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Der Linksverteidiger des 1. FC Nürnberg hat in dieser Saison den Sprung zum Stammspieler geschafft. Mit Neu-Trainer Gertjan Verbeek soll nun der aus dem Tabellenkeller gelingen.

INTERVIEW
Das Gespräch führte Robert Bobbe

Nürnberg. Marvin Plattenhardt ist in dieser Saison beim 1. FC Nürnberg aus dem Schatten von Javier Pinola herausgetreten. Seit dem dritten Spieltag stand der U21-Nationalspieler mit einer Ausnahme stets in der Startelf der Franken. Im exklusiven Goal-Interview sprach der Defensivmann über den neuen Trainer beim Club, Gertjan Verbeek, und seine Hoffnungen auf eine Nominierung für die A-Nationalmannschaft.

Herr Plattenhardt, vor einer Woche beim 2:2 gegen Rumänien haben Sie die U21 erstmals als Kapitän auf's Feld geführt. Was war das für ein Gefühl?

Plattenhardt: Es war natürlich eine große Ehre für mich, als der Trainer mir die Kapitänsbinde gegeben hat. Man muss aber auch eingestehen, dass unser etatmäßiger Kapitän Kevin Volland nicht dabei war. Zudem mussten Emre Can und Moritz Leitner wegen ihrer Gelbsperren bereits abreisen. Trotzdem hat es mich sehr gefreut.

Was läuft unter Horst Hrubesch in der U21 anders als noch unter Rainer Adrion?

Plattenhardt: Unter Rainer Adrion war ich nur zwei Mal dabei. Von daher kann ich kein gerechtes Urteil abgeben. Wir haben aber auch unter ihm gute Ergebnisse erzielt. Klar ist auch, dass mit Horst Hrubesch wieder neuer Wind hereingekommen ist. Es geht jetzt darum, dass wir als Team noch besser zusammenwachsen.

Hrubesch gilt als Trainer, der ein "Händchen für junge Spieler" hat. Was zeichnet ihn aus?

Plattenhardt: Das merkt man in jedem Training mit ihm. Er redet viel mit uns, gibt vor der Mannschaft super Ansprachen und schafft es, uns jedes Mal perfekt einzustellen. Im Training gibt jeder Vollgas. Es passt einfach zwischen Trainer und Mannschaft. Er ist ein sehr, sehr guter Trainer.

Mit der U17 haben Sie 2009 den EM-Titel geholt. Ist der Finalsieg gegen die Niederlande bis heute das Highlight Ihrer noch jungen Karriere?

Plattenhardt: Er gehört auf jeden Fall mit dazu. Die gesamte EM war damals großartig. Wir hatten ja einen guten Jahrgang, einige von uns sind inzwischen in der Bundesliga etabliert wie Mario Götze oder Marc-Andre ter Stegen. Die WM in Nigeria würde ich aber auch hoch einordnen. Leider sind war gegen den späteren Weltmeister Schweiz bereits im Achtelfinale ausgeschieden. Natürlich ist aber auch für den 1. FC Nürnberg zu spielen etwas Besonderes.

Wie beurteilen Sie die rasante Entwicklung damaliger Mitspieler wie eben Mario Götze und Marc-Andre ter Stegen? War es abzusehen, dass sie sich so schnell in der Bundesliga würden etablieren können?

Plattenhardt: Bei Mario Götze konnte man das sehr früh erkennen. Was er früher in der Jugend abgeleistet hat, war schon sensationell. Man sieht ja, was bis heute aus ihm geworden ist. Das freut mich sehr für ihn. Ter Stegen aber auch Bernd Leno sind zwei Top-Torhüter, bei denen man schon damals erahnen konnte, dass sie es packen würden. Man sieht, wie schnell es manchmal gehen kann: ein paar gute Spiele oder eine gute Saison. Das ist doch gerade das Tolle am Fußballgeschäft.

Wie schätzen Sie ihre Chancen ein, künftig auch in der A-Nationalmannschaft eine Chance zu erhalten? Auf der Linksverteidiger-Position ist die Konkurrenz im Vergleich zu anderen eher überschaubar.

Plattenhardt: Das Ziel als U21-Spieler ist es auf jeden Fall, den nächsten Schritt zu machen. Man hört ja ständig, dass Linksverteidiger gesucht werden und Außenverteidiger generell wichtig für den Spielaufbau sind. Zwar sind Marcel Schmelzer und Marcell Jansen starke Spieler, ich habe aber auch Fuß gefasst in der Bundesliga und lasse mich überraschen, was die Zukunft bringt. Im Moment konzentriere ich mich allerdings voll auf den 1. FC Nürnberg und die EM-Qualifikation mit der U21.


"Gertjan Verbeek ist der richtige Trainer. Mit ihm wird es wieder nach oben gehen für uns."



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Marvin Plattenhardt


Der Hype um Ihre Person war bereits vor zwei Jahren groß, als der Durchbruch schon geschafft schien. Es folgte eine durchwachsene letzte Saison. Wie haben Sie die Zeit erlebt?

Plattenhardt: Es ist natürlich nicht leicht, wenn man Javier Pinola vor sich hat. Er hat einiges geleistet für den Verein. Da ist es schwierig, als junger Spieler direkt dran vorbeizukommen. Ich denke dennoch, dass ich mir in den letzten zwei bis drei Jahren ein gewisses Standing erarbeitet habe.

Seit dem Trainerwechsel von Michael Wiesinger zu Gertjan Verbeek zeigt sich der 1. FC Nürnberg verbessert und hat in drei Spielen überzeugende Leistungen geboten. Wie ist die Stimmung im Team, wenn man dennoch weiterhin ohne Sieg in dieser Saison dasteht? Und woran merkt man das konkret?

Plattenhardt: Trainerwechsel hin oder her: Wenn man die Punkte, die es braucht, nicht holt, wird es schwierig. Man merkt, dass die Stimmung nicht so gut ist wie in den vorherigen Jahren. Es ist ja klar, dass eine Mannschaft, die oben steht, mit einem ganz anderen Gefühl und selbstbewusster auftritt. Unser Trainer hat vorgegeben: Wir brauchen noch 30 Punkte, um nicht abzusteigen! Diese gilt es, zu erreichen.

Verbeek wurde bei seiner Verpflichtung als besonders "harter Hund" eingeschätzt. Was macht ihn in der täglichen Trainingsarbeit aus? Worauf legt er besonderen Wert?

Plattenhardt: Ich habe davon noch nichts mitbekommen. Ich denke aber schon, dass er auch hart werden kann, wenn ihm etwas nicht passt. Vor allem legt er aber Wert auf Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit. Das gibt er uns jeden Tag im Training mit. Ich bin überzeugt: Gertjan Verbeek ist der richtige Trainer. Mit ihm wird es wieder nach oben gehen für uns.



Ihr Vertrag in Nürnberg läuft nach dem Ende dieser Saison aus. Wie steht es um eine Vertragsverlängerung?

Plattenhardt: Unser Manager Martin Bader hat angekündigt, dass es in diesem Jahr noch erste Gespräche geben soll. Das ist aber erst einmal zweitrangig. Ich möchte mich auf die Saison konzentrieren.

Könnten Sie sich denn einen Wechsel ins Ausland vorstellen? Wenn ja, welche Liga reizt Sie?

Plattenhardt: Im Fußball weiß man nie, was passiert. Und natürlich haben vor allem England und Spanien tolle Klubs und tolle Ligen – aber ehrlich: Da mache ich mir im Moment gar keine Gedanken. Ich will mit Nürnberg aus dem Tabellenkeller raus, an alles andere denke ich nicht.

Der Spieltag stand komplett im Schatten des deutschen Clasico. Wie erleben Sie es, dass Bayern München und Borussia Dortmund sich vom Rest der Liga absetzen?

Plattenhardt: Man sieht, dass beide Mannschaften ein sehr hohes Niveau haben. Sowohl Bayern als auch der BVB haben großartige Einzelspieler, die für die Entscheidung in einem Spiel sorgen können. Aber auch Bayer Leverkusen schätze ich hoch ein. Sie werden so lange wie möglich oben dranbleiben.

Wie sieht Ihr Leben abseits des Platzes aus? Haben Sie manchmal das Gefühl, im Vergleich zu anderen 21-Jährigen etwas zu verpassen?

Plattenhardt: Es hat alles sein Für und Wider. Wenn ich mit meinen alten Freunden unterwegs bin, merke ich schon, dass sie ein anderes Leben führen als ich, und das müssen sie auch. Man selbst muss oftmals auf Dinge verzichten können. Vieles muss dem Profifußball untergeordnet werden, um körperlich und mental topfit zu sein.

Gehören Sie zu denjenigen, die sich auch mal mit anderen in den gängigen Fußballspielen an der Konsole duellieren?

Plattenhardt: Wenn es die Zeit zulässt, greife ich schon mal zum Controller. Ich spiele dann oft mit Real Madrid – oder natürlich auch mit dem Club.

EURE MEINUNG: Ist Marvin Plattenhardt auf lange Sicht ein Fall für Joachim Löw?

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