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Anklage gegen Bayern-Präsident Uli Hoeneß zugelassen

Im kommenden Jahr muss sich Hoeneß in der Steueraffäre vor Gericht verantworten. Der Rekordmeister hält weiter an seinem Präsidenten fest, erntet dafür aber auch Kopfschütteln.

München. Der Arm der Justiz griff bereits nach Uli Hoeneß, da plauderte der am Münchner Flughafen noch gewohnt süffisant über Borussia Dortmund. Obwohl der Präsident von FC Bayern München vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel in Pilsen gewiss schon wusste, dass er sich in seiner Steueraffäre im März 2014 vor Gericht verantworten muss, ließ er sich nichts anmerken.

Überraschend kam diese Mitteilung offenbar weder für den 61-Jährigen, noch für den Rekordmeister selbst, der seinem Patron wenige Minuten später den Rücken stärkte. Gegen 10.30 Uhr am Montag verschickte die Pressestelle des Oberlandesgerichts München II die brisante Botschaft.

Die zuständige 5. Strafkammer des OLG hat die Anklage der Staatsanwaltschaft München II gegen Hoeneß wegen Steuerhinterziehung vom 30. Juli 2013 "unverändert" zur Hauptverhandlung zugelassen. Der Prozess beginnt am 10. März 2014, zunächst sind vier Verhandlungstage angesetzt.

Hoeneß, dessen Anwälte bis zuletzt versucht hatten, eine gerichtliche Verhandlung zu verhindern, hatte beim Finanzamt Anfang des Jahres Selbstanzeige wegen eines nicht ordnungsgemäß deklarierten Kontos in der Schweiz erstattet. Diese soll nicht vollständig gewesen sein. Er reichte eine zweite Selbstanzeige ein, da ermittelte die Staatsanwaltschaft aber bereits. Es soll um rund drei Millionen Euro gehen.

Rückendeckung vom FC Bayern

Nach der Ankunft in Pilsen gab sich Hoeneß kämpferisch. "Ich bin überrascht, dass die Selbstanzeige nicht als wirksam erachtet wird. Wir werden bis zum Prozess im März alles tun, um das Gericht von unseren Argumenten zu überzeugen. Ich habe nicht gewusst, was das Gericht entscheidet. Wir müssen uns mit dieser Situation auseinandersetzen und auf den Prozess vorbereiten."

Der FC Bayern reagierte auf die neue Sachlage ausführlich. Die Kerninformation: Hoeneß wird seinen Vorsitz im Aufsichtsrat des Rekordmeisters zunächst behalten. Das Gremium habe "einvernehmlich" entschieden, dass er das Amt bei der FC Bayern München AG trotz der erfolgten Eröffnung des Hauptverfahrens ausüben soll", hieß es in einer Stellungnahme. Zur Vorbereitung seiner Entscheidung habe man ein Rechtsgutachten über die Pflichtenlage des Aufsichtsrats im Steuerfall Uli Hoeneß eingeholt.

Jenes sei zu folgendem Ergebnis gekommen: "Es liegt im Rahmen des den Mitgliedern des Aufsichtsrats zustehenden Ermessens, Herrn Hoeneß keinen Amtsverzicht nahezulegen, sondern ihm das Vertrauen für die Fortführung seines Amtes auszusprechen."

Die Aufsichtsratsmitglieder haben die Pflicht, dem "Wohl der FC Bayern München AG am besten zu dienen". Angesichts der 30-jährigen Verdienste für den Verein und die Unterstützung der Mehrheit der FCB-Mitglieder steht der Aufsrichtsrat hinter der Entscheidung, weiterhin an Hoeneß als Präsidenten festzuhalten.



Hoeneß hilft Rückendeckung extrem

Trotz einer möglichen strafrechtlichen Verurteilung wird der Klub von seiner Entscheidung nicht abweichen. Demnach sei "die Vorstellung fehlerhaft", dass der FCB eine "Null-Toleranz"-Politik gegenüber Hoeneß verfolgt. Zumal sich die "Pflichtverletzungen im Privatbereich" abspiele.

Das Vertrauen des Klubs sei für ihn enorm wichtig, erklärte Hoeneß bei Sport Bild: "Das hab' ich von Anfang an gemerkt, in allen Sitzungen war immer die hundertprozentige Unterstützung spürbar. Ich habe sehr viele Briefe von Fans bekommen, die sich sich hinter mich als Präsident stellen. Das hat mir und meiner Familie in den letzten schwierigen Monaten extrem geholfen. Ich habe diese Fehler als Privatmann gemacht und stehe als Privatmann dazu, aber ich glaube nicht, dass meine Arbeit für den FC Bayern darunter gelitten hat."

Unterdessen äußerte die Anti-Korruptionsorganisation Transparency International auch Kritik am Festhalten an Hoeneß. Die Sportbeauftragte Sylvia Schenk (61) betonte gegenüber der Welt: "Braucht es an der Spitze eines Klubs wie dem FC Bayern einen Menschen, der glaubwürdig für Fairness und Regeleinhaltung steht?"

Das Vorgehen des Aufsichtsrates drohe auch den Kampf gegen Spielsucht im Fußball zu sabotieren. "Es gibt viele junge Fußballer, die ein problematisches Wettspielverhalten aufweisen. Wenn nun Hoeneß, der offen seine Spielsucht thematisierte, als Vorbild im Amt bleibt, dann sendet das kein gutes Signal aus", äußerte Schenk.

"Von Geldstrafe bis Freiheitsstrafe"

Hoeneß' langjähriger Weggefährte Franz Beckenbauer äußerte sich bei einem Termin im Münchner Olympiapark zurückhaltend. "Es kann ein gutes und schlechtes Zeichen sein. Er ist ja noch nicht verurteilt. Er hat jetzt die Chance alles offen zu legen. In der katholischen Kirche bekommt man auch eine zweite Chance. Warum sollten wir ihm dann nicht auch eine zweite Chance geben?", sagte Beckenbauer.

Im März hatte die Staatsanwaltschaft das Privathaus und Büroräume von Hoeneß untersucht und Haftbefehl erlassen. Dieser wurde gegen Zahlung einer Kaution in Millionenhöhe außer Kraft gesetzt. Das drohende Strafmaß für Hoeneß hängt von der Schwere der Tat ab.

"Das Strafmaß reicht von Geldstrafen bis zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren - in besonders schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahren", sagte der Kölner Strafrechtler Jan Heeg bild.de. Ob Hoeneß bei einer Verurteilung ins Gefängnis muss, wird nicht zuletzt davon abhängen, wie hoch der Streitwert letztlich bemessen wird. Liegt die strafrechtlich relevante Schuld unter der Grenze von einer Million Euro, ist eine Bewährungsstrafe möglich, jenseits dieses Limits nicht mehr.

Das Oberlandesgericht München II erklärte in einer Pressemitteilung, dass während der Verhandlung des Falls Hoeneß die Vernehmung von vier Zeugen vorgesehen sei. "Einzelheiten zum Anklagevorwurf können aufgrund der besonderen Geheimhaltungspflichten in Steuerstrafverfahren vor der Verlesung des Anklagesatzes in öffentlicher Sitzung nicht mitgeteilt werden", hieß es weiter. Nachsicht vom zuständigen Richter Rupert Heindl darf Hoeneß kaum erwarten: der hat den Spitznamen "Richter Knallhart".

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