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Das 100. Nordderby birgt nicht nur aufgrund seiner Geschichte jede Menge Brisanz. Beide Vereine brauchen im Abstiegskampf jeden Punkt.

Hamburg. Es geht um mehr als drei lächerliche Punkte, es ist das Spiel des Jahres im Norden: Die Brisanz vor dem 100. Derby in der Bundesliga zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV könnte nicht größer sein. Vor fünf Jahren spielten beide Teams noch im UEFA-Pokal-Halbfinale gegeneinander, jetzt stecken die Nordlichter mitten im Abstiegskampf. Die Giftpfeile fliegen zwischen den "verbotenen" Städten hin und her, auch die Polizei ist in Alarmbereitschaft und hat verstärkte Kontrollen angekündigt.

"Ich bin froh, beim richtigen Nordverein zu sein", sagte Werder-Trainer Robin Dutt angesichts der Aufregung an der Elbe um die Inthronisierung seines Kollegen Mirko Slomka - und schickte damit einen ersten freundlichen Gruß in Richtung HSV.

Abstiegskampf statt Europa League

"Es ist das wahre Nordderby", sagte Slomka über das bevorstehende Duell. Aufgrund der aufgeheizten Stimmung in den verfeindeten Fanlagern appellierten aber beide Trainer auch trotz der Brisanz an die Vernunft der Anhänger und warben für ein friedliches Derby. Die Frotzeleien haben bereits begonnen: Am Mittwoch band ein Hamburger Anhänger dem Esel der vier Stadtmusikanten in Bremen einen HSV-Schal um.

Auf dem Rasen dürfte es in jedem Fall hitzig werden. Wenn am Samstag (15.30 Uhr im Liverticker bei Goal) der Anpfiff im Weserstadion ertönt, stehen sich der Tabellen-14. und der Tabellen-16. gegenüber. Aus dem einst so hochklassigen Duell ist längst Abstiegskampf pur geworden. "Es geht um sehr viel. Wir müssen mit einer kontrollierten Aggressivität ins Spiel gehen", sagte Werder-Sportchef Thomas Eichin: "Wir müssen unsere Nerven im Griff behalten."

Seeler besorgt um beide Teams

Noch 2009 spielten die beiden Krisenklubs um Titel mit und trafen innerhalb von 19 Tagen viermal aufeinander: Halbfinale des UEFA-Cups, Halbfinale des DFB-Pokals und ein wichtiges Duell um mögliche Europacup-Millionen. Nun macht sich HSV-Idol Uwe Seeler Sorgen um den Klassenerhalt - beider Teams. "Ich drücke die Daumen, dass beide drinbleiben", sagte der 77-Jährige vor der Jubiläumsausgabe des Nordderbys: "HSV und Werder gehören in die Bundesliga. Die Bremer haben ja noch drei Punkte mehr."

Doch die Tendenz spricht eher für den HSV. Mit dem 3:0 gegen Borussia Dortmund hat sich der Bundesliga-Dino der Last der Grusel-Serie von sieben Liga-Niederlagen in Folge entledigt. Doch nun droht Top-Torjäger Pierre-Michel Lasogga auszufallen.

"Wir machen uns schon Sorgen um ihn", sagte Slomka, nachdem der Top-Stürmer (elf Saisontore) am Dienstag und Mittwoch wegen Oberschenkel- und Rückenproblemen nicht mit der Mannschaft trainieren konnte. Ob der HSV-Trainer dagegen Rafael van der Vaart nach auskurierter Knöchelverletzung in die Startelf beordert, ist eine der spannenden Fragen vor dem Duell.

Fragezeichen auch hinter Van der Vaart

"Er ist ein außergewöhnlicher Fußballer", konterte Slomka in der Sport Bild die zuletzt immer lauter werdende Kritik an dem alternden Superstar. Der Coach plant offenbar, van der Vaart weiter vorne spielen zu lassen: "Rafael muss mehr im Zentrum hinter der Spitze eingesetzt werden, um seine tollen Pässe einsetzen zu können." Van der Vaart ist schließlich ein Nordderby-Experte. Den letzten Hamburger Sieg in Bremen gab es im Februar 2007 - van der Vaart sorgte mit einem Doppelpack fast im Alleingang für das 2:0.

Die Elf von Dutt wartet im Jahr 2014 noch auf einen Sieg. Mit einem großen Plakat am Trainingsplatz ("Alles für den Derbysieg") machten die Werder-Fans am Mittwoch deutlich, dass sich dies mit dem Duell gegen den HSV ändern soll. "Dieses Derby ist das wichtigste Spiel", sagte Dutt: "Zum einen hat es eine sehr hohe emotionale Bedeutung, zum anderen ist es aufgrund der Wettkampfsituation immens wichtig." Es geht um mehr als drei Punkte.

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