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Pep Guardiola hat Bayern München in seinem ersten halben Jahr auf ein neues Niveau gehoben. Ab Januar, sagt er, geht's erst richtig los.

Marrakesch. Müde? Er? Pep Guardiola ging auf die Frage gar nicht erst richtig ein. Die Spieler, ja, die hätten sich den Weihnachtsurlaub ab Sonntag nach dann 29 Pflichtspielen in fünf Monaten verdient. Aber er? Pep Guardiola? Dieser "positiv Verrückte", wie ihn Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge dieser Tage in Marokko genannt hatte? Ach, was! Im Januar, meinte Guardiola, werde es erst richtig losgehen.

Der 42 Jahre alte Spanier will die Weihnachtstage und den Jahreswechsel nutzen, um die "neue Periode" vorzubereiten, die seiner Meinung nach in der zweiten Halbserie beim FC Bayern beginnt. Bisher, bis zum Endspiel der Klub-WM am Samstagabend in Marrakesch gegen Raja Casablanca, war es noch nicht "seine" Mannschaft, wie er oft genug betont hat.

Sammer: "Guardiola ist kritischer als ich"

Er habe es überhaupt nicht verdient, an diesem Turnier teilzunehmen, sagte er vor und bei der Klub-WM. Der FC Bayern spiele für das Prestige des Vereins, für seine Profis und für seinen Vorgänger Jupp Heynckes, der Guardiola mit dem Triple-Gewinn in der Vorsaison diese Reise erst "geschenkt" habe.

In Marokko, meinte Guardiola vor dem Finale, "endet ein kleiner Zyklus". Der der Heynckes-Mannschaft. Ab Januar sollen aus den Jupp-Bayern endlich die Pep-Bayern werden. "Wir wollen die Bundesliga gewinnen und in der Champions League, dem schwierigsten Wettbewerb überhaupt, um den Titel kämpfen", sagte Guardiola.

Wenn es einer schafft, die Bayern auf Europas Fußball-Thron zu halten, dann Guardiola - da sind sie sich beim Rekordmeister einig. "Er ist ein Genius", sagte Sportvorstand Matthias Sammer am Samstag dem Münchner Merkur. Der Coach, meinte Sammer, strebe nach nichts Geringerem als nach Perfektion. "Guardiola ist einer der kritischsten Trainer, die es gibt. Er ist viel kritischer als ich. Er sagt immer: 'Ich bin nicht zufrieden.' Jede Woche sagt er, was wir verbessern müssen."

Guardiola erfüllt Klinsmanns Versprechen

Dabei besitze Guardiola die Gabe, es für sein Gegenüber nicht als Kritik aussehen zu lassen. "Er macht das lächelnd, die Leute merken gar nicht, wie ernst es ihm ist", sagte Sammer: "Aber inhaltlich ist er messerscharf. Messerscharf! Seine Klarheit ist beeindruckend." Das schätzt auch Präsident Uli Hoeneß an dem Mann, dessen Verpflichtung er für einen seiner größten Coups als Fußball-Funktionär hält. "Bei den Treffen mit ihm hast du immer das Gefühl, dass du weiterkommst im Leben", sagte er vor einigen Wochen über Guardiola.

Auch wenn die hohen Herren des FC Bayern nicht immer alles gleich verstehen, was Guardiola da ausheckt; auch wenn manches Experiment (Diego Contento als Innenverteidiger?!) sich im Nachhinein als zu gewagt erweist: In München hat sich das Gefühl breitgemacht, dass das Versprechen, das Jürgen Klinsmann einst bei seinem Amtsantritt gegeben hatte, unter Guardiola Wirklichkeit wird - dass jeder Spieler jeden Tag ein bisschen besser wird.

Guardiola hat Heynckes' scheinbar perfekte Triple-Bayern noch einmal auf ein neues Niveau gehoben. Das dürfte sich im kommenden Mai in Form von weiteren Trophäen auszahlen. Wenn es soweit kommt, kann vielleicht auch der getriebene "Genius" Guardiola mal abschalten. Wenigstens für einen kurzen Augenblick.

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