thumbnail Hallo,

Reuiger Hoeneß unter Druck: Mehr Steuern hinterzogen als angenommen

Der Hoeneß-Prozesses hat mit einem Paukenschlag begonnen. Der FCB-Präsident gab Steuerhinterziehung in bisher ungeahnter Größenordnung zu.

München. Uli Hoeneß ist am ersten Tag seines Prozesses wegen Steuerhinterziehung unter erheblichen Druck geraten. Der Vorsitzende Richter Rupert Heindl zweifelt offensichtlich die Wirksamkeit der Selbstanzeige des Präsidenten von FC Bayern München und dessen Ehrlichkeit an. Hoeneß, der in einer Erklärung betonte, "reinen Tisch" machen zu wollen, hatte zuvor über seinen Anwalt Hanns Feigen überraschend eingeräumt, in Wahrheit 18,5 Millionen Euro an Steuern hinterzogen zu haben.

Zu Beginn des Prozesses, der nahezu pünktlich um 9.31 Uhr begann, wirkte Hoeneß noch den Umständen entsprechend entspannt. Er lächelte, als er um 9.25 den Saal betrat. Nach der Verlesung seiner persönlichen Einlassung an das "Hohe Gericht", in der Hoeneß volle Aufklärung ankündigte, sein Fehlverhalten "zutiefst" bedauerte und versprach, "alles dafür zu tun, dass dieses für mich bedrückende Kapitel abgeschlossen werden kann", wirkte er erleichtert und zuversichtlich, einen guten Eindruck hinterlassen zu haben. Fast schien es, als bekomme er Oberwasser.

Überhastete Selbstanzeige?

Dann jedoch wurde Hoeneß vom Vorsitzenden Richter in die Mangel genommen - und wirkte dabei zunehmend unsicher. Obwohl er beinahe jede Antwort mit dem Satz begann: "Ich muss Ihnen ehrlich sagen", musste Hoeneß im Verlauf der Befragung sogar energisch von seinem Anwalt ermahnt werden.

"Erzählen Sie doch keinen vom Pferd", sagte Feigen zu Hoeneß. Dieser hatte zunächst behauptet, es habe für ihn "keine Rolle gespielt", dass er vor der Abgabe seiner Selbstanzeige am 17. Januar 2013 von Recherchen des Magazins Stern erfahren habe. "Eine ganz große Rolle hat das gespielt", stellte Feigen richtig.

Damit signalisierte Feigen, dass die Selbstanzeige, die bei korrekter Zusammenstellung strafbefreiend wirken kann, zumindest überhastet zusammengestellt worden war. Hoeneß versuchte zu vermitteln, dass er bereits im Herbst 2012 daran gedacht habe, die dafür erforderlichen Unterlagen zusammenzustellen. Auch der Vorsitzende Richter schien aber Zweifel an dieser Darstellung von Hoeneß zu haben. Er machte ihm mit einem Verweis auf die anstehenden Zeugenbefragungen klar, dass ihm bewusst gewesen sein müsse, dass die Selbstanzeige nicht korrekt gewesen sein könne.

Staatsanwalt ging von 3,545 Millionen aus

In dieser Phase des Prozesses wirkte Hoeneß nicht vollkommen aufrichtig. "Ich bin froh, dass jetzt alles transparent auf dem Tisch liegt", hatte er in seiner persönlichen Erklärung versichert.

Auf mehrfache und sehr präzise Nachfragen von Heindl vor allem zu seinen Devisen- und Spekulationsgeschäften hinterließ er jedoch den Eindruck, als versuche er sich herauszureden, kenne die Wahrheit nicht oder wolle nicht ganz mit ihr heraus. Wiederholt erweckte Hoeneß den Eindruck, als sei er ein blauäugiger und gutgläubiger Börsen-Zocker gewesen - oder als wolle sich zumindest als solcher darstellen.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat Hoeneß in sieben Einzelfällen insgesamt 33,5 Millionen Euro aus Kapitalerträgen, Veräußerungsgewinnen und Sonstigem nicht beim Finanzamt angegeben. Dadurch habe sich eine Steuerersparnis von 3,545 Millionen ergeben, sagte Staatsanwalt Achim von Engel.

Darüber hinaus habe Hoeneß rechtswidrig Verlustvorträge von 5,5 Millionen Euro erhalten. Hoeneß hat dem Finanzamt mittlerweile eine Zahlung von zehn Millionen Euro geleistet.

EURE MEINUNG: Hätte Hoeneß für sein Vergehen eine Haftstrafe verdient?

Bleibe am Ball und sei Teil des größten Fußball-Netzwerkes der Welt: Folge Goal auf
oder werde Fan von Goal auf !

Dazugehörig