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Lehmann: Sammers Kritik am Training in der Liga ist berechtigt

Der ehemalige Nationaltorhüter kann Sammers Äußerungen nachvollziehen. Das Abschneiden der deutschen Teams in Europa sei dafür ein Beispiel ...

Hamburg. In seiner Kolumne in der Sport Bild hat Jens Lehmann zur anhaltenden Diskussion um die Trainingsqualität in der Bundesliga Stellung bezogen. Er hält die Frage von Matthias Sammer, ob überall so gut trainiert werde wie in München, "für ein wenig berechtigt".

Der ehemalige Spieler von Schalke 04 und Borussia Dortmund glaubt, dass der Einfluss von einem Trainer wie Pep Guardiola für die Bundesliga wertvoll ist und auch Sammer davon profitiert:  "Als ehemaligem Direktor des DFB und damit einhergehend Verantwortlichem der deutschen Fußball-Lehrer-Ausbildung hat Pep Guardiola ihm sicherlich überraschende Einblicke ausländischer Trainingsphilosophien geliefert, welche auch ganz gut sein müssen", so Lehmann. "Zumindest ist mir nicht bekannt, dass der Spanier seine Ausbildung in Hennef gemacht hat."

Weil die besten Spieler der Welt intelligenter, härter und zielstrebiger als der Rest arbeiten würden, müssten die Trainer das genauso handhaben. "Training ist nun mal entscheidend für Erfolg und Misserfolg. Die Fans dürfen von allen Beteiligten eine Menge mehr verlangen, wenn man auf Top-Niveau auf einmal so viele Gegentore bekommt."

"Deutsche Mannschaften können nicht mehr verteidigen"

Damit spielt Lehmann auf die Gegentorflut der deutschen Teams in den europäischen Wettbewerben an. "Schalke mit neun, Leverkusen mit sechs und Frankfurt mit fünf Gegentoren in 180 Minuten haben den Nimbus deutscher Mannschaften im Ausland, 'hart zu spielen und defensiv gut organisiert' zu sein, zunichte gemacht", so Lehmann. "Es scheint so, als könnten sie nicht mehr verteidigen."
 
Das schlechte Defensivverhalten sei der Grund für das schlechte Abschneiden der deutschen Teams. Waren zu Beginn der Rückrunde noch fünf deutsche Teams in Europa, sind im Viertelfinale mit Dortmund und Bayern wie letzte Saison sind erneut nur noch zwei deutsche Teams dabei.

"Selbst die Winterpause, ein großer Vorteil für die deutschen Mannschaften auf internationalem Parkett, hat nichts genutzt", kritisiert Lehmann und konstatiert daher mit Blick auf die Leistungsstärke der Bundesliga im europäischen Vergleich: "Es hat sich leider nicht viel verändert."

Weiterkommen der deutschen Teams möglich

Im Hinblick auf die anstehenden Viertelfinalspiele der deutschen Teams Anfang April sieht Lehmann die Bayern in der Favoritenrolle, was hauptsächlich an der Schwäche des Kontrahenten liege. "Im Gegensatz zu ihrem bayerischen Gegner hat Manchester United große Anpassungsschwierigkeiten an den neuen Trainer David Moyes. Sie sind abhängig von guten Tagen eines gegen Bayern verletzten Robin van Persie und eines Wayne Rooney, um überhaupt Tore zu schießen", bemängelt der 44-Jährige. "Die Mannschaft konnte in dieser Saison noch überhaupt keine Stabilität zeigen und wird die Partien gegen Bayern ohne das sprichwörtliche ManU-Selbstvertrauen bestreiten."

Dafür ist für Lehmann Real Madrid der klare Favorit gegen Borussia Dortmund. "Real Madrid hat in diesem Jahr an Stärke gewonnen, dazu noch den psychologischen Vorteil, dass sie nach der Pleite mit vier Gegentoren in Dortmund gewarnt sind und die Borussen zu keiner Minute unterschätzen werden", vermutet der deutsche WM-Torwart von 2006. "Dazu fehlt im Hinspiel mit Lewandowski ebenfalls ein Schreckgespenst der Madrilenen."

Allerdings räumt Lehmann Manchester und dem BVB realistische Außenseiterchancen ein. "Sowohl für Manchester als auch für Dortmund gilt, dass sie nach wie vor an guten Tagen in der Lage sind, jeden Gegner zu schlagen", hält der gebürtige Essener den Ausgang der beiden Duelle für offen. "Sie verfügen dazu immer noch über Spieler, die Partien allein entscheiden können, wie bei ManU Rooney. Oder bei den Dortmundern Reus, Lewandowski und der schnelle Aubameyang."

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