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Jacques Zoua: "Sowas habe ich noch nie erlebt"

Den Kameruner berührten die Fan-Proteste nach der Pleite im Herzen. Kollege Jansen akzeptiert die Auswüchse nicht. Er will kämpferischer auftreten und kritisiert seine Mitspieler.

Hamburg. Während die Aufsichtsräte über eine mögliche Verpflichtung von Felix Magath debattieren, versuchen sich die Spieler aufs Sportliche zu konzentrieren. Jacques Zoua und Marcell Jansen vom Hamburger SV haben sich zuvor jedoch zu den Krawallen nach der 0:3 (0:3)-Niederlage gegen Hertha BSC geäußert. Der Stürmer aus Kamerun gab an, dass die HSV-Anhänger ihn nicht am Kopf, sondern emotional trafen und er deswegen weinte.

Zoua fühlt wie Fans

"Ich war von der Situation dort draußen überrascht. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich wusste, dass dort unsere Fans auf uns warten, aber eine genaue Vorstellung davon hatte ich nicht", erklärte Zoua der Hamburger Morgenpost, der sich den Anhängern trotz seiner mangelnden Deutsch-Kenntnisse gestellt hatte.

Die verärgerten Gesichter lösten schließlich eine Reaktion in ihm aus. Ihm sei der Protest der Fans sehr nahe gegangen. "Ich möchte aber klarstellen, dass ich von keinem Gegenstand getroffen wurde, sondern es mich nur im Herzen getroffen hat", sagte 22 Jahre alte Angreifer: "Eigentlich habe ich dasselbe gespürt wie sie."

"Reaktion war vorhersehbar - aber ging zu weit"

Derweil ging Jansen im Gespräch mit dfb.de härter mit den eigenen Anhängern ins Gericht. "Die Fans haben ihrem Unmut Luft gemacht. Das war irgendwann zu erwarten. Wir haben uns den Fans auch gestellt und den Dialog gesucht", sagte der Nationalspieler: "Dass aber Spieler bedroht und über den Parkplatz gejagt werden, akzeptiere ich nicht. Das ging eindeutig zu weit. Und gerade als junger Spieler damit umzugehen, ist auch nicht einfach."

Zoua hat mittlerweile seine Konzentration auf den Fußball und das anstehende DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern München und das Kellerduell gegen Eintracht Braunschweig verlagert: "Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem Verein, Mannschaft und Fans zusammenhalten müssen. Wenn das passiert, bin ich fest davon überzeugt, dass wir es schaffen, die Klasse zu halten."

"Wir brauchen unbedingt Erfolgserlebnisse"

Jansen will nun kämpferischer auftreten. "Wir müssen alles geben, uns in jeden Zweikampf reinschmeißen, alles probieren und in der Woche Vollgas geben. Wir brauchen unbedingt Erfolgserlebnisse", sagte der 28-Jährige: "Wir bekommen nicht nur blöde Gegentore, wir kriegen es auch nicht hin, selbst Tore zu machen. Um ein Spiel zu gewinnen, muss man eben auch Tore schießen. Uns fehlt der Druck nach vorne. Wir sind eigentlich immer nur in der Defensive."

Sein Schlachtplan ist einfach. "Wir müssen als Mannschaft besser verteidigen und unsere Gegenspieler doppeln. Es darf nicht passieren, dass wir unsere Mitspieler beim Zweikampf alleine lassen", so Jansen, der auch das mangelnde Offensivspiel kritisierte.

"Es ist wie in einem Boxkampf: Manchmal muss man auch zurückschlagen. Das passiert einfach nicht. Wir grübeln häufig über Situationen nach, die schon lange vorbei sind", erklärte der frühere FCB-Profi, der darauf auch die mangelnde Laufleistung seines Teams zurückführt: "Dass das Spiel noch lange geht und wir eigentlich noch alle Möglichkeiten haben, wird völlig vergessen. Und genau in diesen Phasen schenken wir die Spiele ab."

"Bayern ist eine Chance für uns"

Dass ausgerechnet jetzt die wahrscheinlich beste Klubmannschaft der Welt in den Volkspark kommt, stört den Linksverteidiger nicht. "Es wäre gelogen, jetzt zu behaupten, dass wir völlig frei in dieses Spiel gehen können. Wir sind in einer ganz schweren Situation. Ich bin aber froh, dass dieses Spiel jetzt kommt. Es ist ja auch eine Chance für uns", sagte Jansen.

Zoua hofft derweil nach dem Fanexzess von Samstag wieder auf Unterstützung. "Die Liebe der Fans spüre ich nämlich ansonsten nicht nur im Stadion, sondern auch in der Stadt, wenn ich unterwegs bin. Dass gegen Hertha trotz der Niederlagen so viele da waren, hat mich beeindruckt."

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