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Kaum etwas fasziniert die Fans so sehr wie das Kaufen und Abgeben von Spielern. Aber lohnen sich Großinvestitionen wirklich? Und welche Einfluss haben Transfers auf den Erfolg?

KOMMENTAR
Von Carlo Garganese 

Die Zeiten, in denen ein Klub ohne viel Geld um die größten Titel des Fußballs kämpfen konnte, sind vorbei. Einst konnten Athletic Bilbao und Verona die Topligen in Spanien und Italien gewinnen und Mannschaften aus Rumänien, dem ehemaligen Jugoslawien und den Niederlanden mit ihren Eigengewächsen um die Champions League kämpfen.

Der heutige Fußball wird vom Geld dominiert. Und wie dieses Geld auf dem Transfermarkt eingesetzt wird, entscheidet über Erfolg und Misserfolg eines Vereins. Jedenfalls an der Spitze des Sports.

Es ist gewiss kein Zufall, dass nahezu alle großen Titel der letzten fünf Jahre von jenen Supermächten gewonnen wurden, die auf dem Transfermarkt massiv investiert haben. Die einzige echte Ausnahme bilden Borussia Dortmunds Titel in der Bundesliga und Milans Scudetto in der Spielzeit 2010/11.

Die Qualität des Spielers ist für die Elite immer das Hauptkriterium wenn es um eine Verpflichtung geht. Bayern München merkte nach dem verlorenen Champions-League-Finale vor 18 Monaten, dass dem Team nur zwei, drei Spieler von Topklasse fehlten, um den entscheidenden Schritt zu machen. Sie waren bereit, den Ablöserekord der Bundesliga zu brechen und für 40 Millionen Euro für ihren Wunschspieler Javi Martinez aus Bilbao loszueisen.

SCHLÜSSEL ZUM TRIPLE - BAYERNS EINKÄUFE '12
Spieler
Javi Martinez
 
Mario Mandzukic
 
Xherdan Shaqiri  

Dante
 
Mitchell Weiser

Tom Starke

Claudio Pizarro
Von
Athletic

Wolfsburg
 
Basel

Gladbach
 
Köln

Hoffenheim

Bremen
Ablöse
40 Mio €

13 Mio €
 
11,6 Mio €

4,7 Mio €
 
0,5 Mio €

Frei

Frei

Genau das ist das richtige Vorgehen, wenn man die ganz großen Titel anpeilt. Im Zweifel ist es besser, 40 Millionen Euro für einen gestandenen Profi auszugeben, der die erste Elf verbessert, als vier ordentliche Spieler für jeweils zehn Millionen Euro zu verpflichten. Was den letzten Punkt angeht, ist zum Beispiel Rafa Benitez schuldig. Mal abgesehen vom irren Sieg in der Königsklasse 2005 schaffte er es nicht, den Klub von der Anfield Road wieder zu einer europäischen Macht zu machen.

Auch die Quantität ist nicht zu vernachlässigen. Die Spielzeiten sind mittlerweile lang und anstrengend, mit bis zu 60 Pflichtspielen für die Vereine. Die Kader müssen tief sein, um an allen Fronten erfolgreich zu sein und auf Sperren und Verletzungen reagieren zu können. Allerdings sind mittlerweile viele Topteams breit aufgestellt und aus diesem Grund wird die Bayern-Methode die Benitez-Formel, wenn sie richtig angewendet wird, auch für gewöhnlich schlagen.

Indes gibt es auch Klubs, die womöglich dafür bezahlen müssen, dass sie mehr oder weniger alles auf eine Karte setzen: Zum Beispiel führt Arsenal nach der 50-Millionen-Verpflichtung Mesut Özils die Premier League an. Sollte sich allerdings Stoßstürmer Olivier Giroud oder einer der Topverteidiger verletzen, dann könnte es für die nicht überall herausragend besetzten Gunners eng werden.

Arsene Wenger hat es selbst oft genug gepredigt: Geld sollte nicht leichtsinning verprasst werden. Manchester City investierte im Sommer 111 Millionen Euro in vier Spieler: Stevan Jovetic, Alvaro Negredo, Jesus Navas und Fernandinho. Ein Quartett, das die Citizens nicht näher an den Gewinn der Champions League bringt und die Mannschaft nicht signifikant verstärkt hat. Die Gesamtkosten von Manchester United für die Verpflichtung Marouane Fellainis belaufen sich nach Berücksichtigung aller Faktoren (Ablöse, Gehalt, Handgeld, Beraterhonora, Steuern, Boni) auf groteske 97 Millionen Euro. Angesichts eines soliden Spielers, der auf höchstem Niveau bislang nichts gezeigt hat, könnte dies als die die größte Geldverschwendung in die Geschichte eingehen.

Verantwortungslos einzukaufen kann einem Verein auch außerhalb des Rasens schaden. Leeds Uniteds Versuch um die Jahrtausendwende mit den Topteams mitzuhalten hat den Traditionsklub implodieren lassen. Der Verein wurde mehrfach verkauft, musste seine besten Kicker abgeben und mehrere Punktabzüge führten dazu, dass United sich zwischenzeitlich in der dritten englischen Liga wiederfand. Es ist nun an Michel Platini, mit seinem Financial Fair Play die Klubs (vor sich selbst) zu schützen.

Unklug ist es auch, Transfers zu tätigen um die eigenen Fans zu besänftigen. Der AC Milan benötigt seit Jahren einen herausragenden Defensivspieler. Doch in 2013 gaben die Rossoneri zwei Drittel ihres Transferbudgets für Angreifer aus und in der Offensive war Milan eigentlich gut besetzt. Allerdings hilft ein großer Name, in diesen Falle der von Mario Balotelli, um die Moral des Klubs zu stärken. Es kann jedoch auch kontraproduktiv sein, wenn die Mannschaft den Spieler eigentlich nicht benötigt.

Ähnliche Vorwürfe musste sich auch Real Madrid anhören, nachdem Gareth Bale für knapp 100 Millionen Euro geholt worden war. Schließlich tummelten sich im offensiven Mittelfeld der Blancos bereits Ausnahmekönner wie Cristiano Ronaldo, Angel di Maria, Isco und der später verkaufte Özil. Experten und Fans hätten lieber die Verpflichtung eines Topstürmers wie Luis Suarez gesehen. Der Bale-Transfer war allerdings zu einem wesentlichen Teil auch kommerziell motiviert. "Bale war günstig", erklärte Reals Präsident Florentino Perez anschließend. Allein durch Trikotverkäufe möchte er einen Großteil der Ablöse wieder hereinholen. "Seine Verpflichtung ist ein Modell für Madrid. Wir kaufen die besten Spieler der Welt und alle großen Spieler Madrids waren günstig."

"Bale war güstig. Er ist ein Modell für Madrid, wir kaufen die Besten der Welt. Alle großen Spieler Madrids waren günstig.


- Florentino Perez zum Bale-Deal

Diese kommerziellen Überlegungen spielen bei den Transferentscheidungen der Spitzenklubs mittlerweile eine immer größere Rolle: Nachdem Real Madrid David Beckham im Juli 2003 verpflichtet hatte, generierten allein seine Trikotverkäufe bis zum November 78 Millionen Euro. In dem Jahr als Beckham nach Madrid kam, steigerten sich Reals Einnahmen um 27 Prozent. Der AC Perugia verschiffte 25.000 Trikots nach Japan, als Hidetoshi Nakata beim Serie-A-Klub unterschrieben hatte. So richtig lohnt sich auch ein großer Transfer allerdings nur, wenn auch die Resultate auf dem Platz passen. Und während der Beckham-Jahre in Madrid gewann Real nur einen Meistertitel.

Es gibt auch Vereine, die Spieler kaufen, um ihre direkte Rivalen zu schwächen. Es fällt einem sofort Bayern München ein: Der FCB steht seit langem im Ruf, die besten Spieler der Bundesliga zu holen und nach dem Transfer von Mario Götze (und bald auch dem von Robert Lewandowski) von Borussia Dortmund wurden die Beschwerden darüber auch wieder lauter. Der AC Milan verpflichtete während der 1990er Jahre reihenweise Stars, nur um sie später auf der Bank zu lassen. Die damaliga Milan-Generation und Bayerns aktuelle Mannschaft erreichten allerdings unglaubliche Erfolge, sodass der Zweck die Mittel heiligte.

Ein Fußballklub kann es sich niemals leisten, sich auf seinen Errungenschaften auszuruhen. 2007 erreichte der AC Mailand sein drittes Champions-League-Endspiel binnen fünf Jahren und der 2:1-Sieg über Liverpool bedeutete den siebten Triumph in Europas höchstem Vereinswettbewerb. Milan war das dominante Team in Europa in jenem Jahrzehnt. Doch dann entschieden sich Silvio Berlusconi und Adriano Galliani, weiterhin auf die goldene Generation zu setzen und die Mannschaft nicht weiterzuentwickeln. Ein Großteil der Leistungsträger im Team von Carlo Ancelotti hatte die 30-Jahre-Marke bereits erreicht und der Abstieg der Mailänder begann. Abgesehen vom Scudetto 2011 ist der Trend nach wie vor nicht umgekehrt.

                     Kuss des Todes | Milans Abstieg begann, weil nach dem Erfolg 2007 nicht investiert wurde

Langfristige Planungen nehmen auf dem Transfermarkt eine Schlüsselrolle ein. Sir Alex Ferguson gilt als einer der besten, wenn nicht sogar der beste Manager aller Zeiten. Einer der wenigen Kritikpunkte am Schotten ist indes, dass er seinem Nachfolger David Moyes ein Team hinterließ, in dem großer Umbaubedarf besteht. Jose Mourinho hat in Portugal, England, Italien und Spanien praktisch alle Titel abgeräumt, die es gibt. Doch ihm wird vorgeworfen, auf dem Transfermarkt nur nach kurzfristigen Lösungen zu suchen und fertige Stars jungen Talenten vorzuziehen. So kann er eher mit sofortigem Erfolg rechnen. Aber es führt dazu, dass all seine Ex-Klubs (mit Ausnahme Real Madrids) einen Neuaufbau benötigten, nachdem er weg war.

Die Balance zwischen gestandenen Stars und jungen Akteuren mit Potenzial zu finden ist die Kunst. Ein Beispiel dafür ist Arsene Wenger, der seit dem FA Cup 2005 nichts mehr mit Arsenal gewonnen hat. Er legt großen Wert auf das Entwickeln von jungen Spielern und diese Strategie führt auch höchstem Niveau nicht mehr zu Erfolgen. Im vergangenen Sommer entschied sich der Franzose, mit Mesut Özil einen etablierten Star und mit Mathieu Flamini einen erfahrenen Rechen zu verpflichten. Nun steht Arsenal an der Spitze der Premier League.

Transfers haben einen immensen Einfluss auf Fußballklubs: Gibst Du Dein Geld mit Verstand aus, wirst Du mit Erfolg belohnt. Siehe Bayerns Triple 2013. Wir das Geld dagegen verschleudert, oder Du verpasst den richtigen Zeitpunkt zum Investieren, dann bist Du zum Scheitern verurteilt. Siehe AC Milan.


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