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Ausgerechnet im Niedersachsen-Derby feierte Eintracht Braunschweig seinen ersten Bundesliga-Sieg seit dem 1. Juni 1985.

Wolfsburg. Eintracht "Asterix" Braunschweig hat den Bann gebrochen: Nach schier endlosen 10.353 Tagen feierten die Niedersachsen wieder einen Sieg in der Fußball-Bundesliga. Mit 2:0 behielt man gegen den VfL Wolfsburg die Oberhand. Kein Wunder, dass Trainer Torsten Lieberknecht die berühmten Comic-Helden bemühte.

"Momentan sind wir wie das kleine gallische Dorf. Und heute hat das gallische Dorf verdient gewonnen", sagte der Coach bei Sky. Lieberknecht konnte nach dem Abpfiff seine Siegerfaust gerade noch in die Höhe strecken, da wurde er schon von einer Gratulanten-Schar erdrückt.

Seine Spieler liefen vor die Kurve der 7000 blau-gelben Fans und sangen "Oh, wie ist das schön." Nachdem der Aufsteiger mit dem 2:0 (1:0) beim VfL Wolfsburg den ersten Dreier besiegelt hatte, entlud sich die Anspannung der letzten Wochen in grenzenlosen Jubel.

Ganze Region im Freudentaumel

"Das ist ein besonderer Tag für uns Spieler, für die Fans, für den ganzen Verein", sagte Karim Bellarabi. Der nimmermüde Angreifer der Eintracht hatte mit seinem Saisontor Nummer eins (31.) für die erste Führung der "Löwen" in der laufenden Saison gesorgt und die Basis für den ersten Bundesliga-Sieg seit dem 1. Juni 1985 gelegt. "Das ist geil, atemberaubend, unglaublich - für unsere Stadt und für die ganze Region", äußerte Sturmpartner Mirko Boland, der das 1:0 mustergültig aufgelegt hatte und ebenfalls unglaublich geackert hatte.



Noch in der Kabine starteten die Braunschweiger ihre Party. Laute Hip-Hop-Musik dröhnte durch die Katakomben der VfL-Arena. "Das ist Timo Perthels Handy. Er hat alles dabei, von Hip-Hop bis Schlager", sagte Mittelfeldspieler Norman Theuerkauf, dessen Augen noch Minuten nach Spielende leuchteten. "Das ist ein unglaubliches Gefühl. Wir haben im entscheidenden Moment ein Tor gemacht. Danach lief es für uns", sagte Theuerkauf.

Für Lieberknecht wurden die letzten Minuten zur Qual. Obwohl seine Elf nach dem 2:0 durch den eingewechselten Dominik Kumbela (86.) sicher in Führung lag, tigerte der Aufstiegs-Architekt in seiner Mixed-Zone hin und her und legte sich mit dem vierten Unparteiischen an. Am Ende konnte dann auch der Coach durchatmen: "Wir haben 90 Minuten nahezu fehlerfrei gespielt und eine gute Grundordnung gezeigt. Das war der Schlüssel zum Erfolg."

Wende nicht durch geäußerte Zweifel gekommen

Dass der plötzliche Erfolg auch mit seinen in der vergangenen Woche geäußerten Zweifeln an der eigenen Arbeit zu tun hatte und auf die Mannschaft wie ein Weckruf wirkte, wollte Lieberknecht lieber nicht bestätigen. "Nein, da habe ich die 0:4-Niederlage gegen Stuttgart in der Öffentlichkeit verdaut. Ein Rücktritt von mir stand gar nicht im Raum. Der ein oder andere hat die Gefühlslage falsch eingeschätzt."

Vor dem ersten Bundesliga-Derby im nur knapp 40 Kilometer entfernten Wolfsburg musste sich der Aufsteiger viel Hohn und Spott gefallen lassen. Die Fans der Gastgeber hielten Plakate hoch mit der Aufschrift: "In Europa kennt Euch keine Sau" oder "Wir begrüßen die Fußballvorstadt der Region zum Schnupperkurs Bundesliga". "Das hat mich gar nicht interessiert", behauptete Bellarabi trotzig: "Für uns war es nur wichtig, sich auf dieses Spiel zu konzentrieren. Und das haben wir gut gemacht."

Für die "Wölfe" war die Niederlage nach Worten von Trainer Dieter Hecking ein "Rückschlag". Eigentlich wollte der Werksklub in der Tabelle längst Kontakt zu den internationalen Plätzen aufgenommen haben, doch nun taumelt man wieder einmal im unteren Mittelfeld der Liga umher. Bislang konnte man immer auf die gute Heimbilanz von drei Siegen in drei Spielen hinweisen, doch damit ist nun auch vorbei. Der ambitionierte Klub blickt mal wieder schweren Zeiten entgegen.

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