pierre-Michel Lasogga und dann auch noch randalierende Fans: Vor den schwersten Wochen der Vereinsgeschichte schrillen beim Hamburger SV die Alarmglocken immer lauter. "Es kommt zurzeit richtig dicke, wir bekommen alles mit der Breitseite. Und langsam rennt uns die Zeit davon", sagte Verteidiger Heiko Westermann und fasste die bedrohliche Lage an der Alster zusammen.

Der Bundesliga-Dino, er wankt bedenklich. Nie zuvor in seiner Bundesliga-Geschichte stand der HSV so spät noch auf einem direkten Abstiegsplatz, und das Restprogramm macht nicht gerade Mut: In Leverkusen, Wolfsburg und den Bayern kommen noch drei Top-Teams nach Hamburg, auswärts hat der HSV beim 1:3 (1:1) in Mönchengladbach die sechste Niederlage in Folge kassiert.

Trotz Lasogga-Schock den Kopf aus der Schlinge ziehen

"Es ist unerheblich, gegen wen wir spielen. Wir müssen unsere Leistung abrufen und den Kopf aus der Schlinge ziehen. Die Lage ist bedrohlich", sagte Trainer Mirko Slomka, auf dem im Kampf gegen den ersten Abstieg der Vereinsgeschichte die Hoffnungen ruhen. Doch ausgerechnet jetzt fällt wieder einmal die "Lebensversicherung" Lasogga aus: Der mit zwölf Treffern beste HSV-Torjäger musste in Gladbach mit einer erneuten Muskelverletzung ausgewechselt werden und wird am Freitag gegen Leverkusen wohl fehlen.

"Das war ein Schock für uns. Nach der Verletzung bei der Nationalmannschaft hat es sehr lange gedauert, bis er wieder spielen konnte. Uns fehlt jetzt jemand, der vor dem Tor eiskalt ist", sagte Slomka. "Pierre wird uns fehlen", sagte auch Westermann, der den Fans für Freitag dennoch Mut machte: "Gegen Leverkusen werden wir wieder ums Überleben rennen. Wir werden alles versuchen, um drei Punkte einzufahren."

Krawalle der HSV-Fans

Eben jene Fans sorgten in Mönchengladbach allerdings auch für Negativ-Schlagzeilen. Wohl um Pyrotechnik in den Block zu schmuggeln, stürmten 50 bis 70 Hamburger vor Anpfiff ein geschlossenes Tor zum Gästeblock, nach Polizeiangaben wurden dabei sechs Ordner leicht verletzt. Zu Beginn beider Halbzeiten brannte und qualmte es dann auch kräftig, eine Geldstrafe durch den DFB ist dem HSV sicher.

Noch allerdings herrscht bei den Hanseaten sportlich das Prinzip Hoffnung. "Wenn man unten steht, fehlt manchmal das Glück. Wenn wir so weiterkämpfen, dann schaffen wir es noch", sagt Kapitän Rafael van der Vaart, auch Slomka sieht in seiner Mannschaft weiterhin "Willen und Leidenschaft." In Gladbach war der HSV durch Jacques Zoua (28.) sogar in Führung gegangen, ehe Filip Daems (37.) nach einem zunächst von René Adler gehaltenen Handelfmeter, Raffael (75.) und Alvaro Dominguez (78.) die Begegnung drehten.

Das Positive herausziehen

"Am Freitag müssen wir vorlegen. Deshalb gilt es, die Spieler schnell wieder aufzubauen und der Mannschaft den Glauben zu geben, dass es teilweise eine gute Partie mit vielen Chancen war. Dafür sind wir jetzt da", sagte Slomka, und auch der starke Hakan Calhanoglu wollte "den Kopf noch nicht hängen lassen. Wir müssen weiter dran glauben".

Immerhin: Zuspruch kam sogar vom Gegner. Gladbachs Nationalspieler Max Kruse, ein gebürtiger Hamburger, wünschte dem HSV am Sonntag Glück für den Kampf gegen den Abstieg: "Ich hoffe für den Verein und die ganze Stadt, dass es nicht soweit kommt."

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