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Lewandowski-Wechsel: Die logische Konsequenz

Bayern katapultierte sich mit dem Triple in neue Sphären. Der jüngste Coup soll mithelfen, sich auf dem Thron zu halten. Doch was erwartet Lewy? Wie reagiert Dortmund?

Dortmund. Gleich drei Widersacher scharten sich um Robert Lewandowski. Der Ball kullerte in den Strafraum, landete auf dessen linken Schlappen. Mit dem Tor im Rücken setzte er zur Drehung an. Wie aus einem Guss. Unwiderstehlich. Die aufmerksamen Bewacher von Real Madrid degradierte er zu ungelenken Statisten und zimmerte das Spielgerät in die Maschen.

"Das dritte Tor, so etwas habe ich noch nicht gesehen", staunte Jürgen Klopp nicht schlecht. Per Viererpack feuerte Lewandowski die stolzen Spanier mit 4:1 aus dem Signal-Iduna-Park. Im Halbfinale der Champions League, auf der veritabelsten Bühne im europäischen Klub-Fußball, trumpfte der polnische Torjäger auf.

Sieben Monate später, am Samstag um 19:34 Uhr, flatterte eine Pressemitteilung ins Postfach. Der Betreff: "FC Bayern verpflichtet Robert Lewandowski" – das ohnehin recht stiefmütterlich gehütete Geheimnis wurde endlich gelüftet. Dennoch wirft der Coup einige Fragen auf. Goal beantwortet jene.
  • Warum entschied Lewandowski so?
Erst wenige Stunden war die Real-Show alt, da wurden die Lobesarien aus den Schlagzeilen verdrängt. "Wir sind uns mit einem Klub einig, haben vor, diesen Sommer zu wechseln", ließ Maik Barthel, seines Zeichens Berater des 25-Jährigen, aufhorchen. Er machte sich das Rampenlicht zunutze, um Druck auszuüben. Die Premieren-Episode einer unrühmlichen Transferposse.

Dortmund winkte ein millionenschwerer Geldregen, doch man legte sich quer. Zunächst vermutete man die branchenübliche Preistreiberei – als sich dies aber nicht bewahrheitete, fühlte sich Lewandowski "betrogen", nicht "fair" behandelt. Die sportliche Führungsetage beschwichtigte und hielt den Umworbenen mit einer Gehaltsaufbesserung bei Laune. Zu präsent war der schmerzliche Abgang von Mario Götze.

Am Wunsch Lewandowskis änderte dies wenig. Er strebt nach Erfolgen, nach internationalen Sternstunden. Gegenüber der Sport Bild betonte er: "Ich möchte am liebsten Titel." Und davon sahnten die Münchner im letzten Jahr reichlich ab, hievten sich an die europäische Spitze. Mit Pep Guardiola erhielt die "Marke FCB" zusehend Strahlkraft. So konnte selbst Reals "unmoralisches Angebot" keinen Meinungsumschwung bei Lewandowski herbeiführen.
  • Welche Erwartungen haben die Bayern?
Am Samstagvormittag wurden Lewys Agenten vor der Klinik von Bayern-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt gesichtet. Die Meldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Lokale Vertreter der Presse belagerten fortan den Eingang, jede Bewegung wurde mit Argusaugen verfolgt. Ein erster Vorgeschmack, welch mediale Welle dem Stürmer ab dem 1. Juli für fünf Jahre entgegenschwappt.

Das Triple ließ die Ansprüche am Weißwurst-Äquator in die Höhe schnellen. Von den hochdekorierten Stars wird nicht nur erfolgreicher Fußball erwartet. Guardiola schürte mitunter das Verlangen nach berauschendem Offensiv-Kick. Lewandowski soll dazu beitragen. "Er ist einer der weltbesten Stürmer, wird den Kader des FC Bayern verstärken und uns nochmals einen Schub geben", jubelte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Anders als bei der Borussia erwartet den Nationalspieler eine auf Dominanz basierende Ideologie. Es geht nicht darum, schnellstmöglich in die Gefahrenzone zu gelangen. Guardiolas Schützlinge sind auf Ballbesitz getrimmt. Sie versuchen den Gegner zu erdrücken, durch Passstafetten zu ermüden. Genau darin liegt die Gefahr: "Es ist schwer, wenn man ohne eine echte Nummer neun spielen lässt", erklärte Giovane Elber bei Sport1.

Aber: Zumindest ein seit Jahrzehnten wirksamer Mechanismus sollte abermals greifen. Bayern konnten den direkten Antagonisten empfindlich schwächen. Nach zweijähriger Titellosigkeit in der Bundesliga schlug man mit aller Wucht zurück - und scheint unaufhaltsam enteilt.
  • Was verändert sich für Mario Mandzukic?
"Ich liebe diesen Spieler", schwärmte Guardiola unlängst in der Sport Bild. Gemeint war Mario Mandzukic. Ausgerechnet jener Mann, über dem nun ein dickes Fragezeichen prangt. Wer mimt ab nächster Saison den Alleinunterhalter an vorderster Front? Eines ist klar: Lewandowski verschärft den Konkurrenzkampf - und als einer der Topverdiener wird er sich nicht mit der Reservistenrolle begnügen.

Dass sie über ähnliche Qualitäten verfügen, macht die Entscheidung nicht einfacher. Für Mandzukic spricht die Kopfballstärke, der Kontrahent ist dagegen ob seiner feinen Technik auf dem Boden gefährlicher. In der Offensive agiert der Noch-Dortmunder etwas mannschaftsdienlicher. So legte Mandzukic bei 20 Einsätzen in der Bundesliga und Champions League nur zwei Treffer auf, Lewandowski dagegen lieferte in 23 Begegnungen neun Assists.



Eine Gabe, die Lewandowski für Experten zum derzeit weltbesten Stürmer macht, ist sein enormes Geschick in der Ballbehauptung. Auch unter höchstem Druck ist er in der Lage, schwierige Zuspiele zu halten und den Kollegen zu servieren, oder wie beim dritten Tor gegen Real selbst zu verarbeiten. Deshalb legte sich Naldo im kicker fest: "Ich glaube, er ist noch ein bisschen stärker." Mandzukic scheut den direkten Vergleich nicht. Er dementierte Wechselabsichten, sogar von einer Verlängerung der bis 2016 laufenden Arbeitspapiere war die Rede.
  • Wann schlägt Dortmund auf dem Markt zu?
Bei Dortmund entwickelte sich Lewandowski zu einem der wertvollsten Angreifer. In der aktuellen Spielzeit kommt er in 26 Einsätzen auf 16 Tore und neun Vorlagen. Die Verantwortlichen sehen sich allerdings jetzt mit der Gretchenfrage konfrontiert: Wer soll ihn ersetzen? In blinden Aktionismus wird man nicht verfallen. "Wir scannen den Markt genau", erklärte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der Süddeutschen Zeitung.

Auf wen letztlich die Wahl fallen könnte, steht in den Medien seit geraumer Zeit zur Debatte. Da wäre etwa Jackson Martinez vom FC Porto. Oder Atletico Madrids Diego Costa. Sie weisen zwar beeindruckende Quoten auf, wären aber auch keinesfalls Schnäppchen. Ersterer soll über eine Ausstiegsklausel in der Höhe von 38 Millionen Euro verfügen. Costa könnte für rund 24 Millionen aus seinem Kontrakt gekauft werden.

Überdies wurde offenbar Konstantinos Mitroglou, der Brecher von Olympiakos Piräus, beobachtet. Nicht zu vergessen: Edin Dzeko. Bei Manchester City aufs Abstellgleis geraten, galt er bereits im Sommer als heißer Kandidat. Auf nationaler Ebene wird der BVB mit Hoffenheim-Jungstar Kevin Volland und Adrian Ramos von Hertha BSC in Verbindung gebracht. Besonders der Kolumbianer spielte in der Hinrunde beständig auf und netzte elf Mal. Zudem ähnelt er in seiner geschmeidigen, umtriebigen Art Lewandowski.

Eine interne Lösung mit Marco Reus oder Pierre-Emerick Aubameyang scheint unwahrscheinlich. "Gehen sie mal davon aus, dass wir einen Nachfolger präsentieren", kündigte Sportdirektor Michael Zorc in der Bild an. Aber erst im Sommer! Und: Während Lewandowski nach seiner Ankunft aus Posen noch ein Jahr benötigte, wird seinem Nachfolger wohl nur geringfügig Zeit gegeben. Er muss sofort einschlagen.
  • Was ist von Lewandowski nun zu erwarten?
Mit Lewandowski wird der BVB nach Mario Götze erneut schwer zur Ader gelassen. Zwar kommt der Wechsel alles andere als überraschend, dennoch ist nicht damit zu rechnen, dass der schwarz-gelbe Anhang dieses Déjà-vu auf die leichte Schulter nimmt. Im ersten Statement nach dem Vollzug wendete sich Lewandowski daher an die Fans: "Auch wenn es unter Euch viele gibt, die mit der Entscheidung nicht einverstanden sind, hoffe ich auf Unterstützung!"

"Wir wollen noch einige Ziele erreichen", erklärte Lewy weiter. Dass er sich auf seiner Abschiedstour hängen lässt, ist auszuschließen. Er wird bemüht sein, in der Bundesliga sowie der Königsklasse seine Bestform zu erreichen, sich mit wichtigen Toren von den Westfalen zu verabschieden und auch für den Bayern-Sturm zu empfehlen.

Ihn nicht abzugeben, sei für Dortmund jedenfalls die "goldrichtige Entscheidung" gewesen. Watzke betonte unlängst: "Er schießt für uns Tore, arbeitet wahnsinnig hart". Auch Lewandowski stellte klar: "Ich werde alles für den BVB geben." Bis zum Sommer 2014.

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