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Wöchentlich nehme ich die Geschehnisse rund um Borussia Mönchengladbach aufs Korn. Was tut sich im BORUSSIA-PARK, was geht ab? Meine befangene Meinung findet ihr hier.

KOLUMNE

Von Gregor Becker

Mönchengladbach. Ein Segen, wer solche Fans hat! In der Vorwoche zeigte Borussia Mönchengladbach bei der 0:1-Niederlage gegen Hertha BSC einmal mehr das hässliche "Auswärtsgesicht". Die Anhänger feierten ihre Fohlen im Berliner Olympiastadion trotzdem, und zwar mit einer tollen Choreo. Exakt in Minute 19:00 wurde die ausverkaufte Gästekurve in die Vereinsfarben getaucht, dazu ein Banner mit der Aufschrift "Liebe kennt keine Entfernung" gehisst und ein überdimensionales Autokennzeichen mit der Nummer B – MG 1900 hochgehalten. Dafür gebührt den Fans ein riesen Kompliment.

Tolle Choreo der Borussen-Fans in Berlin

Letzten Sonntag gab es dann wieder "Business as usual" der positiven Art. Mit 4:1 fegte man Eintracht Frankfurt aus dem BORUSSIA-PARK und wahrte auch im fünften Heimspiel infolge die weiße Weste. Noch ein Heimsieg fehlt und die Fohlenelf hätte den Vereinsrekord aus der Saison 1987/1988 eingestellt. Gegen den 1. FC Nürnberg sollte das kein allzu großes Kunststück sein. Danach kommt dann der SC Freiburg, gegen den man dann gar die Bestmarke ausbauen könnte. Bei diesen beiden Partien fällt es leicht optimistisch zu sein, denn zuhause ist die Borussia eine Macht.

Borussias Tormaschine stottert auswärts

Allerdings liegen mir die Auswärtsspiele in Hamburg und Stuttgart dazwischen schwer im Magen. Wenn die Borussia die hervorragende Ausgangsposition um die internationalen Plätze festigen will, dann muss endlich mal ein Dreier auf des Gegners Platz her. Dazu ist vor allem eines vonnöten, Quantität muss in Qualität umgewandelt werden. Will meinen: Ein hoher Ballbesitzanteil muss zu mehr Toren führen. Zwar liegt die Borussia in der Statistik bei der Chancenverwertung mit 38,3 Prozent genutzter Tormöglichkeiten an der Spitze, doch diese Bilanz wird auch durch die Heimstärke der Fohlen verfälscht. Mit bislang 23 erzielten Treffern positioniert man sich hinter Dortmund und Hoffenheim und noch vor Bayern auf Rang drei, allerdings verteilen sich lediglich sechs Tore auf die Auswärtsbegegnungen.

Viel Ballbesitz verspricht ohnehin nicht zwingend Erfolg, wie auch ein Blick über den Tellerrand zeigt. Schaut man beispielsweise auf das Revierderby, so stellt man fest, dass in den letzten acht Duellen fünfmal das Team mit weniger Ballbesitz als Sieger vom Platz ging. Von unserem "Spiel ohne Ball" gegen den BVB im Park will ich erst gar nicht reden.

Ein "Auswärtsdeppen-T-Shirt" habe ich nie besessen und ich weigere mich auch, an einen Fluch zu glauben, aber erklären kann ich mir diese fast schon traditionelle Schwäche nicht. Woran liegt es, dass wir in der Fremde in den entscheidenden Momentenden Ball im Spielaufbau verdaddeln, vor dem Tor versagen, die entscheidenden Zweikämpfe verlieren und sich taktische oder individuelle Fehler häufen? Ich weiß es nicht und wäre hocherfreut, wenn der eine oder andere Leser eventuell eine Meinung beisteuern könnte.

Improvisation in der Viererkette

Bereitet ein Auswärtsspiel unserer Borussia generell Sorgen, so potenzieren sich diese noch durch das große Verletzungspech in der Defensive. Nun hat es also auch noch Roel Brouwers erwischt, der mit einem Muskelfaserriss im Adduktorenbereich mindestens einen Monat ausfällt und sich somit leider zunächst nicht für eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrages empfehlen kann. Bevor man in der Wintertransferperiode eventuell den berühmten Vorgriff auf die nächste Saison tätigen kann, gilt es also zu improvisieren. Und so riecht es gegen Hamburg nach einem Innenverteidiger-Duo mit dem nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurückkehrenden Martin Stranzl und Tony Jantschke.

Mach´s nochmal, Tony!

Eine Konstellation mit einem zentralen Abwehrspieler Jantschke hatte ich mir bislang nicht vorstellen können. Doch gegen die Eintracht hat es ja gut geklappt, auch wenn diese noch platt vom Europapokal weitgehend auf großen Angriffswirbel verzichtete, Hüne Alex Meier etwas zurückgezogen agierte und somit seinen Größenvorteil von 18 Zentimetern gegenüber Tony selten in die Waagschale werfen konnte.

Bei Hamburgs Pierre-Michel Lasogga sind es "nur" zwölf Zentimeter, doch der Junge ist im Moment so gut drauf (sieben Tore bei fünf Startelfeinsätzen), dass man ihn auch erst mal am Boden bekämpfen muss. Für den "Luftkampf" ist ja auch noch Stranzl da, aber ob man eine Viererkette situationsbedingt um einen Innenverteidiger "herumverschieben" kann, weiß ich jetzt auch nicht. Vielleicht setzt Lucien Favre ja auch auf Plan B. Thorben Marx soll nämlich beim Training ebenfalls in der zentralen Verteidigung gesichtet worden sein.

Ob nun Plan A, Plan B oder ein Gebet hilft? Irgendetwas muss passieren, um das Scheunentor auswärts auch trotz der vielen Verletzungen zu schließen. Denn von 15 Treffern kassierte die Borussia in der Ferne stattliche zwölf, was unterm Strich ein winziges Pünktchen und den vorletzten Platz in der Auswärtstabelle brachte. Dass man in diesem Ranking lediglich die "Nullinger" aus Hannover hinter sich lässt, ist jedenfalls ein schwacher Trost.

Schwarzweißgrüne Grüße

Euer

Gregor Becker

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