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Diego ist nicht nur der Top-Verdiener beim VfL Wolfsburg, sondern der Spieler, auf dem die größten Erwartungen lasten. Er soll Spielgestalter und Führungspersönlichkeit sein.

Wolfsburg. Als er 2010 nach missglücktem Intermezzo bei Juventus Turin in die Bundesliga zurückkehrte, sollte er Zvjezdan Misimovic beim VfL Wolfsburg ersetzen. Dass die Entwicklung der Niedersachsen seitdem eher durchwachsen verlief, ist gemeinhin bekannt. Auch Diego Ribas da Cunha, besser bekannt als Diego, konnte selten die in ihn gesetzten Hoffnungen erfüllen.

Im Leihjahr bei Atletico Madrid, das im Gewinn der Europa League 2012 gipfelte, blitzte im Zusammenspiel mit Falcao, Arda Turan und Adrian Lopez seine Klasse abermals auf. Der Spielermacher spielte variabel und zweikampfstark. Er verkörperte genau das, was man in der Autostadt in ihm sah. Deshalb wurde er auch im Sommer trotz eines Zerwürfnisses mit Trainer Felix Magath zurückbeordert.

Seither ist er wieder Mittelpunkt häufiger Kritik. Dabei fällt auf, wenn auch erst beim zweiten Blick, dass der Brasilianer immer noch Vorzüge hat und weiterhin der zentrale VfL-Offensivanker sein kann. Mit der Ankunft von Trainer Dieter Hecking wurde das System nach seinen Vorstellungen geändert.

In der Rückrunde der letzten Saison teilte sich Diego mit Maximilian Arnold oder Ivan Perisic das offensive Zentrum, rotierte mit dem jeweiligen Partner oder verlagerte auf eine Seite. In Partien wie am 31. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach, als er im Halbraum sehr beweglich wirkte, sich auf die Flügel fokussierte, konnte er brillieren.

Neue Aufgaben unter Hecking

Eine entscheidende Entlastung zur neuen Spielzeit sollte mit der Rückkehr von Ja-Cheol Koo erfolgen, den Hecking als offensiven Sechser und ersten Zuarbeiter einplante. In den ersten Saisonspielen pendelte Diego wieder zwischen linker Seite und Zentrale, tauschte sich dabei mit Arnold aus oder belagerte mit dem jungen Hoffnungstalent die Mitte. Koo war damit beauftragt, ihn abzusichern und gleichzeitig die Bälle nach vorne zu tragen. Dadurch sollten die Offensivspieler entlastet werden. Zu oft konzentrierte sich beim VfL in der jüngeren Vergangenheit alles auf die offensive Dreierreihe, die als Block fast im Alleingang Torszenen initiieren musste.

Das Zusammenspiel mit dem technisch versierten Koo sah stellenweise schon ganz ordentlich aus, sofern beide zentral spielen konnten und die Flügel klar besetzt wurden, oder ein Spieler einrückte und es folglich zu sehr ansehnlichen Aktionen kam. Allerdings fehlte mitunter die Zielstrebigkeit. Nach schwächeren Partien fehlt der Südkoreaners, der auch zeitweise auf dem Flügel spielen musste, verletzt.

Gezielte Halbraumbelagerungen

Eine 4-1-4-1-ähnliche Grundformation wurde in den vergangenen Bundesligapartien nicht mehr aufgeboten. Insgesamt ist die Situation auf der Doppelsechs zu unklar. Diego wird derweil wieder vermehrt als zentraler Offensivspieler von Hecking aufgeboten, agiert in der Position als Taktgeber. Die Halbraumverlagerungen, wo er dazu tendiert gezielt Überzahlsituationen zu schaffen, geben zuweilen vor, über welche Seite in diesen Momenten verstärkt gespielt werden soll. Durch die Hereinnahme des defensivstarken Marcel Schäfer auf der linken Mittelfeldseite neigte er zuletzt dazu, mehr die rechte Halbposition zu bespielen. Diese Asymmetrie scheint eine gewollte Maßnahme Heckings zu sein und Diego fügt sich gut ins Konzept ein.

Aber woran mangelt es nun aktuell? Grundsätzlich sind die statistischen Werte des 28-Jährigen gut. Er weist mit 80,8 Prozent eine hohe Passgenauigkeit, zugleich eine für seine Position akzeptable Zweikampfquote mit 56,7 Prozent auf. Wobei er gerade am Boden 59,2 Prozent der bisher 174 Duelle gewann, die natürlich zu einem größeren Teil im letzten Spieldrittel stattfanden.

Zwei Torvorlagen sind hingegen für ihn deutlich zu wenig. Sein einziger Treffer war ein Elfmeter. Allerdings kann man diese scheinbare Ineffektivität nicht alleine Diego anlasten. Insgesamt mangelte es dem Team in einigen Partien an Ideen in der gegnerischen Gefahrenzone.

DIEGO 2013/14 - IN ZAHLEN
Einsätze
Tore/Vorlagen
Ballkontakte
Passgenauigkeit (in %)
Zweikämpfe (in %)

*Daten von Bundesliga.de
 9
1/2
617
80,8
56,7



Verlangsamung des Spiels

Zu erkennen im Auswärtsspiel gegen den FC Augsburg. Diego bewegte sich ballnah und ballfern gut, hatte die Halbräume besetzt und war stetiger Offensivanker. So war es in den meisten Partien. Aber zumeist fehlte ihm die Option zum Weiterspielen, da die Nebenleute nicht freistanden, die Laufwege nicht perfekt abgestimmt schienen oder Diego zu lange den Ball hielt.

Auf unnötige Spielverlangsamung muss der Brasilianer noch achten. Es kommt vor, dass er beispielsweise in Umschaltsituationen stark zum Ball zieht und sobald er das Spielgerät erhält, zu lange in Besitz bleibt oder eher Eins-gegen-Eins-Duelle sucht. Unnötige Versuche der Ballzirkulation im letzten Drittel führten ebenfalls zum fahrlässigen Verlust von Torchancen In diesem Punkt würde ein direkteres Weiterleiten nicht schaden. Die technischen und spieltaktischen Fähigkeiten zur Beschleunigung des Offensivspiels hat Diego ohne Zweifel.

Einen positiven Entwicklungsaspekt sollte man nicht unerwähnt lassen. Diego hat sich in starken Partien der Wolfsburger reifer im Spiel gegen den Ball präsentiert und zusammen mit Ivica Olic ein intensives und hohes Pressing gezeigt.

Zukunft offen

Im Dezember sollte Koo wieder zur Mannschaft stoßen, könnte von Hecking erneut als Verbindungsspieler ausprobiert werden und mit Diego sowie Arnold ein starkes Dreieck bilden. Inwieweit aber der Brasilianer in Zukunft noch bei den Wölfen wirken wird, bleibt fraglich.

Eine Vertragsverlängerung scheint im Moment in weiter Ferne, Spekulationen um eine eventuelle Rückkehr zu Atletico Madrid reißen gleichwohl nicht ab. Bis heute hat es Diego nicht vollends geschafft, zum erhofften Schlüsselspieler in Wolfsburg zu avancieren, der er wegen seiner Fähigkeiten sein könnte. Positive Aspekte und Entwicklungen sollten aber nicht vergessen werden.

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