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Jonathan Tah vom HSV gerät in die Schlagzeilen, weil sein Umfeld der Presse Vertragsdetails zuspielt. Doch nicht der Inhalt, sondern die Veröffentlichung sorgt für Aufregung.

KOMMENTAR
Von Daniel Jovanov

Am vergangenen Montag berichteten mehrere Hamburger Medien über den Vertrag von Jonathan Tah beim Hamburger SV. Dabei wurde nicht nur die Höhe der Ausstiegsklausel genannt – auch das Gehalt und die Beteiligung an einem Verkaufserlös sind nun öffentlich. Dass Zahlen immer wieder in der Presse auftauchen, ist nicht unüblich. Bei Tah hat die Veröffentlichung noch einen ganz anderen Beigeschmack.

Der erst 17 Jahre alte Innenverteidiger arbeitet neben der Profifußballkarriere an seinem Fach-Abitur. In der Schule wird sich Tah nun mit zumeist unreflektierten Kommentaren auseinandersetzen müssen, die nicht spurlos an ihm vorbeigehen können. Eine Erfahrung, die er nicht machen müsste, wenn die Medien ihre Verantwortung ernst nehmen würden.

Es scheint, als habe ein Großteil der Leser dieses Mal kein Interesse gehabt, über die Details des Vertrages informiert zu werden. Weil es nicht um ihre, sondern einzig um die Interessen eines 17-Jährigen geht. Doch trotz aller Widerstände wird die Geschichte auf einer anderen Ebene fortgeführt. Ein Konflikt zwischen Tahs Vater und seinem Berater wird öffentlich, bei dem sich vieles um Geld, aber wenig um den Jungen dreht.

Und so erscheint auch die Diskussion um „Leitwölfe“, die in der Öffentlichkeit klare Worte finden, grotesk. Es verwundert nicht, dass die heutige Generation der Profifußballer aufgrund der Fülle an Medien immer vorsichtiger auftritt. In Zeiten des Internets und der sozialen Medien wird jedes einzelne Wort auf die Goldwaage gelegt. Ein medialer Druck, den die Kollegen Basler, Matthäus oder Effenberg während ihrer aktiven Zeit nicht kannten.

Im Fall von Tah wäre es zu seinem Schutz richtig gewesen, auf die Veröffentlichung zu verzichten. Doch sie entlarvt übergeordnete Interessen und macht deutlich, dass selbst vor den privaten und vertraulichen Angelegenheiten eines Minderjährigen kein Halt gemacht wird. Die Leser reagieren empört. Zurecht.

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