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Offiziell: Gertjan Verbeek übernimmt den 1. FC Nürnberg

Der Club hat einen Trainer gefunden: Verbeek hat den Vorzug vor Koller erhalten und soll Nürnberg den Klassenerhalt sichern. Auf dem "harten Hund" lastet enormer Druck.

Nürnberg. Der 1. FC Nürnberghat sich auf einen Nachfolger für Michael Wiesinger festgelegt. Statt Marcel Koller übernimmt Gertjan Verbeek das Traineramt des Traditionsvereins. Mit seiner wilden Frisur erinnert er an Keith Richards von den Rolling Stones - nun soll er den kriselnden Club "rocken".

Solche Vergleiche seien für ihn "ein Kompliment", sagte der 51 Jahre alte Niederländer bei der Vorstellung am Dienstag mit einem Lächeln, und stellte gleich klar: "Aber singen kann ich nicht."

Muss er auch nicht, für ihn zählt beim in dieser Saison noch sieglosen Club nur eins: "Das Ziel ist es, von der untersten Region wegzubleiben. Wir wollen attraktiv Fußball spielen und ein eigenes Gesicht haben", sagte Verbeek in gutem Deutsch.

"Ich hatte vor zehn Tagen ersten Kontakt und habe mich verliebt in den Club. Das ist ein Traditionsverein, mit jungen, talentvollen, aber auch erfahrenen Spielern. Das spricht mich an."

Mischung aus van Gaal und Stevens

Auch wenn er aussieht wie ein Rockstar - auf lautere Töne verzichtete der Nachfolger des vor zwei Wochen entlassenen Michael Wiesinger bei seinem ersten Auftritt in Nürnberg. Am Freitag (20.30 Uhr) wird Verbeek, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2015 unterschrieb, den neunmaligen deutschen Meister im Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart erstmals betreuen. Bis dahin sei es das Wichtigste, dass er "das Team kennenlerne".

Die Erwartungen an den neuen starken Mann bei den Franken sind nach langwieriger Trainersuche groß. "Er ist heiß auf diese Aufgabe, bringt richtig Herz und Feuer mit. Das war von der ersten Minute an zu spüren. Er hat Erfahrung und viel mit jungen Spielern gearbeitet", sagte Sportvorstand Martin Bader. Er habe bei den Gesprächen "zügig das Gefühl gehabt, dass das sehr gut passen kann".

Verbeek gilt in den Niederlanden als sperriger Typ, als autoritärer Trainer, als Mischung aus Louis van Gaal und Huub Stevens. Dies sei eine individuelle Meinung, "ich bin Gertjan Verbeek. Sie bekommen Zeit genug, mich kennenzulernen", meinte er dazu mit einem Grinsen.

"Ein ganz großer Klub"

Der Club ist seine erste Station im Ausland. Zuletzt hatte er drei Jahre in der niederländischen Ehrendivision den AZ Alkmaar trainiert, war 2013 Pokalsieger geworden und hatte den Verein drei Mal in die Qualifikation zur Europa League geführt.

Am 29. September wurde er entlassen. Angeblich soll die Chemie mit der Mannschaft nicht mehr gestimmt haben, "das habe ich nicht verstanden", sagte er. Zudem war Verbeek Coach bei Heracles Almelo (2001 bis 2004 und 2009/2010), dem SC Heerenveen (2001 bis 2004) und Feyenoord Rotterdam (2008/2009). Auch als Profi war er in Heerenveen und Almelo aktiv.

Wunschkandidat war Verbeek aber offenbar nicht. Als Favorit galt zunächst Christian Gross, der absagte. Mit dem österreichischen Nationaltrainer Marcel Koller konnte keine Einigung erzielt werden. Für Bader gab es angeblich nie "einen A-, B- oder C-Kandidaten. Wir haben immer parallel und ergebnisoffen verhandelt. Bei Gertjan war die Schnittmenge am größten."

Zuletzt hatte U23-Coach Roger Prinzen den FCN, der Verbeek zufolhe in den Niederlanden "ein ganz großer Klub" ist, interimsmäßig betreut und immerhin ein 1:1 bei Eintracht Frankfurt erreicht.

Druck auf Verbeek enorm

"Die Mannschaft hat das gezeigt, was wir den Kandidaten in den Gesprächen vermittelt haben: Es sind alles keine Lumpen und Ganoven, sondern Fußballer des 1. FC Nürnberg", sagte Bader. Der Druck auf den neuen Mann ist hoch, aber auch Bader selbst nahm sich in die Pflicht.

"Wenn der nächste Trainer nicht funktioniert, bekomme ich in die Fresse." Aber der 45-Jährige ist vollends überzeugt, dass es funktioniert. Zumal der Kader "genügend bisher leider nicht voll abgerufenes Potenzial" habe.

Der Abstieg dürfe "demnach für uns kein Thema sein - wir sind unverändert auf die Bundesliga fokussiert", unterstrich Bader. Verbeek werde "daran arbeiten, schnell Konstanz in die Leistungen zu bringen, die nötige Ruhe an den Tag legen, um mit einem erfolgreichen Auftreten die Situation zu meistern".

Der FCN steht derzeit mit nur sechs Punkten aus neun Spielen im Tabellenkeller. Zudem war der Club in der ersten DFB-Pokal-Runde überraschend an Zweitligisten Sandhausen gescheitert - eine Bilanz, die schließlich zum Rauswurf von Wiesinger (40) nach nur 287 Tagen führte.

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