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In weniger als zwei Wochen werden die Mitglieder beim Hamburger SV über die Zukunft des Vereins entscheiden. Fünf Strukturmodelle stehen dabei zur Auswahl.

Hamburg. Der Hamburger SV steht vor einer richtungweisenden Entscheidung. Die Mitglieder sollen auf der kommenden Jahreshauptversammlung über eine Ausgliederung des Profifußballs abstimmen. Dadurch erhoffen sich die Protagonisten der Initiativen den Eintritt von neuen Geldgebern, um den maroden Klub aus der finanziellen Misere zu befreien. Eine Schuldenlast von knapp 100 Millionen Euro beeinträchtigt die Arbeit der aktuellen sportlichen Führung, die sich in den kommenden Jahren auf dem Transfermarkt eher in Zurückhaltung üben muss.

"Ausgliederung ist alternativlos"

Neben der vom ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Otto Rieckhoff initiierten Bewegung HSV Plus, die unter anderem von Thomas von Heesen, Horst Hrubesch oder dem Unternehmer Klaus-Michael Kühne unterstützt wird, hat sich auch die Initiative Rautenherz mit der Ausgliederung der Profifußballabteilung beschäftigt. "Wir können uns keine teure Werbekampagne leisten, weshalb wir keine große mediale Beachtung gefunden haben", erklärt Rainer Ferslev, Fachanwalt für Insolvenzrecht, im Gespräch mit Goal.

Ihm unterstützend zur Seite stehen Martin Rüssel, Vertriebsmitarbeiter eines Hamburger IT-Unternehmens und Dirk Wechsel, ein studierter Politikwissenschaftler aus Köln. Gemeinsam gründete das Trio die Initiative Rautenherz bereits im August 2012 und vereint seitdem mehrere Tausend Unterstützer eines Strukturwandels auf ihren Social-Media-Kanälen. "Die finanzielle Situation beim HSV macht deutlich, dass eine Ausgliederung alternativlos ist", sagt Martin Rüssel. Deshalb müsse sich der Verein "grundsätzlich neu strukturieren."

Im Gegensatz zu HSV Plus soll dies allerdings nicht in Form einer Aktiengesellschaft geschehen. Rautenherz orientiert sich stattdessen am Modell von Borussia Dortmund, die als GmbH & Co. KG a.A. organisiert sind, also als Kommanditgesellschaft auf Aktien. Diese Rechtsform vermischt Elemente der Kommanditgesellschaft und der Aktiengesellschaft und ist im deutschen Lizenzfußball am häufigsten vertreten. Der e.V. wäre nach diesem Konzept zu 100 Prozent an der Geschäftsführungs-GmbH und zu mindestens 51 Prozent an der nicht börsennotierten Kommanditgesellschaft auf Aktien beteiligt.

Investoren nur mit Zustimmung der Mitglieder

Innerhalb des e.V. ändert sich nicht viel: Die Mitgliederversammlung wählt einen Aufsichtsrat, der den ehrenamtlichen Vorstand bestellt und überwacht. Darüber hinaus werden auch drei Mitglieder eines Beirates direkt gewählt, die von zwei weiteren Vertretern der Kommanditaktionäre ergänzt werden. Aufgabe des Beirates ist es, die bis zu fünf Personen umfassende Geschäftsführung zu bestellen und zu überwachen. "Der große Unterschied zu HSV Plus besteht darin, dass das Mitbestimmungsrecht der Mitglieder weitgehend erhalten bleibt, während es in einer Aktiengesellschaft kaum bis gar nicht vorhanden ist", kritisiert Ferslev.

Der Verkauf von Aktien könnte demnach nur mit der Zustimmung aller bisherigen Aktionäre erfolgen. Der HSV e.V., vertreten durch die Mitgliederversammlung, würde somit als ständiger Mehrheitseigner (50+1 Regel) der Kommanditgesellschaft die Entscheidungshoheit über die Aufnahme neuer Investoren behalten. "Drei haben bislang ihr konkretes Interesse bekundet. Über Namen oder mögliche Summen sprechen wir allerdings nicht", sagt Ferslev. Auch ein Austausch mit Klaus-Michael Kühne habe im vergangenen Jahr stattgefunden, wobei der Milliardär die Protagonisten der Strukturdebatte zu einer Einigung aufforderte.

Ein weiterer Punkt des Konzeptes sieht die Einführung der Briefwahl vor. Bislang sind entsprechende Versuche gescheitert. "Viele Mitglieder fordern seit Jahren das Briefwahlrecht. Dies ist doch ein deutliches Zeichen, dass sie nicht auf ihr Mitbestimmungsrecht verzichten wollen", glaubt Rüssel. Drei Viertel der Stimmen auf der kommenden Versammlung am 19. Januar sind für die Durchsetzung notwendig. "Zudem haben wir einen Antrag gestellt, dass der Vorstand eine Ausgliederung nach beiden, also nach dem Konzept von HSV Plus und unserem, prüfen soll." Ein durchdachter Schachzug, der Rautenherz zumindest eine Chance ermöglichen könnte, endlich Gehör zu finden.

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