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Die Fan-Krawalle beim Revierderby beschäftigt nun auch den Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Borussia Dortmund muss mit einer drakonischen Strafe rechnen.

Dortmund. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes ermittelt gegen Borussia Dortmund, der Vizemeister selbst gegen die Chaoten unter seinen eigenen Fans: "Der Kontrollausschuss wird in beiden Fällen Ermittlungsverfahren einleiten und Stellungnahmen der Beteiligten einholen", bestätigte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker nach den Ausschreitungen beim Revierderby am vergangenen Samstag in der Schalker Arena sowie beim Zweitliga-Ostduell zwischen Dynamo Dresden und Energie Cottbus.

Kurz vor dem Anpfiff hatten vermummte Randalierer im Dortmunder Fan-Block unter anderem Bengalos abgebrannt und Raketen auf die Tribüne geschossen. Auch im Block selbst wüteten die Anhänger und zerstörten sogar eine Plexiglasscheibe, die sie mit kleinen Hämmern zerbrachen. Schiedrichter Knut Kircher hatte die beiden Mannschaften zunächst wieder in die Kabinen geschickt und die Partie erst fünf Minuten später angepfiffen.

"Bezeichnung Fan ist für solche Leute abwegig"

"Wer die Gesundheit anderer Menschen gefährdet und erhebliche Körperverletzungen in Kauf nimmt, hat sich damit selbst für die Fußball-Familie disqualifiziert. Die Bezeichnung Fan für solche Leute ist abwegig. Ich wäre dankbar, wenn unsere Gesprächspartner aus der Sicherheitsdiskussion wie Vertreter von Unsere Kurve, Pro Fans, 12Doppelpunkt12 sowie die Fan-Anwälte zu den Vorgängen ebenfalls eine Stellungnahme abgeben würden", sagte Reinhard Rauball, in Personalunion BVB- und Liga-Präsident, dem SID.

Auf SID-Anfrage verurteilte die Fanorganisation "Unsere Kurve" am Montagabend die Vorfälle auf Schalke. "Pyro hin oder her, Legalisierung hin oder her. Grundsätzlich ist es sehr fragwürdig, was auf Schalke passiert ist. So etwas muss niemand haben. Da sind einige Leute gewaltig übers Ziel hinausgeschossen", sagte Sprecher Christian Bieberstein und nahm vor allem den BVB in die Pflicht: "Der Verein hat bislang besonnen reagiert und muss es genauso weiter machen. Eine Kollektivstrafe bringt nichts. Die Situation muss im kritischen Dialog aufgearbeitet werden."

"Wenn Raketen in Zuschauerränge geschossen werden, hat das mit Fankultur nichts zu tun - das ist reine Selbstdarstellung, für die mir jegliches Verständnis fehlt. Wir werden mit null Toleranz vorgehen und durchgreifen", meinte BVB-Sportdirektor Michael Zorc bei Sport Bild plus. Man sei mit den betreffenden Gruppen im Dialog, aber dadurch, dass viele vermummt gewesen waren, sei es schwierig, Einzeltäter ausfindig zu machen, so Zorc.

"Es wird keine Schnellschüsse geben", wurde Klub-Boss Hans-Joachim Watzke im kicker zitiert, "Präzision geht vor Schnelligkeit." Schon nach dem Abpfiff hatte Watzke sichtlich verärgert drakonischen Maßnahmen angekündigt - auch in dem Wissen, dass dem BVB in jedem Fall eine empfindliche Strafe droht. Die Initiatoren des Pyro-Eklats und deren gesamten Fangruppen, die in Dortmund angeblich weitgehend bekannt sind, müssen sich auf Ticketsperren für Auswärtsspiele des BVB und Regressansprüche einrichten.

Nicht der erste Vorfall

Nach Informationen des kicker war Dortmund in den vergangenen fünf Jahren in 23 Fällen, zumeist aufgrund von Pyrotechnik - und in der Regel bei Auswärtsspielen - zu Geldbußen von insgesamt 215.000 Euro belegt worden.

Die Spekulationen über die möglichen Sanktionen für den Champions-League-Finalisten reichen von einer hohen sechsstelligen Geldstrafe bis hin zum Ausschluss der eigenen Fans beim nächsten Derby in Gelsenkirchen. In Dortmund steht das Duell der Erzrivalen am 25. März nächsten Jahres auf dem Spielplan.

Auswärtssperren gab es in der Vergangenheit schon mal für Fans von Dynamo Dresden, die ihren Klub nicht zum Gastspiel beim FC St. Pauli begleiten durften. Auch in den Niederlanden, Italien, Frankreich, der Schweiz und Polen sind derartige Maßnahmen nicht ungewöhnlich.

In Dortmund regieren alle Verantwortlichen unter anderem mit einer gehörigen Portion Frust. Alle Dialoge mit den Fangruppen, wie auch vor dem 143. Derby am Samstag, haben offenbar nicht gefruchtet. "Mit herkömmlichen Mitteln können wir Krawalle wie in Gelsenkirchen nicht verhindern", sagte Watzke im kicker. Ein Patentrezept hat auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) nicht parat. Die Polizei spricht von einer "unbelehrbaren Minderheit." In Nordrhein-Westfalen gebe es laut der Polizei etwa 1500 gewaltbereite Fans, bundesweit etwa 4000.

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