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1:1 gegen Braunschweig: Hyypiä sieht Bayer nur sechs Minuten in Aktion

Bayer Leverkusen hat nach dem 3:1 in Augsburg gegen das Tabellenschlusslicht Eintracht Braunschweig nicht nachlegen können. Platz vier gerät immer mehr in Gefahr.

Leverkusen. Frust pur bei Bayer 04 Leverkusen: Nationalspieler Lars Bender ging lautstark schimpfend in die Kabine, konnte die trostlose Vorstellung der Werkself gegen das Tabellenschlusslicht Eintracht Braunschweig nicht fassen. Statt nach dem 3:1 am Mittwoch beim FC Augsburg mit einem weiteren Dreier Platz vier und die damit verbundene Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation zu festigen, beginnt nach dem 1:1 (0:0) das Zittern für Bayer von Neuem.

"Sechs Minuten in der zweiten Hälfte haben wir ein bisschen schneller gespielt. Das war's", konstatierte Bayer-Teamchef Sami Hyypiä, "mit ein bisschen mehr Unglück hätten wir das Spiel sogar verlieren können." Sein Team lieferte erneut eine blutleere Vorstellung ab - nach dem Erfolgserlebnis vom Mittwoch völlig unverständlich. "Es dauert länger, als ich gedacht habe, die Kurve zu kriegen. Es muss aber weitergehen", sagte der Finne fast schon fatalistisch. Verfolger VfL Wolfsburg liegt nur noch einen Zähler dahinter.

Ohne Tempo, ohne Spielwitz und Durchsetzungswillen zeigte Leverkusen Fußball zum Abgewöhnen, musste sich nach dem Abpfiff ein gellendes Pfeifkonzert gefallen lassen. Trotz der Pannenvorstellung gegen den Aufsteiger steht der Werksklub auf der vierten Position - angesichts der Leistung gegen Braunschweig ein Hohn.

Spahic zeigt Davari Mittelfinger

Weite Wege gingen die Bayer-Profis erst nach dem Abpfiff, als es darum ging, die Mixed-Zone und das Gespräch mit den Journalisten zu umdribbeln. Auch mehr als eine Stunde nach dem Abpfiff hatte sich keiner der Leistungsträger dort blicken lassen. Offenbar bestand interner Gesprächsbedarf - und die Nerven liegen bei dem einen oder anderen auch blank.

Bezeichnend war der Ausraster des Innenverteidigers Emir Spahic, der in der Schlussphase Eintracht-Torwart Daniel Davari den Stinkefinger zeigte. Der Keeper hatte den Bosnier angegangen, weil dieser nach einer Verletzung eines Braunschweigers den Ball nicht ins Aus beförderte. Das rüde Einsteigen von Emre Can gegen Damir Vrancic, der mit einer stark blutenden Wunde ausgewechselt (56.) wurde, hätte möglicherweise auch mit einer Roten Karte statt mit einer Verwarnung geahndet werden können.

Bestraft wurde stattdessen Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht, der wegen Reklamierens (62.) von Schiedsrichter Guido Winkmann (Kerken) auf die Tribüne geschickt wurde. "Das war ungerechtfertigt, ich habe nichts gemacht", sagte der Coach des Aufsteigers, der nach Hinweis des vierten Offiziellen zum dritten Mal in dieser Saison seinen Platz auf der Trainerbank vorzeitig verlassen musste. Ihm droht eine weitere Geldstrafe.

Reichel: "Hatte nicht viele andere Möglichkeiten"

Die Braunschweiger konnten mit dem Punkt aber sehr gut leben. Torjäger Stefan Kießling (53., Handelfmeter), der zuletzt viermal in Folge traf, rettete Bayer in der mit 30.210 Zuschauern ausverkauften BayArena mit seinem 14. Saisontreffer wenigstens das Unentschieden. Ken Reichel (47.) hatte mit einem Kunstschuss aus spitzem Winkel das Führungstor für die biederen Niedersachsen erzielt, die sicherlich nur dank der Schwächen der Gastgeber zum vierten Punkt gegen Bayer in dieser Saison kamen. Besonders glücklich war Reichel.

"Ich hatte nicht so viele andere Möglichkeiten, also habe ich versucht, den Ball volley zu nehmen. Das wird sicherlich nicht jedes Mal so klappen. Diesmal aber schon", kommentierte er seinen Traumschuss, mit dem er U21-Nationalkeeper Bernd Leno im kurzen Eck überrascht hatte: "Jetzt müssen wir zu Hause nachlegen."

Lieberknecht glaubt, dass für sein Team das Remis von Leverkusen noch wichtig werden könnte: "Der eine Punkt wird uns irgendwann helfen." Noch hat der deutsche Meister von 1967 aber die Rote Laterne weiterhin inne.

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