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Arjen Robben: Vom Buhmann und Egoisten zum Liebling des FC Bayern

Vertrag verlängert und frei von Verletzungen - für Arjen Robben war der Tiefpunkt nach dem verlorenen Finale gegen Chelsea gleichzeitig eine Auferstehung.

München. In diesen Tagen unterschrieb Arjen Robben beim FC Bayern München einen neuen Vertrag bis 2017. Nach der ersten fulminanten Saison musste der Niederländer so einige Krisen überstehen, mit dem Gipfel im WM-Endspiel und dem "Finale dahoam", wo er den Titel auf dem Fuß hatte.

Für knapp 24 Millionen wechselte Robben im Jahr 2009 von Real Madrid zum FC Bayern und spielte gleich in seiner ersten Spielzeit eine tragende Rolle. Mit seinen wichtigen Toren gegen Florenz (Achtelfinale) und Manchester United (Viertelfinale) schoss er den Rekordmeister fast im Alleingang ins Champions-League-Finale. 

Unter dem damaligen Trainer Louis van Gaal entwickelte sich Robben zusammen mit Ribery schnell zu einer unverzichtbaren Größe. Den Sommer 2010 wollte Robben dagegen so schnell wie möglich vergessen. In der Königsklasse unterlag man Inter Mailand, im WM-Finale vergab Robben die Chance, die Niederlande zum ersten WM-Titel zu schießen. Danach musste der Flügelflitzer einige Verletzungen überstehen, daraus resultierte auch ein heftiger Streit zwischen dem niederländischen Verband und dem FC Bayern. Robben war erst in der Rückrunde der Saison 2011/12 richtig fit.

ARJEN ROBBEN BEIM FC BAYERN MÜNCHEN
Spiele 153
S/U/N 120/11/22
Tore 86
Vorlagen 57

Tiefpunkt aller Tiefpunkte

In der Liga und im Pokal musste sich der FC Bayern erneut Borussia Dortmund geschlagen geben, getoppt wurde das Dilemma vom Finale gegen den FC Chelsea. Robben versagte gegen den BVB und gegen Chelsea vom Punkt und wurde von den Fans zum Sündenbock erklärt. Als der Niederländer bei einem Spiel zwischen dem FC Bayern und den Niederlanden von Fans ausgepfiffen wurde, riss einigen Landsleuten der Geduldsfaden.

"Der FC Bayern sollte sich schämen, das hat Robben nicht verdient", meinte Rafael van der Vaart. Wesley Sneijder ging noch weiter: "Man hat schon die Tage zuvor gesehen, dass ihn keiner geschützt hat. So vergrault man ihn". Dabei hatte Robben seinen Vertrag erst bis 2015 verlängert.

Der Niederländer wurde wegen seiner egoistischen Spielweise häufig kritisiert, wich davon aber nie ab. Er gehört zu den Spielern mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, doch seine Spielweise und Verletzungsanfälligkeit machte ihn ersetzbar.

Wende nach Chelsea

Bei Robben trat nach der bitteren Niederlage das ein, was auch den FC Bayern seither auszeichnet. Die Gier nach Toren, Titel und Triumphen. Der Niederländer brauchte fast bis zur Rückrunde, um seine Top-Leistung abzurufen, doch insgesamt veränderte sich etwas an seinem Spielstil. Robben wurde zum Teamplayer, der sich auch für Defensivaufgaben nicht zu schade ist. Seine Offensiv-Qualitäten kamen dabei nie zu kurz. 

Es war bezeichnend, dass ausgerechnet er das Siegtor im Finale der Königsklasse gegen Borussia Dortmund erzielte. Von Robben fiel eine unglaubliche Last ab: "Es war so ein enges Spiel, es war auf Augenhöhe. Das bedeutet mir sehr viel, ich kann es gar nicht richtig fassen. So viele Emotionen", ließ Robben nach dem großen Triumph verlauten. Aus dem tragischen Helden wurde der umjubelte Star.

Guardiola kommt, Zukunft unklar

Dennoch waren sich viele bei der Ankunft von Pep Guardiola sicher: Für Robben wird kein Platz sein. Der Niederländer bewies einmal mehr Professionalität und überzeugte den Spanier vom ersten Tag an: "Robben ist ein Geschenk für mich", erklärte er auf einer Pressekonferenz. Kurz blitzte das alte Ego seines Schützlings in der aktuellen Saison auf, als er beim 4:1-Sieg gegen Mainz einen Elfmeter schießen wollte, Guardiola aber Müller auf dem Zettel hatte.

Robben schmollte und verweigerte im darauffolgenden Spiel gegen Viktoria Pilsen in der Champions League einen Elfmeter. Guardiola ließ unmissverständlich verlauten: "Ich bin der Trainer und treffe die Entscheidungen." Robben äußerte sich nicht dazu, nach kurzer Zeit war der "Streit" vergessen. Fortan ließ der Kritisierte Taten folgen und brannte besonders gegen den FC Schalke mit drei Toren ein Feuerwerk ab.

Robben erzielte in 20 Bundesliga-Partien zehn Treffer und legte sechs auf. Auch in der Champions League überzeugt der 30-Jährige auf ganzer Linie und brachte es bisher in acht Spielen auf drei Treffer und fünf Vorlagen: Die Vertragsverlängerung war also reine Formsache.

"Ich bin froh, dass ich hier noch drei Jahre spielen darf. Dann bin ich acht Jahre hier, das hat noch kein Holländer geschafft", betonte er nach seiner Unterzeichnung. "Mein Gefühl bei diesem Verein ist einfach super, die gegenseitige Wertschätzung ist sehr groß." Es ist daher durchaus wahrscheinlich, dass Robben seine Karriere in München beendet - ein Verdienst, den er sich selbst erarbeitet hat.

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