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Nach Hoeneß-Urteil: FC Bayern vor der Zerreißprobe

Sportlich wie wirtschaftlich läuft es beim FCB so gut wie nie in der 114-jährigen Vereinsgeschichte. Doch nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß steht der Klub vor einer Zerreißprobe.

München. Es dauerte nur eine gute Stunde, da hatten die restlichen Bayern-Bosse reagiert. Präsident Uli Hoeneß war am Donnerstagnachmittag wegen Steuerhinterziehung gerade erst zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, da berief der Klub schon Präsidium, Aufsichtsrat und Verwaltungsbeirat eilig zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Über allem schwebten die Fragen: Wie geht es jetzt weiter? Ist Hoeneß noch zu halten?

Der FC Bayern, hatte Hoeneß erst vor wenigen Tagen gesagt, stehe da "wie im Traum". Jetzt, nach der erstinstanzlichen Verurteilung des Präsidenten und Aufsichtsratschefs, findet sich der sportlich und wirtschaftlich so erfolgreiche Branchenprimus in einem Albtraum wieder. Der Klub mit Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge an der Spitze steht vor eine Zerreißprobe. Seine Gremien werden jetzt "kurzfristig zu Beratungen zusammenkommen und anschließend entsprechend zeitnah" über mögliche Entscheidungen informieren, teilte der FC Bayern mit. Nach Informationen des SID sollte diese Sitzung nicht mehr am Donnerstag, aber noch in dieser Woche stattfinden.

Hoeneß nicht mehr tragbar?

Die Spitzenvertreter der Wirtschaft im Aufsichtsrat der FC Bayern AG können sich einen verurteilten Steuerhinterzieher an der Spitze dieses Gremiums schlicht nicht leisten. Für die Vorstandschefs Herbert Hainer (Adidas), Rupert Stadler (Audi), Martin Winterkorn (VW) und Timotheus Höttges (Telekom) geht es um die eigene Glaubwürdigkeit. Die Richtlinien ihrer Konzerne sind in ähnlich gelagerten Fällen eindeutig. Ein namentlich nicht genannter Manager sprach in der SZ von einer "sehr schwierigen" Situation für Hoeneß, ein anderer von "Stilfragen". Und ein früherer Funktionär des Klubs verwies auf die "gesellschaftliche Verantwortung" des FC Bayern. All das spricht gegen Hoeneß.

Einfach absetzen kann der Aufsichtsrat seinen Boss nicht, eine Einmischung in die Geschicke eines Vereins mit rund 230.000 Mitgliedern wäre schwierig. Winterkorn hat aber für den Fall einer Verurteilung eine Zusammenkunft des Gremiums angekündigt. Stadler dagegen verwies auf den "komplexen Sachverhalt", der einer "letztinstanzlichen Entscheidung" bedürfe. Die drei Miteigentümer der FC Bayern AG - Adidas, Audi und Allianz - können nicht alleine handeln. Sie verfügen über nicht einmal ein Drittel der Aktien. Mit dem früheren bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber sitzt überdies ein Mann im Aufsichtsrat, der Hoeneß kürzlich als "unverzichtbar" für den FC Bayern bezeichnet hatte. Das war allerdings noch bevor das ganze Ausmaß von dessen Steuerhinterziehung bekannt geworden war.

Hopfner und Stoiber mögliche Nachfolger

Bei einer Bewährungsstrafe, das hatte Hoeneß im vergangenen November angekündigt, werde er sein Schicksal in die Hände der Fans legen. Die sollten bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung über seine Zukunft entscheiden. Die Fans, seine Fans, würden ihn schon nicht fallen lassen, hoffte er. Doch dieser Weg scheint jetzt verbaut. Wie auch der Kniff, dass die Mitglieder Hoeneß mittels einer Satzungsänderung, in der das Amt des Präsidenten von dem des Aufsichtsratschefs entkoppelt wird, im Sattel halten.

Einen Nachfolger, und das dürfte jetzt zum Problem werden, hat Hoeneß nie versucht aufzubauen. Intern gilt einem Bericht des Münchner Merkur zufolge der langjährige Finanzchef Karl Hopfner (61), einer von zwei Vize-Präsidenten, als möglicher Erbe, zumindest übergangsweise. Auch Stoiber (72) wäre eine Option, heißt es. Doch einen FC Bayern ohne Uli Hoeneß mag sich an der Säbener Straße noch immer niemand vorstellen. "Er ist so wichtig für uns, für den ganzen Verein", sagte Profi Franck Ribery zuletzt.

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