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Von Gross bis Schaaf: 1. FC Nürnberg hofft auf "glückliches Händchen"

Beim 1. FC Nürnberg hat nach der Entlassung von Michael Wiesinger die Suche nach dem neuen Trainer begonnen. Die Liste ist umfangreich, Favorit soll Christian Gross sein.

Nürnberg. Von Christian Gross bis Thomas Schaaf, von Bruno Labbadia bis Felix Magath: Bei Bundesligist 1. FC Nürnberg läuft nach der Entlassung von Trainer Michael Wiesinger die Suche nach einem neuen Trainer auf Hochtouren - und gehandelt werden im aufgeregten Umfeld des fränkischen Traditionsvereins derzeit die üblichen Verdächtigen. Aussichtsreicher Kandidat beim Club soll der Schweizer Gross sein.

"Wir hoffen, dass wir bei der Wahl des neuen Trainers ein glückliches Händchen haben", sagte FCN-Aufsichtsratschef Klaus Schramm. Sportvorstand Martin Bader kündigte eine Entscheidung "in den nächsten Tagen" an. "Ich traue mir schon zu, dass ich zusammen mit meinen Kollegen einen Trainer finde, der gerne beim 1. FC Nürnberg arbeitet", sagte der 45-Jährige. Die Spekulationen wollte Bader aber nicht kommentieren: "Wir haben vorher nicht mit anderen Trainern gesprochen. Deshalb können wir auch nicht von heute auf morgen jemanden präsentieren. Wir wollen die nächsten Tage in Ruhe nutzen, um eine bestmögliche Lösung im Interesse des 1. FC Nürnberg zu finden."

Bis zur Jahreshauptversammlung am kommenden Montag soll die Personalie geklärt sein, um nach der jüngsten sportlichen Talfahrt nicht noch mehr Unruhe aufkommen zu lassen. Zudem soll der neue Coach vor den anstehenden schweren Auswärtsspielen der Franken in Frankfurt (19. Oktober) und Stuttgart (25. Oktober) einen gewissen Vorlauf haben.

Profil: Erfahrung und Autorität

Doch Bader will sich nicht unter Druck setzen lassen. "Im allergrößten Notfall wird Roger Prinzen (Interimscoach, Anm. d. Red.) die Mannschaft auch beim Spiel in Frankfurt betreuen", sagte er den Nürnberger Nachrichten am Dienstag.

Gesucht wird beim neunmaligen deutschen Meister nach der gerade einmal 287 Tage andauernden Amtszeit von Wiesinger (40) nun ein Coach, der in erster Linie über viel Erfahrung und die nötige Autorität verfügt. "In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass es nie schaden kann, wenn eine gewisse Härte vorhanden ist", betonte Schramm. In dieses Profil passt der 59 Jahre alte Gross, der 2009/2010 in Stuttgart und bis April 2012 bei Young Boys Bern tätig war, zudem den FC Basel und Grasshopper Zürich zu sechs Meisterschaften und fünf Pokalsiegen geführt hat.

Als Favoriten neben dem kantigen Gross werden rund um den Valznerweiher aber auch noch der Ex-Bremer Schaaf (bei Werder im Mai nach 14 Jahren entlassen) und Labbadia (bis Ende August beim VfB Stuttgart) genannt. Felix Magath, der 1997/98 schon einmal erfolgreich beim Club gearbeitet hat und bis Ende 2012 in Wolfsburg tätig war, Holger Stanislawski (zuletzt Köln), Markus Babbel (Hoffenheim) und Norbert Meier (Düsseldorf) sind weitere Namen auf der umfangreichen Gerüchte-Liste - aber wohl nur mit geringen Chancen.

Bis zur Präsentation des neuen FCN-Trainers wird Roger Prinzen, normalerweise Coach der Nürnberger U23, die Profis betreuen. Die Laufeinheit am Dienstag, die sogar unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, leitete jedoch Athletiktrainer Markus Zidek. Dem stand allerdings nur ein Mini-Kader zur Verfügung, da neun Spieler des Clubs noch bis Mitte der kommenden Woche mit ihren Nationalmannschaften im Einsatz sind.

Mannschaft auf dem Prüfstand

Bader kündigte nach dem jüngsten 0:5-Debakel gegen den Hamburger SV und bisher acht Ligaspielen ohne Sieg bereits an, auch die Mannschaft auf den Prüfstand zu stellen. "Wir werden genau hinschauen, wer in der Lage und bereit ist, erfolgreich für den 1. FCN Fußball zu spielen", sagte er.

Wiesinger war beim Club nicht mehr zugetraut worden, das Ruder noch einmal herumzureißen, nachdem dessen Maßnahmen - unter anderem suspendierte er Routinier Hanno Balitsch - nicht gefruchtet hatten. "Leider haben die letzten Spiele gezeigt, dass kein kontinuierlicher Aufwärtstrend erkennbar ist", sagte Bader nach einer mehrstündigen Krisensitzung des Vorstandes und des Aufsichtsrates am Montagabend, an dessen Ende die Demission von Wiesinger und dessen Kollegen Armin Reutershahn stand.

"Uns ist es nicht leicht gefallen, Michael und Armin die Entscheidung mitzuteilen. Beide identifizieren sich vollauf mit dem Club und waren immer mit Leib und Seele dabei, aber im Interesse des 1. FC Nürnberg sahen wir uns dazu gezwungen", sagte der FCN-Sportvorstand, der Wiesinger und Reutershahn telefonisch von dem einstimmigen Beschluss unterrichtete. Wiesinger sei "natürlich enttäuscht" gewesen, er habe die Entscheidung aber "sehr gefasst und professionell" aufgenommen.

Wiesinger war an Heiligabend 2012 als Nachfolger von Dieter Hecking benannt worden. In der Rückrunde der vergangenen Saison holte der frühere Profi mit dem Club 24 Punkte und belegte Rang zehn. In dieser Spielzeit wollte sich der Traditionsverein konsolidieren, doch die Bilanz war bislang ernüchternd: Im DFB-Pokal blamierten sich die Nürnberger in der ersten Runde bei Zweitligist Sandhausen, in der Liga gab es in acht Spielen bei fünf Remis noch keinen Sieg - wie letztmals vor 27 Jahren. Nun soll ein neuer Trainer den 1. FC Nürnberg wieder in die Spur und von Platz 16 ins gesicherte Mittelfeld führen.

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