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Leverkusen will die Entscheidung des DFB-Sportgerichts in Sachen Phantomtor demütig aufnehmen. Es bleibt wohl das letzte Urteil: Die Einführung der Torlinientechnik steht bevor.

Köln. Die Steilvorlage kam von den Gralshütern des Fußballs höchstselbst, und das genau zur rechten Zeit. Während die Fans mit Spannung eine "Phantomtor"-Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht erwarten, die für den Fußball doch einigermaßen peinlich ist, öffnete sich in Zürich am Donnerstag ein Türchen, das nur durchschritten werden muss.

Das größte Hindernis für die Einführung von Torlinientechnik im deutschen Fußball ist ausgeräumt, nur vier Tage vor der Verhandlung über ein Wiederholungsspiel zwischen 1899 Hoffenheim und Bayer Leverkusen in Frankfurt/Main am Montag (ab 10.30 Uhr).

Wenn man die Worte von Reinhard Rauball am Freitag beim DFB-Bundestag in Nürnberg richtig interpretiert, wird es die wohl letzte Verhandlung über ein Phantomtor bleiben. Die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) beim Weltverband FIFA haben die Fehlertoleranz für Torlinientechnik von 3 cm auf 1,5 cm halbiert - die Deutsche Fußball Liga (DFL) hatte dies zur Bedingung erhoben, um zu einem nicht benannten Zeitpunkt grünes Licht für die Einführung zu geben.

"Herausforderung für juristische Experten"

Liga-Chef Rauball redet schon in der Vergangenheitsform. "Wir haben viel Kritik dafür einstecken müssen, dass wir uns noch gegen eine Torlinientechnik verwehrt haben, weil wir die Toleranzgrenze von drei Zentimetern als zu hoch erachtet haben. Das Board hat uns mit seiner Entscheidung bestärkt, denn das wäre auch unser Vorschlag gewesen", sagte der Präsident von Borussia Dortmund in Nürnberg: "Ich habe die FIFA schon oft kritisiert, aber in diesem Fall muss ich sie loben." Widerstand jedenfalls hört sich anders an.

Zunächst jedoch ist die Frage: Wiederholungsspiel - oder nicht? Für Hoffenheims Trainer Markus Gisdol dürfte sie gar nicht gestellt werden. "Zum Schluss muss die Fairness siegen. Ich denke, das Spiel werden wir noch einmal sehen. Ich gehe fest davon aus, dass es so kommen wird. Alles andere wäre ein Witz", sagte Gisdol: "Das Spiel darf ja nicht gelten." DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sieht den Fall als "Herausforderung für unsere juristischen Experten" und betonte, die Sportgerichtsbarkeit verdiene "höchstes Vertrauen".

Völler will Sportgerichtsurteil annehmen

Dieses bringt auch Rudi Völler dem Sportgericht entgegen. Nach Stefan Kießlings Kopfball durch das Außennetz ins Tor zum 2:0 in Hoffenheim (Endstand 2:1) wird der Sportchef das Urteil demütig annehmen. "Wir werden keinen Anwalt mitnehmen, weil wir das nicht brauchen und auch nicht wollen", sagte er dem SID: "Das, was entschieden wird, werden wir anstandslos akzeptieren."

Eine Entscheidung für eine Wiederholung ist unwahrscheinlich. Der Weltverband FIFA hat auf SID-Anfrage erneut auf die Endgültigkeit von Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter hingewiesen und klargestellt: "Dazu gehören auch das Ergebnis des Spiels sowie die Entscheidung auf Tor oder kein Tor." Dass der heilige Gral zerbrochen wird, scheint nahezu ausgeschlossen.

Der "Torschütze" Kießling wird am Montag als Zeuge aussagen. Er hat eine schwierige Woche hinter sich, bei der Diskussion über die Einführung eines TV-Beweises und weiterer technischer Neuerungen hat er aber dennoch gemischte Gefühle: "Man muss aufpassen, dass nicht noch mehr technische Änderungen gefordert werden. Der Fußball lebt auch ein Stück weit von Fehlentscheidungen, das war so und das wird sich auch nicht ändern."

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