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Hamburger SV entlässt Trainer Bert van Marwijk

Nach nur 143 Tagen bei den Rothosen muss der niederländische Trainer wieder seine Koffer packen. Die Niederlage in Braunschweig brachte das Fass zum Überlaufen.

Hamburg. Der Hamburger SV zieht in der schlimmsten Krise seiner Vereinsgeschichte fast schon verzweifelt die Notbremse. Nach nur 143 Amtstagen und einer historischen Serie von sieben Bundesliga-Niederlagen entließ die HSV-Führung am Samstag den erfolglosen Trainer Bert van Marwijk. Das Schicksal des einstigen Hoffnungsträgers wurde auf einer Krisensitzung besiegelt, wenige Stunden nach dem 2:4 (1:0) beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig.

"Wir sahen uns zum jetzigen Zeitpunkt gezwungen, diese Entscheidung zu treffen, obwohl wir sie gleichwohl bedauern. Wir bedanken uns bei Bert van Marwijk für seine Arbeit", sagte Sportchef Oliver Kreuzer. Der Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow erklärte, van Marwijk habe auf seine Freistellung "sehr nüchtern und verständnisvoll" reagiert. "Wir haben als Vorstand zusammengesessen und die Lage noch einmal analysiert. Nach der doch sehr frustrierenden Niederlage in Braunschweig haben wir übereinstimmend beschlossen, dass wir mit sofortiger Wirkung handeln", sagte er.

Als Favorit für den äußerst schwierigen Job beim Tabellenvorletzten gilt Mirko Slomka, der kurz nach Weihnachten bei Hannover 96 entlassen worden war. Auch der Name Martin Jol wurde genannt. Der Niederländer, der Anfang Dezember seinen Posten beim inzwischen von Felix Magath trainierten FC Fulham räumen musste, hatte den HSV von 2008 bis 2009 trainiert.

Kreuzer und Vorstands-Chef Carl Jarchow sind mit van Marwijks Entlassung extrem geschwächt, sie hatten an dem Niederländer festgehalten und waren damit auf Konfrontationskurs mit dem Aufsichtsrat gegangen. Nun mussten sie doch handeln.

Magath beim Vorstand unerwünscht

Eine Gruppe um den Aufsichtsratsvorsitzenden Jens Meier hatte bereits Anfang der Woche versucht, den Vorstand zu entmachten und eine Zusammenarbeit mit dem Klub-Idol Magath durchzudrücken. Doch das Vorhaben zerschlug sich am Donnerstag, da sich keine Mehrheit für den machthungrigen Magath organisieren ließ - der Held des Endspiels im Landesmeister-Pokal 1983 unterschrieb umgehend als Manager in London.

Die Lage beim HSV ist nicht nur sportlich verheerend. Die Mannschaft erscheint nicht bundesligatauglich, 100 Millionen Euro Schulden drücken, und die Klubführung präsentierte sich in den vergangenen Wochen in einem desolaten Zustand.

Nach dem erneuten Rückschlag im Kampf gegen den Abstieg am Samstag kommt die Trennung absolut nicht mehr überraschend, das Schlusslicht Braunschweig ist bis auf einen Punkt an den HSV herangerückt. Auch der Spielplan macht wenig Hoffnung: Der neue Trainer wird am kommenden Samstag sein Debüt gegen den Champions-League-Finalisten Borussia Dortmund geben müssen.

Van Marwijk hatte an der Elbe am 25. September die Nachfolge von Thorsten Fink angetreten. Der Ritter des Ordens von Oranien-Nassau sollte eigentlich zum Retter des strauchelnden Traditionsklubs werden. Doch zuletzt präsentierte sich der HSV ideenlos, mutlos und einfach nur noch harmlos. Nun zogen die Hanseaten die Reißleine, um doch noch irgendwie den historischen Gang in die Zweitklassigkeit zu verhindern.

Novum für Kreuzer

Kreuzer ist damit der erste Sportchef der Hamburger, der während einer Saison zwei Trainer entlassen hat. Van Marwijks Vertrag lief eigentlich noch bis Sommer 2015, sein Gehalt wurde auf etwa 1,4 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Damit muss der ohnehin finanziell angeschlagene Klub seinem Ex-Trainer wohl noch eine hohe Abfindung zahlen.

Nach anfänglichen Erfolgen war die Kritik an van Marwijk zuletzt immer lauter geworden. Der ehemalige Bondscoach schaffte es nicht, die völlig verunsicherte Mannschaft zu stabilisieren. Mit 51 Gegentreffern ist der HSV die Schießbude der Liga. Zudem wurde van Marwijk mangelnde Identifikation mit dem Bundesliga-Dino vorgeworfen. Er wohnte bis zuletzt in einem Hotel und nutzte die häufigen trainingsfreien Tage unter der Woche für Fahrten zu seiner Frau in die Heimat.

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