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Bayern München hat das Jahr 2013 dominiert. Der Spieler, der den deutschen Rekordmeister immer wieder angetrieben und inspiriert hat, sollte die passende Anerkennung erhalten!

KOMMENTAR
Von Peter Staunton

Er ist der Bundesligaspieler des Jahres, er ist Champions-League-Spieler des Jahres, er ist Frankreichs Spieler des Jahres und er ist Europas Fußballer des Jahres. Dennoch ist Franck Ribery nicht der Favorit auf den Ballon d'Or der FIFA, der am Montagabend verliehen wird.

Durch Cristiano Ronaldos virtuose Leistungen in Portugals WM-Playoff gegen Schweden ist der Franzose im Rennen um den Ballon d'Or nur noch Mitläufer. Ronaldos fußballerische Leistung in 2013 war absolut herausragend. Aber allein darum geht es nicht. Franck Ribery war der der beste Fußballspieler in der besten Fußballmannschaft und dafür sollte er die Anerkennung bekommen, die er verdient. Auch er selbst denkt so.

Der Ballon d'Or soll auf den Kamin

Im November verriet er, wo für die Trophäe bereits ein Platz in seinem Haus reserviert sei: "Auf dem Kamin im Wohnzimmer. Meine Frau hat schon alles vorbereitet. Ich versuche, nicht permanent daran zu denken. Aber meine Frau, ja, sie denkt wirklich oft daran."

"Ich bin drauf und dran, es zu schaffen. Und sollte es tatsächlich gelingen, weiß ich, dass mich die Bayern so stark gemacht haben. Es geht um das, was ich auf dem Feld geleistet habe. Und um das, was ich getan habe, um wieder meine beste Form zu finden. Ein Profi zu sein jeden Tag und um die Titel, die ich gewonnen habe. Vor diesem Jahr war ich gut, nun bin ich der Beste", so der Flügelspieler weiter.
MOMENT DER SAISON
BARCELONA - BAYERN 0:3


Trotz eines 4:0-Vorsprungs aus dem Hinspiel ließen die Bayern im zweiten Duell mit Barca um den Einzug ins Endspiel der Champions League kein bisschen locker. Ribery war dabei wie eine Plage für die Katalanen. Er war nicht zu bändigen, lieferte einen Assist und provozierte ein Eigentor. Sein Pensum war enorm und Gegenspieler Dani Alves dürfte anschließend Albträume gehabt haben.

Es gab mal eine Zeit, da wurde der Ballon d'Or an den besten Spieler der besten Mannschaft des Jahres verliehen. Mittlerweile wirkt es eher wie ein Popularitätswettbewerb zwischen Ronaldo und Lionel Messi. Was den Ballon d'Or ausmacht, ist mehr als nur die Anzahl der Tore. Titel, der ultimative Gradmesser für Erfolg, sollten aber eine wichtige Rolle spielen. Kein Team war besser als Bayern München und kein Spieler verkörpert die FCB-Stärke so sehr wie Ribery.

Im August sagte er Telefoot: "Es war ein außergewöhnliches Jahr für den Verein, für die Menschen und für mich. Wir haben alle Rekorde gebrochen. Ich habe Auf dem Rasen einfach alles gegeben und ich wäre überglücklich, wenn ich den Ballon d'Or gewänne. Es wäre toll für mich, meine Frau, meine Kinder und meinen Vater."

Es hätten überhaupt mehr Bayern-Spieler in die finale Auswahl gehört. Besonders Philipp Lahm, Thomas Müller und Mario Mandzukic sind dabei übergangen worden. Sie haben großartige Leistungen gezeigt und einen großen Anteil am Triple-Triumph des FCB gehabt. Erfolg, den Ronaldo und Messi nicht hatten.

Real Madrid und der FC Barcelona sind zweifellos die beiden populärsten und mächtigsten Vereine dieses Planeten. Sie sind unerreicht in ihren finanziellen Mitteln und ihrer Beliebtheit. Das ändert aber nichts daran, dass die Bayern die beste Mannschaft stellen. Und es darf auch kein Nachteil sein, dass es schwierig ist, aus diesem Kollektiv den stärksten Individualisten herauszupicken. Im Gegensatz zu Real und Barca verfügen die Münchener nämlich eben nicht über den einen alles überragenden Spieler. Die Stärke der Bayern war die funktionierende Einheit. Weil der Glamourfaktor im Vergleich vielleicht nocht so hoch war, rückt die beeindruckende mannschaftliche Geschlossenheit unter zunächst Jupp Heynckes und nun Pep Guardiola vermutlich ein wenig aus dem Fokus der Öffentlichkeit.

"Eine Ehre, sein Trainer zu sein"

Guardiola sagte jüngst über Ribery: "Ich habe auf diesem Niveau noch nie einen Spieler mit einem solchen Charakter gesehen. Wie er für seine Mannschaft kämpft! Es ist eine Ehre für mich, sein Trainer zu sein."

Der Ballon d'Or muss gleichermaßen eine Auszeichnung für das Erreichte und die Leistungen sein. Fabio Cannavaros Sieg 2006 war eine Belohnung für seine Leistungen bei Italiens WM-Titel und nicht für seine Form während der gesamten zwölf Monate. Das gilt auch für Ronaldo, der bei der Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea dominierte, bei Inter und Real Madrid (verletzungsbedingt) aber nur selten zum Einsatz kam.

Die immer stärker werdende Fokussierung auf die Rivalität zwischen Ronaldo und Messi hat die Maßstäbe verzerrt. In der aktuellen Epoche geht es nicht mehr darum, welches Team welche Titel gewinnt. Es geht verstärkt nur noch darum, wer von den Beiden ihr persönliches Duell für sich entscheidet. Nie zuvor haben zwei Spieler derartig um den Titel des besten Spielers der Welt gekämpft. Das hat auch das Spiel entstellt. Andere Spieler scheinen weniger relevant zu sein. Arsene Wenger hat Recht, wenn er sagt, individuelle Auszeichnungen seien im Grunde gegen den Geist dieses Sports. Aber das müssen sie ja nicht sein. Die aktuellen Bayernspieler wirken, als kämen sie aus einer Zeit, in der das Team wichtiger war als der individuelle Preis.

Heynckes schwärmt von Riberys Uneigennützigkeit

"Deine faszinierenden und von den Fans gefeierten Dribblings sind der meist explosive Ausdruck deiner Intuition, deiner Spielfreude, deiner Kreativität; die im Laufe der Jahre gewonnene Erfahrung reichert dein Spiel zusätzlich an, mit mehr Übersicht, mit mehr Ruhe", schrieb Jupp Heynckes im Kicker in einem offenen Brief an seinen Ex-Schützling Ribery.

Und weiter meinte Heynckes: "Du wolltest den Erfolg für das gesamte Team und hast dein großes individuelles Können immer für das Gelingen des Gesamtwerks investiert. Du hast alles dafür getan, dass es in der Mannschaft so gut lief und bist bei allen entsprechend beliebt und anerkannt. Über den Erfolg des Kollektivs hast du diesen persönlichen Triumph erreicht, für deine uneigennützige Einstellung bist du belohnt worden."

So wie die Bayern als dominierende Kraft des europäischen Fußballs wahrgenommen werden, gilt der 30-Jährige mittlerweile als einer der komplettesten Spieler der Welt. Es ist vor allem seine Konstanz, die ihn von vielen anderen Spielern abhebt. Während seiner ersten beiden Spielzeiten an der Isar war noch immer wieder von Verletzungsproblemen behindert worden. Nun geht er noch verantwortungsbewusster mit seinem Körper um und das zahlt sich aus. Kaum ein Tor des FCB, an dem er nicht in irgendeiner Art und Weise beteiligt ist.

Er ist außerdem Entertainer, Motivator und durch seine Leistungen ein Anführer. Seine Mitspieler suchen ihn auf dem Rasen. Die Fans lieben ihn und sie haben ihn längst in ihre Herzen geschlossen. Sie lieben auch seine Finten und sie lieben es zu sehen, wie er bis zur Grundlinie marschiert und Assists liefert. Wenn er den Ball bekommt, liegt immer die Erwartung an etwas Überraschendes in der Luft.

Ribery verkörpert, was den Fußball 2013 ausgemacht hat. Gewinnt er am Montag nicht, ist es kein Mannschaftssport mehr. Man sollte es auch als Belohnung für die Bayern sehen. Der Franzose würde auch diesen Erfolg mit seinen Mitspielern teilen.

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