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Vor Wolfsburgspiel: Horst Heldt ist Schalker Tradition lieber als viel Geld

Der Manager des FC Schalke möchte mit niemandem tauschen und fühlt sich im Revier pudelwohl. Jens Keller sieht Boateng für die Rückrunde auf der Doppelsechs.


Aus Gelsenkirchen berichtet:
Goal-Korrespondent Hassan Talib Haji

Schalke 04 und der VfL Wolfsburg haben nicht viel gemein, außer das Fußballspielen. Manager Horst Heldt schaut dennoch aufgrund der großen finanziellen Unterschiede etwas neidisch auf die Grün-Weißen, kann sich eine kleine Spitze auch nicht verkneifen. Am kommenden Samstagnachmittag messen sich beide Klubs in der Bundesliga dann auf sportlicher Ebene, ein harter Kampf ist zu erwarten - ein Spiel um die Champions-League-Ränge. Für das Team von Jens Keller geht es um nicht weniger als den direkten Konkurrenten auf Abstand zu halten.

Die Niedersachsen um Manager Klaus Allofs haben das Wintertransferfenster nutzen können und sich prominent verstärkt: Kevin de Bruyne wechselte für kolportierte 22 Millionen Euro mal eben vom FC Chelsea in die beschauliche Autostadt. Ein Transfer, den sich Schalke 04 in dieser Größenordnung momentan nicht leisten könnte. Blickt Manager Horst Heldt deswegen neidisch auf die Möglichkeiten des Werksklubs? "Ja, absolut", gestand er.

Heldt lässt Mini-Giftpfeil los

Besonders in Sachen Personalpolitik mit Dieter Hecking und Klaus Allofs am Führungsruder ist der VfL wieder ein ernst zu nehmender Konkurrent für Königsblau. "Allofs ist ein alter Fuchs, der das Geschäft in und auswendig kennt", lobte Heldt seinen Manager-Kollegen. Die Wölfe hätten nun nach mehreren Jahren "zwei Leute in vorderster Front, die da sehr gut funktionieren und den Markt kennen. Sie sind natürlich in der Lage Spieler mit hoher Qualität zu holen und sie formen eine Mannschaft, die in den nächsten Jahren konkurrenzfähig ist, und um Meisterschaften kämpfen kann", ergänzte Heldt.

Schalke 04 drückt eine erhebliche Last an Verbindlichkeiten (rund 170 Millionen Euro, Anm. d. Red.), welche den Raum für große Investitionen klein hält. Und deshalb schaut man natürlich "neidisch auf das Potenzial" des VfL Wolfsburg, "weil es dadurch um vieles leichter ist, eine starke und konkurrenzfähige Mannschaft aufzubauen", ließ Heldt wissen. Allofs' Platz bei den Niedersachsen möchte er jedoch nicht und platzierte vor der Partie in der Veltins-Arena einen kleinen Seitenhieb gegen den VfL: "Ich möchte aber keineswegs tauschen, weil mir Tradition dann doch um so vieles mehr Wert ist, als andere Gegebenheiten."

Kein Draxler-Wechsel zum FC Arsenal

Jedes Jahr im Januar ist es Usus, dass die Gerüchteküche brodelt und die Spekulationen ins Kraut schießen. Schalke-Star Julian Draxler wurde gehandelt, wie das beste Rinderfilet auf dem Fleischmarkt. Herausgekommen ist bislang nur heiße Luft. Heldt dementierte Vertragsgespräche mit einer Delegation vom FC Arsenal auf seine süffisante Art und Weise: "Ich habe in mein Büro reingeschaut, ob da jemand sitzt, habe aber keinen gefunden." Der Schalker Sportvorstand ist sich "sehr sicher", dass Draxler "in der Rückrunde noch viele Spiele für uns macht – und wahrscheinlich auch darüber hinaus."



Kein Endspiel

Beim glanzvollen Sieg des S04 in Hamburg spielte Kevin-Prince Boateng zusammen mit Roman Neustädter auf der Doppelsechs im Mittelfeldzentrum, was sehr gut funktionierte. Das soll sich, wenn es nach Trainer Keller geht, auch vorerst nicht ändern: "Ich habe immer betont, dass Boateng diese Position bekleiden kann. Gegen den SC Freiburg konnte er seine Aufgaben dort noch nicht so umsetzen. Aber gegen Hamburg hat er es gut gemacht, und deshalb kann das für die Rückrunde so bleiben."

Derzeit rangieren die Knappen auf Tabellenplatz fünf und konnten den kommenden Gegner zum Rückrundenauftakt überholen. Ein Finale um die Champions-League-Plätze ist dieses Duell am Wochenende wohlgleich nicht. "Ich finde, dieser Begriff 'Endspiel' passt überhaupt nicht. Nach der Partie sind es noch 15 weitere und wir haben es in der letzten Saison erlebt - da hat es bis zum letzten Spieltag gedauert", machte Keller auf apodiktische Weise klar. Dabei gilt es, die gesuchte und auf dem Berger Feld oft vermisste Beständigkeit zu finden. Schalke 04 strebt den zweiten Sieg in Folge an, wie der Übungsleiter ausführte: "Die Mannschaft hat bei dem 3:0 in Hamburg viel Selbstvertrauen geschöpft und wir wollen natürlich hier, vor unseren Fans, eine überzeugende Leistung abliefern und das Spiel gewinnen."

Doch der VfL Wolfsburg ist gewiss kein Fallobst, wie der HSV am vergangenen Wochenende. "Die 1:3-Niederlage letzte Woche gegen Hannover spiegelt überhaupt nicht die vorhandene Qualität von Wolfsburg wieder", mahnte Keller an und zeigte großen Respekt vor den Fähigkeiten des Tabellensechsten. "Das ist eine Mannschaft mit enormer Qualität, die individuell top besetzt ist. Mit Kevin de Bruyne haben sie noch einen herausragenden Spieler hinzubekommen, das macht sie sicherlich nicht schlechter."

Der FC Schalke 04 nimmt die Hecking-Elf sehr ernst und möchte, wie schon beim Hamburger SV, einen Schritt nach vorne machen. Angesichts von nur zwei Zählern Rückstand auf Rang drei wäre ein Heimerfolg richtungsweisend und könnte nach langer Zeit mal wieder so etwas wie Aufbruchstimmung in Gelsenkirchen erzeugen.

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