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Schalke 04 hat nach dem 2:0 (1:0) gegen Hertha BSC ein neues Ziel: Die Königsblauen wollen Meister hinter Bayern München werden - vor dem Erzrivalen Borussia Dortmund.

Gelsenkirchen. Der jüngste Wilde von Schalke 04 rief forsch ein neues Ziel aus. "Wenn man sieht, wie weit die Bayern weg sind, ist das wie eine eigene Meisterschaft. Platz zwei ist jetzt das Ziel", sagte der 18-jährige Max Meyer nach dem souveränen 2:0 (1:0)-Sieg gegen Hertha BSC und fügte schmunzelnd an: "Natürlich will man als Schalker immer vor Dortmund stehen."

Das 144. Revierderby ist seit vergangenem Dienstag Geschichte, doch das Duell der Ruhrpott-Rivalen geht weiter. "Die Nummer eins im Pott sind wir", sangen die euphorisierten Fans, als die Königsblauen mit einer verstärkten Nachwuchsauswahl erstmals in dieser Saison auf den zweiten Rang stürmten.

Schalke führt den Rest der Liga an

Am Freitagabend führten die Gelsenkirchener, die in die Winterpause noch als Tabellensiebter mit hitzigen Diskussionen um Trainer Jens Keller gegangen waren, das Feld hinter dem übermächtigen März-Meister Bayern München an. Mit einer Mannschaft, in der elf Spieler verletzt oder gesperrt fehlten, in der Meyer nur einer von sieben Eigengewächsen und fünf Spielern unter 21 Jahren war.

"Wir haben in einer sehr prekären Situation die Entscheidung getroffen, auf die Jungen zu setzen", sagte Aufsichtsratschef Clemens Tönnies mit Blick auf das Durchschnittsalter von 23,1 Jahren und fügte an: "Der Schlüssel zum Erfolg ist, dass wir die Kontinuität gewahrt und am Trainer festgehalten haben."

Keller, der im Dezember noch vor dem Rauswurf stand, blüht inmitten seiner "Rasselbande" regelrecht auf. Wenn noch einer der Arrivierten ausfällt - wie gegen Berlin der gesperrte Mittelfeldstar Kevin-Prince Boateng, überträgt er die Aufgabe einfach einem der Jungen. "Er traut sich, die jungen Spieler ins kalte Wasser zu schmeißen", meinte Kaan Ayhan (19). Dessen gleichaltriger Kollege Leon Goretzka ersetzte Boateng im defensiven Mittelfeld exzellent.

Heldt lobt Obasi

Dass nach dem achten Rückrundensieg alle von Platz zwei sprachen, war Sportvorstand Horst Heldt ein bisschen unangenehm. Vor der Saison hatte er Schalke in einem SID-Interview auf Augenhöhe mit dem BVB gesehen und dafür harsche Kritik geerntet. Deshalb hielt er sich jetzt merklich zurück. "Unser primäres Ziel ist Platz drei, damit wir ungefährdet in die Champions League einziehen", sagte er. Die Schalker Wünsche, "Best of the Rest" vor dem Erzrivalen zu werden, verstand er aber gut: "Ich wäre völlig fehl am Platz, wenn mich das kalt lassen würde."

Viel lieber redete Heldt über den Matchwinner. Chinedu Obasi, den er vor zwei Jahren für 4,5 Millionen Euro verpflichtet hatte und der bereits als Fehleinkauf abgestempelt worden war, legte mit einem Tor nach sehenswertem Solo den Grundstein zum Sieg (16.). Mit der klugen Vorarbeit zu Klaas-Jan Hunterlaars elftem Saisontreffer (46.) leitete der Nigerianer zudem die Entscheidung ein. "Er hat seine ganze Klasse gezeigt", sagte Heldt, "er ist ein Spieler für den besonderen Moment."

Hertha hackt Europa ab

Die besonderen Momente der Hertha liegen dagegen schon lange zurück. Nach ganz starker Hinrunde sind die Träume vom Europapokal längst ausgeträumt. Nach vier Niederlagen in Folge und nur zwei Toren in den letzten sechs Spielen stecken die Berliner im Niemandsland der Tabelle fest und wundern sich, wo der Schwung von 2013 gebieben ist. "Es ist mental nicht so einfach, weil wir nicht die Ergebnisse erzielen", meinte Trainer Jos Luhukay.

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