thumbnail Hallo,

Der wöchentliche Blick hinter die Kulissen bei den "Rothosen" – jeden Dienstag exklusiv bei Goal.

KOLUMNE | Von Daniel Jovanov

Liebe Leser,

ich gestehe, dass ich kein Freund von Länderspielpausen bin, weil der HSV dadurch etwas in den Hintergrund rückt. Dieses Mal ist es jedoch etwas anders. Mit Marcell Jansen hat der HSV nach langer Zeit wieder einen Nationalspieler, der sich tatsächlich Hoffnungen auf einen Stammplatz im Team von Jogi Löw machen kann. Die These leitet sich nicht nur daraus ab, dass Jansen im wichtigeren der beiden Länderspiele zum Einsatz kam – sondern auch deshalb, weil er gegen die Italiener und insbesondere gegen Mario Balotelli eine gute Figur abgegeben hat.

Heute wird Marcel Schmelzer von Borussia Dortmund auf der Position des Linksverteidigers beginnen. Dass Löw nicht unbedingt auf ihn steht, ist kein Geheimnis. Besser für Marcell Jansen, der lange gebraucht hat, um dorthin zu kommen, wo er heute steht. Dies hat er auch Ex-Trainer Thorsten Fink zu verdanken, der ihn beim HSV vom linken offensiven Mittelfeld auf die Position des Außenverteidigers zurückgezogen und damit eine von letztlich wenigen richtigen taktischen Entscheidungen getroffen hat. Für eines der Probleme in seinem Spielsystem hatte Fink nämlich keine Lösung: das zentrale Mittelfeld.

Dies scheint nach erster Einschätzung unter Bert van Marwijk etwas anders zu sein und ist zwangsläufig auf die Personalie Pierre-Michel Lasogga zurückzuführen. Der physisch starke und 1,89 Meter große Stürmer bringt das mit, was dem Spiel bislang fehlte. Als Anspielstation in der Spitze entlastet er das zentrale Mittelfeld, das ob seiner Qualitäten in der Ballbehauptung mehr Zeit zum Nachrücken hat. Zudem sind lange und hohe Bälle wieder eine Option, da Lasogga, anders als Beister, Son oder Rudnevs deutlich mehr Durchsetzungsvermögen in der Luft an den Tag legt. Seine technischen Defizite gleicht er durch das hohe Laufpensum aus und ist zudem ein wichtiger Akteur beim Pressing bei Ballbesitz des Gegners.

Die durch Lasogga mögliche Option der langen Bälle oder Flanken in den Strafraum führte gegen Leverkusen gleich zu zwei Toren. Da sich die gegnerischen Teams zukünftig auf diese Varianten einstellen müssen, liegt der Fokus nicht mehr so stark auf die zentralen Mittelfeldspieler. Van der Vaart, Arslan und Badelj haben verstärkt die Möglichkeit aus der zweiten Reihe zum Abschluss zu kommen, was sich bei den beiden Letzteren zwar noch nicht signifikant auf die Torbeteiligungen auswirkt, dennoch zunehmend zu einer Option wird. Allein im Heimspiel gegen Gladbach habe ich zwei Szenen gezählt, in denen Badelj in aussichtsreicher Position zum Torabschluss kommt.

Das Thema Ballbehauptung in der Spitze scheint zumindest bis zum Saisonende gelöst zu sein. Ob Lasogga langfristig verpflichtet werden kann, ist eher unwahrscheinlich. Dazu fehlen dem HSV die finanziellen Mittel. Die zunächst mit Verwunderung begutachtete Aussage von Oliver Kreuzer, dem Kader fehle es an Größe, kann im Nachhinein als durchaus treffende Einschätzung gewertet werden. Die entsprechende Neuverpflichtung ist daher der logische und richtige Schritt – unabhängig davon, ob Ex-Sportchef Frank Arnesen bereits vor einem Jahr an Lasogga dran war, oder nicht. Wichtig bleibt nur, dass die „große Lösung“ im Kader ihre Früchte trägt und van Marwijk die Mannschaft taktisch weiterentwickeln kann.

Dass es auch außerhalb des Platzes zu einer großen und für den HSV richtigen und sinnvollen Lösung kommt, vermag ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beurteilen. Ich werde mich allerdings um Neutralität bemühen und möglichst vielen Gesprächspartnern eine Möglichkeit bieten, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Die Probleme des Vereins lassen sich nach meiner Beurteilung auf zwei Punkte zusammenfassen: Der HSV hat ein finanzielles Problem, für dessen Lösung es kreative und neuartige Ideen bedarf. Und er braucht Entscheider im sportlichen Bereich, die das Geld sinnvoll und Erfolg versprechend einsetzen können.

Beim letzteren Punkt sehe ich trotz aller Vorbehalte gegen Kreuzer die kleineren Defizite. In Kombination mit van Marwijk glaube ich an ein zukunftsfähiges Team für die kommenden Spielzeiten. In Sachen Finanzen wird es durchaus schwieriger. Doch von einer hysterischen Debatte halte ich wenig, da sie sich immer weiter vom eigentlichen Thema entfernen wird: dem Fußball. Das Spiel allein kann viele Probleme lösen und die offensichtlichen Gräben innerhalb der Mitgliedschaft zuschütten. Es ist ihnen jedenfalls zu wünschen.

 Folge HSV-Reporter Daniel Jovanov auf und und bleibe ständig am Ball!

Dazugehörig