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Nach Stefan Kießlings Phantomtor: Mehrheit der Manager für technische Hilfen

Vertreter aus elf der 18 Bundesligavereine fordern, die Torlinientechnologie schnellstmöglich einzuführen. Die DFL hält die existierenden Systeme aber für noch nicht ausgereift.

Frankfurt. Das Phantomtor von Stefan Kießling aus dem Spiel 1899 Hoffenheim gegen Bayer Leverkusen (1:2) schlägt auch drei Tage nach der Partie noch hohe Wellen. Die meisten Manager der Bundesliga fordern, die Torlinientechnologie schnellstmöglich einzuführen. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hält die gängigen Systeme aber für noch nicht ausgereift.

"Wir sind dafür, dass die Technik so schnell wie möglich kommt", sagte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler zu Bild. Hoffenheims Trainer Markus Gisdol forderte, die Technik "für die Tore, sonst für nichts" einzusetzen, weil es sich hierbei um die "größte Entscheidung im Spiel" handele. Auch Werder Bremens Manager Thomas Eichin regte im "Kicker" an: "Die Diskussion muss neu geführt werden."

Das Sportmagazin hat aus elf der 18 Erstligavereine ein klares Votum für die Torlinientechnologie erhalten. Allerdings gab es auch kritische Stimmen. Während Bayern Münchens Sportvorstand Matthias Sammer "gegen Schnellschüsse" ist, verwehrt sich etwa Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen strikt gegen die Technik: "Es ist naiv zu glauben, dann käme es nicht mehr zu höchst strittigen Szenen."

DFL bleibt skeptisch: Zu hohe Toleranzgrenze

Der Ligaverband hält offenbar unbeirrt an seinem Beschluss fest, die Torlinientechnologie frühestens zur Bundesliga-Saison 2015/16 einzuführen. Bislang ist ohnehin offen, mit welchem der von der FIFA zugelassenen Systeme (Goal-Control-4D oder Hawk-Eye) die DFL arbeiten möchte.

Zwar wird die FIFA das System Goal-Control-4D bereits bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr einsetzen, doch DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig hat große Zweifel an der Technik: "Eine Fehlertoleranzgrenze von drei Zentimetern, die die FIFA derzeit bei der Torlinientechnologie noch zulässt, ist für uns nicht akzeptabel."

Wiederholungsspiel eher unwahrscheinlich

Die Chancen, dass die Partie zwischen Hoffenheim und Leverkusen wiederholt wird, scheinen derweil nicht allzu hoch zu sein. So sagte DFB-Vizepräsident Rainer Koch zu "Bild": "Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass es zu einem Wiederholungsspiel kommt. Es ist wohl so, dass man einen Regelverstoß konstruieren müsste, damit der Einspruch berechtigt ist."

Tatsächlich pocht Hoffenheims Anwalt Markus Schütz auf einen solchen Fall: "Wenn Schiedsrichter Brych Zweifel hat, muss er weiterlaufen lassen oder seinen Assistenten befragen. Hat er nicht. Ein Regelverstoß."

Nach Helmers Phantomtor: FIFA stärkte Tatsachenentscheidung

Die FIFA als höchste Instanz im Fußball hat zwar 1994 nach dem Phantomtor von Bayern Münchens Verteidiger Thomas Helmer gegen den 1. FC Nürnberg (2:1) ein Wiederholungsspiel zugelassen, allerdings konnte damals dem Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers ein Verstoß gegen die damals geltenden Regularien nachgewiesen werden: Der Bremer hatte nicht mit seinen Assistenten kommuniziert.

Als Reaktion auf diesen Vorfall hatte die FIFA die relevante Regel fünf verschärft und damit die Tatsachenentscheidung gestärkt. Die Regel lautet nun: "Die Entscheidungen des Schiedsrichters zu spielrelevanten Tatsachen sind endgültig. Dazu gehören auch das Ergebnis des Spiels sowie die Entscheidung auf Tor oder kein Tor."

Völler schlägt Kompromiss vor 

Leverkusens Geschäftsführer Völler schlug derweil einen Kompromiss vor: "Die letzten Minuten können wir wiederholen. Wenn es ein komplett neues Wiederholungsspiel geben würde, dann würden wir das auch akzeptieren." So würde das Spiel beim Stand von 1:0 und Abstoß Hoffenheim in der 70. Minute fortgesetzt.

Ob dieser Vorschlag oder ein anderer Vorschlag umgesetzt wird, entscheidet letztlich allein die FIFA.
 

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